Erstmals Daten für alle deutschen Landkreise ausgewertet

Studie zeigt: Jeder Fünfte kommt zurück in den Landkreis

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Viele kommen zurück: Laut Studie kommt jeder Fünfte wieder zurück in den Landkreis, nachdem er zunächst fortgegangen ist.

Waldeck-Frankenberg. 21,5 Prozent der Personen, die den Landkreis Waldeck-Frankenberg seit 2001 verlassen haben, sind irgendwann wieder zurück in ihre Heimat gekommen. Das ist das Ergebnis einer bislang einzigartigen Studie, die von fünf Autoren unterschiedlicher Institute angefertigt wurde. Ein Fazit der Studie lautet: Ländliche Regionen profitieren prinzipiell stärker von Rückwanderung als Großstädte.

Absolute Zahlen könne man aus Datenschutzgründen nicht benennen, sagt Dr. Robert Nadler, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund und einer der Autoren der Studie. Deshalb sei ausschließlich mit Quoten gearbeitet worden.

Ein weiteres Fazit der Studie ist, dass Männer deutlich häufiger zurückwandern als Frauen, sagt er. Aus anderen Untersuchungen sei bekannt, dass im ländlichen Raum eher typische Männerberufe ausgeübt werden könnten, beispielsweise Handwerk, Maschinenbau oder Landwirtschaft. Das könnte ein Grund sein, warum vermehrt Männer in die (ländliche) Heimat zurückkehren. „Frauenjobs, zum Beispiel im Dienstleistungsbereich, sind eher in Großstädten zu finden.“ Generell hätte man die Gründe für eine Rückkehr aber nicht analysieren können, so Nadler.

Auch Partnerschaften können aber durchaus eine Rolle spielen bei der Rückkehr. Frauen bleiben beispielsweise nach einem Uni-Abschluss häufig in Städten, sie lernen dort oft Partner kennen. Meist würden sie dann in der Stadt bleiben oder dem Partner in dessen Heimat folgen, erklärt Robert Nadler. Männer dagegen würden nicht so oft stabile Partnerschaften in Abwanderungsregionen eingehen.

Die Rückkehrquote im benachbarten Hochsauerlandkreis liegt bei 20,7 Prozent, in Marburg-Biedenkopf bei 17,3 und im Landkreis Kassel bei 24,1 Prozent. Deutschlandweit liegt die Quote bei 19,6 Prozent.

Datensätze der Arbeitsagentur

„Rückwanderung von Erwerbspersonen – aktuelle Deutschlandzahlen im regionalen Vergleich“ heißt die Studie, die erstmals angefertigt wurde und Rückkehrquoten für alle deutschen Landkreise abbildet. „Bisher konnten die Bewegungen nicht beobachtet werden“, sagt Dr. Robert Nadler, einer der Autoren der Studie. Über Einwohnermeldeämter habe man nur erfahren, wo eine Person herkomme, nicht aber vorherige Wohnorte.

Für die Studie habe nun die Bundesagentur für Arbeit große Datensätze zur Verfügung gestellt, die ab 1999 erfasst wurden. Für die Berechnungen zur Untersuchung wurden Daten ab 2001 herangezogen. (ren)

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