Gewerkschaft unterstützt Kita-Appell und fordert Luftfilter für Klassen

„Die Präsenzklassen und -gruppen sind immer noch viel zu voll“

Laut der Lehrer-Gewerkschaft GEW steige trotz der Aussetzung der Präsenzpflicht im aktuellen Lockdown an einzelnen Grundschulen im Landkreis die Zahl der Kinder, die in die Schule geschickt werden, von Woche zu Woche.
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Laut der Lehrer-Gewerkschaft GEW steige trotz der Aussetzung der Präsenzpflicht im aktuellen Lockdown an einzelnen Grundschulen im Landkreis die Zahl der Kinder, die in die Schule geschickt werden, von Woche zu Woche.

Den offenen Brief von 45 Kindertagesstätten aus Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf unterstützt auch der Kreisverband Frankenberg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Mit dem Schreiben appellieren die Kitas an Politiker, Träger und zuständige Behörden, dass klare und bundeseinheitliche Regeln sowie ein verstärktes Hygiene- und Schutzkonzept in ihren Einrichtungen in der Corona-Krise umgesetzt werden. (wir berichteten)

Nach Ansicht der Pädagogen reicht es nicht aus, für Kitas und Grundschulklassen die Präsenzpflicht der Kinder zwar auszusetzen, aber die Verantwortung den Eltern zuzuschieben.

Noch immer seien die eigentlich nur für Notfälle bestehenden Präsenzgruppen oder -klassen viel zu voll, heißt es in einer Pressemitteilung der GEW. Dies sei offensichtlich im hessischen Kultusministerium mittlerweile bekannt, sodass auch von dort jetzt in einem Brief an die Eltern dringend appelliert wurde, „dass nach wie vor so viele Schülerinnen und Schüler wie möglich zu Hause lernen und dort am Distanzunterricht teilnehmen“. 

In einer Videokonferenz informierte sich der GEW-Kreisvorstand über die Situation an allen Schulformen des Kreises. Dabei habe sich gezeigt, dass an einzelnen Grundschulen die Zahl der Kinder, die in die Schule geschickt werden, von Woche zu Woche steige, berichtete die Gewerkschaft. Für diese Lehrkräfte stelle die Organisation des Unterrichts in der Schule einerseits sowie der Anleitung der Kinder im Distanzlernen andererseits aktuell eine große Doppelbelastung dar. „Die geplante Einführung des Wechselunterrichtes ab Mitte Februar ist daher ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt GEW-Vorstandsmitglied Sieglinde Peter-Möller.

GEW-Personalratsmitglied Jens Kühl berichtete, dass in den Berufsschulen aufgrund der zahlreichen Abschlussklassen im Augenblick viele Schüler anwesend seien. „Da die Berufsschulen technisch relativ gut ausgerüstet sind und die meisten Berufsschüler auch, sollte für diese Klassen Distanzunterricht möglich sein“, findet Kühl. Erst unter einer vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlenen Inzidenz von 35 sollten die Berufsschulen wieder Präsenzunterricht anbieten, und dann nur sinnvoll eingeschränkt, bis die Inzidenz vernachlässigbar sei, erklärte der Berufsschullehrer.

Im Gegensatz dazu müsse für Kinder der Grund- und Förderschulen eine baldige Rückkehr zum Präsenzunterricht in Form eines Wechselunterrichtes, allerdings unter Einhaltung der RKI-Richtlinien, angestrebt werden, meint GEW-Kreisvorstandsmitglied Elke Mitze.

„Insbesondere jüngere Kinder sowie Schülerinnen und Schüler mit einem höheren Förderbedarf brauchen eine persönliche Anleitung in der Strukturierung der Lerninhalte sowie das soziale Miteinander.“

Befremdlich findet die Bildungsgewerkschaft GEW, dass ihr offener Brief an die zuständigen Landes- und Lokalpolitiker sowie den Schulträger nur von ganz wenigen Adressaten beantwortet worden sei. Es sei unverantwortlich, wenn der Landkreis Waldeck-Frankenberg als Schulträger sich weiterhin mit „Stoßlüften“ in Klassenräumen zufrieden gebe, statt die zur Verfügung gestellten Landesmittel für die auch von Experten dringend geforderten Filter-Lüftungsgeräte zu verwenden. „Auch in den kommenden Jahren, wenn die Corona-Pandemie hoffentlich vorbei ist, würde sich diese Investition zur Herausfilterung von Grippeerregern aus der Luft in Klassenräumen nachhaltig lohnen“, findet die Frankenberger GEW.

Infektion auch bei Kindern ernst nehmen

Sind Eltern oder andere Familienmitglieder mit Corona infiziert, sollte eine Ansteckung von Kindern nicht billigend in Kauf genommen werden.

„Man könnte natürlich sagen, dass die Kinder das ja einfach durchmachen sollen, weil es ja kein Problem für sie sei – doch so einfach ist das nicht“, sagt Kinderarzt Jakob Maske.

Denn Entzündungen aller Art sind auch ein möglicher Auslöser für bestimmte Krankheiten, zum Beispiel Typ-1-Diabetes. Genau wie andere Infektionen kann Corona das auslösen. Dazu kommt, dass eine Covid-19-Erkrankung auch bei Kindern einen schweren Verlauf nehmen kann, wenngleich das sehr selten passiert.

Es ist also sinnvoll, sich im Fall einer Infektion wenn möglich zu isolieren, sofern die Kinder noch keine Symptome zeigen. Je jünger die Kleinen sind, desto schwieriger wird das natürlich.

Eine komplette Isolation in den gemeinsamen vier Wänden ist vor allem mit kleinen Kindern nicht sehr realistisch, glaubt Prof. Hubertus Adam. Er ist Chefarzt an der psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche in Eberswalde.

Was ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden dürfe: „Auch im Falle einer Corona-Infektion ist es wichtig, dass Kinder emotional gut versorgt sind und zum Beispiel von den Eltern ins Bett gebracht werden“, sagt Adam. Es sei gefährlich, Kinder in solch einer beängstigenden Situation – meiner Mama oder meinem Papa geht es schlecht – allein zu lassen.

Von Karl-Hermann Völker

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