Jeder vierte Einwohner im Landkreis in Rechtsstreit verwickelt

Streitatlas: Immer öfter geht es vor Gericht 

Mehr als jeder vierte Einwohner im Landkreis war im Jahr 2018 in einen Rechtsstreit verwickelt.

Das geht aus dem sogenannten Streitatlas 2019 hervor, den der Rechtsschutzversicherer Advocard veröffentlicht hat.

Statistisch gesehen gibt es demnach 20,4 Streitfälle pro 100 Einwohner in Waldeck-Frankenberg. Zum Vergleich: Im Landkreis Kassel sind es 24,7 Streitfälle, im Kreis Höxter 23,9, hessenweit sind es 25,7 Fälle je 100 Einwohner. Im Bundesvergleich liegt Hessen damit auf Platz sechs, Spitzenreiter mit den meisten gerichtlichen Auseinandersetzungen sind Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Die Zahl der juristischen Streitigkeiten ist damit gestiegen: Im letzten Streitatlas waren es im Landkreis noch gut acht Streitfälle weniger pro 100 Einwohner.

Scheidung, Abofallen und Hundebisse

Die häufigsten Gründe für juristische Auseinandersetzungen in Waldeck-Frankenberg sind laut Erhebung im Bereich Privates (43,5 Prozent) zu finden. Dazu gehören neben Scheidung und Trennung auch Erbfälle, Urlaubs- und Reisemängel sowie Darlehenswiderrufe, aber auch Hundebisse und Abofallen.

Der zweithäufigste Grund für Streitigkeiten vor Gericht ist alles rund um die Themen Verkehr und Mobilität, teilt der Rechtsschutzversicherer mit. Am häufigsten geht es dann um Geschwindigkeitsüberschreitungen, Verkehrsunfälle, Mängel beim Autokauf und Fahrerfluchten. Auf Platz drei folgt mit 9,2 Prozent bei den Streitgründen die Arbeit. Vergütung, Kündigung und Arbeitszeugnis sind hier die häufigsten Klagegründe für Waldeck-Frankenberger.

Verfahrenskosten oft höher als Streitwert

Auch die Streitwerte haben sich die Statistiker angeschaut: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg übersteigt demnach jeder zwölfte Streit einen Wert von 10 000 Euro. Die weitaus meisten Fälle liegen jedoch deutlich darunter, die meisten Streitwerte liegen bei bis zu 2000 Euro. Oft würden die Verfahrenskosten den Streitwert um ein Vielfaches übersteigen, heißt es vom Verfasser der Untersuchung.

Die Erhebung zeigt zudem, dass Rechtsstreitigkeiten immer länger dauern: Fast 40 Prozent der Fälle nehmen ein bis zwei Jahre in Anspruch. Bei der letzten Erhebung waren es knapp sechs Prozent weniger mit dieser langen Dauer.

Männer öfter vor Gericht

Generell hat der Streitatlas gezeigt, dass Männer häufiger vor Gericht ziehen als Frauen, gut 66,5 Prozent aller Rechtsstreits werden demnach von Männern ausgetragen. Am häufigsten sind zudem Menschen im Alter zwischen 46 und 55 Jahren in gerichtliche Streitfälle verwickelt (in 27,5 Prozent der Fälle). 

Alle zwei Jahre neu

Advocard, der Rechtsschutzversicherer von Generali Deutschland, veröffentlicht alle zwei Jahre den sogenannten Streitatlas. Nach eigenen Angaben hat Advocard seit dem ersten Streitatlas im Jahr 2013 gut zwei Millionen Streitfälle aus ganz Deutschland ausgewertet. Nach eigenen Angaben hat Advocard 1,4 Millionen Kunden.

Rubriklistenbild: © dpa

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