Naturschützer informieren über invasive Arten · Gefahr für Gesundheit

Kampf der Bärenklau-Invasion

+

Waldeck-Frankenberg - Da beim Kontakt mit Riesenbärenklau schwere Verbrennungen drohen, tauschten sich Natur- und Landschaftsschützer auf Einladung der Unteren Naturschutzbehörde gestern in Korbach über ihre Erfahrungen mit der Bekämpfung der invasiven Art aus.

„Der Riesenbärenklau und andere invasive Pflanzen- und Tierarten standen im Mittelpunkt des Treffens“, berichtet Ulrich Trachte vom Fachdienst Natur- und Landschaftsschutz des Landkreises (Untere Naturschutzbehörde). In der Kreisstadt waren beispielsweise Vertreter zahlreicher Städte und Gemeinden, der Forstämter, Wasserverbände, der Straßenverkehrsbehörde sowie des Naturschutzbundes zusammengekommen. Die Mitarbeiter der Delta Waldeck-Frankenberg GmbH - sie ist die Nachfolgerin der Beschäftigungsgesellschaft - stellten sich vor.

Zu den invasiven Arten, die mithilfe des Menschen in Gebieten des Landkreises Einzug halten, in denen sie nicht zu Hause sind, zählt Trachte zum Beispiel die spät blühende Traubenkirsche. „Sie breitet sich massiv aus und unterdrückt heimische Pflanzen. Aus Sicht des Naturschutzes ist das nicht gut.“ Riesenknöterich und Ambrosie sind ebenfalls vertreten, aber nur in geringem Maße. Bei den Tieren erregen vor allem Nilgänse die Aufmerksamkeit der Experten. Trachte: „Sie leben sehr menschennah und ärgern insbesondere Badegäste.“ Interessant ist für Trachte, dass auch die EU Strategien gegen invasive Tier- und Pflanzenarten entwickeln will.

Ausstechen favorisiert

Größtes Problem für die Wal­deck-Frankenberger ist nach wie vor der Riesenbärenklau: „Die Bestände verteilen sich über den ganzen Kreis, wobei einige Städte und Gemeinden wie Haina, Waldeck und Korbach besonders gestraft sind.“

Zuversichtlich stimmt Trachte, dass sich die jahrelange Bekämpfung inzwischen auszahlt: „Die Bestände sind zurückgegangen, auch wenn es immer mal wieder neue gibt.“ Diese Invasionen erklärt sich der Fachmann unter anderem mit den riesigen Beständen in der westfälischen Nachbarschaft. „Unsere Kollegen aus dem Hochsauerlandkreis und aus Siegen-Wittgenstein haben gestern berichtet, dass sie mehrere Tausend Pflanzen bekämpfen müssen.“ Die Probleme entstehen dort durch große Gewässer. „Zum Glück haben sie Erfolg mit der Bekämpfung“, betont Trachte, „denn wenn die Pflanzen aussamen, kommen die Samen mit den Fließgewässern zu uns.“ In Waldeck-Frankenberg starten die Delta-Mitarbeiter im Mai mit der Bekämpfung.

Warum Westfalen und Hessen den teils meterhohen Riesenbärenklau so massiv bekämpfen, erklärt Trachte mit den besonderen Gefahren für den Menschen. Wenn der Saft auf die Haut gelangt und Licht hinzukommt, drohen „starke Verbrennungen und Hautirritationen, die teilweise lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können“.

Als favorisierte Bekämpfungsmethode nennen die Fachleute das Ausstechen. Dabei wird der rübenähnliche Wurzelstock von der Seite rund 20 Zentimeter tief in der Erde abgestochen und die Pflanze mit der Schnittfläche nach oben abgelegt. Bei felsigem Untergrund setzen die Experten auf zugelassene chemische Präparate. „Sie werden gespritzt. In Gewässernähe werden die Blätter bestrichen.“ Eine Alternative ist die Beweidung, bevorzugt mit Schafen oder (Galloway-)Rindern. Trachte: „Für sie sind die jungen Pflanzen fast eine Leckerei.“

Kontrolle im Sommer

„Wenn die Blütendolden im Sommer austreiben, ist es wichtig, die bekämpften Bestände noch einmal zu kontrollieren“, hebt Ulrich Trachte hervor. Wenn er blühe, sei der Riesenbärenklau sehr auffällig und könne erneut bekämpft werden. „Das Abschlagen reicht jedoch nicht. Die Dolden müssen eingesammelt und verbrannt werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare