Diebe haben es auf Rohstoffe im Fahrzeug-Bauteil abgesehen

Katalysator-Klau an Autos nimmt zu

Blick unter das Auto: Wegen der wertvollen Rohstoffe, die sich in einem Fahrzeugkatalysator befinden, ist der „Kat“ bei Dieben beliebter geworden.
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Blick unter das Auto: Wegen der wertvollen Rohstoffe, die sich in einem Fahrzeugkatalysator befinden, ist der „Kat“ bei Dieben beliebter geworden.

Es ist für Kriminelle mittlerweile ein einträgliches Geschäft geworden: Der Diebstahl von Katalysatoren hat in Deutschland stark zugenommen. Der Grund: In dem Fahrzeug-Bauteil stecken wertvolle Rohstoffe.

Die ADAC-Straßenwacht verzeichnete 2020 alleine 420 Einsätze wegen gestohlener Katalysatoren. 2017 seien es gerade einmal 38 Fälle gewesen, 2018 waren es 77 Fälle und 2019 lag die Zahl bei 169.

„Dass Diebe es zunehmend auf Katalysatoren abgesehen haben, liegt an den darin enthaltenen Rohstoffen. Sie enthalten Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium“, berichtet Dirk Richter von der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg. Die Preise dafür seien in den zurückliegenden Jahren stark gestiegen. Auch in Waldeck-Frankenberg sei es in den vergangenen Jahren zu einigen Diebstählen von Katalysatoren an Fahrzeugen gekommen.

2018 kam es laut Polizei zu zwei Fällen: In Sachsenhausen wurde ein Katalysator von einem Mercedes-Sprinter gestohlen. Bei dem zweiten Fall entwendeten unbekannte Täter in einer Nacht von Firmengeländen in Bad Wildungen-Wega und im Edertal an mehreren Fahrzeugen die Katalysatoren. Betroffen waren hier wieder überwiegend Mercedes-Sprinter, wobei die Täter teilweise die schon abmontierten Katalysatoren am Tatort zurücklassen mussten, weil sie wahrscheinlich gestört wurden.

Während für 2019 keine Diebstähle bekannt wurden, kam es nach Auskunft der Polizei 2020 zu insgesamt fünf Fällen. Im Juli war ein VW Polo in Bad Wildungen betroffen, im Oktober wurden in einer Nacht an zwei VW Polos in Korbach Katalysatoren gestohlen. Ende September und Anfang Oktober waren Diebe bei einer Autowerkstatt in Korbach aktiv, wo sie an vier Fahrzeugen die Katalysatoren entwendeten.

Im November stahlen unbekannte Täter mehrere Katalysatoren aus Baufahrzeugen, unter anderem aus einem Mercedes-Sprinter bei einer Firma in Diemelstadt-Rhoden. Bei dem fünften Fall im Jahr 2020 waren im November ein BMW und ein Golf in einem Allendorfer Ortsteil die Ziele der Täter.

2021 ist der Polizei in Waldeck-Frankenberg bisher ein Fall bekannt geworden. „Auf dem Gelände eines Autohauses in Herzhausen gingen unbekannte Täter offensichtlich zielgerichtet fünf Autos an und trennten die Katalysatoren fachmännisch ab, um sie zu entwenden. Betroffen waren hier drei VW Polo, ein Alfa Romeo und ein Renault“, berichtet Dirk Richter.

In wenigen Minuten ist alles vorbei

Der „Kat“ in einem Fahrzeug enthält mit Platin, Palladium und Rhodium wertvolle Rohstoffe. Wie die Fachzeitung Auto-Bild berichtet, bleiben die Edelmetalle im „Kat“ unverändert und sie lassen sich recyceln – auch wenn ein Katalysator schon 20 Jahre lang seine Arbeit getan hat. Zwischen 100 und 600 Euro würden Schrotthändler und Recyclingbetriebe für einen „Kat“ bezahlen.

„Wie die Diebe die Katalysatoren absetzen, kann allerdings nur spekuliert werden. Bei der Polizei im Landkreis Waldeck-Frankenberg liegen keine Hinweise vor, dass die Abgasreiniger oder die darin enthaltenen Metalle bei Verwertungsbetrieben im hiesigen Gebiet veräußert wurden“, berichtete Dirk Richter, Pressesprecher bei der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg auf Anfrage unserer Zeitung.

Dass Katalysator-Diebstähle bundesweit deutlich angestiegen sind, zeigen neben der ADAC-Statistik auch die zahlreichen Polizeimeldungen in den Medien. Bundesweite Statistiken über diese Taten gibt es allerdings nicht. „Aufgrund der früheren polizeilichen Erfassung von Straftaten war eine Recherche daher auch nur bedingt möglich“, sagt Dirk Richter und begründet damit, warum er verlässliche Zahlen nur für die Jahre 2018 bis 2020 habe nennen können.

Bei diesen im Landkreis bekannt gewordenen Fällen sei aber erkennbar, dass oftmals ältere Autos und Klein-Lkw betroffen waren. „Auffällig häufig wurden VW Polo und Mercedes-Sprinter das Ziel der Diebe. Autohäuser und Betriebe, die mehrere Fahrzeuge auf einem Freigelände stehen haben, werden von den Dieben offensichtlich bevorzugt“, sagt der Kriminalhauptkommissar.

Über eine mögliche Dunkelziffer der Taten könne naturgemäß immer nur spekuliert werden. „Im Bereich der Katalysator-Diebstähle dürfte sie aber eher sehr niedrig sein, da die Geschädigten den Diebstahl bemerken und daher – zumindest wenn eine Versicherung besteht – auch sehr wahrscheinlich eine Anzeige bei der Polizei erstatten“, so Richter.

Die Diebstähle dauern nach Auskunft des Polizeisprechers in der Regel nur wenige Minuten. „Die Autos werden mit Wagenhebern aufgebockt, der Katalysator wird von der Auspuffanlage meist fachmännisch abgetrennt und gestohlen.“ Die dafür benötigten Werkzeuge führten die Täter mit sich. Bei Lastwagen oder Klein-Lkw müssten die Fahrzeuge teilweise erst gar nicht aufgebockt werden.

Auf die Frage, wie man sich vor Katalysator-Diebstählen schützen könnte, sagte Dirk Richter: „Ein wirksamer Schutz ist nur zu erreichen, wenn die Fahrzeuge in einem gesicherten Bereich stehen, also in einer Garage oder in anderen Gebäuden. Autobesitzer, die über eine Garage verfügen, sollten diese daher auch ständig nutzen.“

Die Polizei reagiere auf die neue Kriminalitätsform unter anderem mit verdeckten Maßnahmen – auch im Rahmen der Streifentätigkeit. „Verdächtige Fahrzeuge und Personen werden kontrolliert, dabei wird gezielt auf spezielles Tatwerkzeug geachtet. Potentielle Ziele der Täter werden intensiver be-streift“, so Richter. Die Polizei bitte regelmäßig auch die Bevölkerung um Hinweise. Verdächtige Wahrnehmungen sollten auf jeden Fall zeitnah der Polizei gemeldet werden.

Kaskoversicherung ersetzt den Schaden

Mehrere Online-Vergleichsportale für Versicherungen sowie der ADAC weisen darauf hin, dass bei einem Katalysator-Klau die Kaskoversicherung den Schaden ersetzt. Entscheidend für die Versicherung sei bei einem Diebstahl, dass die Fahrzeugteile fest verbaut sind. Herausnehmbare Navigationssysteme oder Smartphones fielen dagegen nicht unter den Versicherungsschutz der jeweiligen Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung. 

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