Arzt rechnet ab Herbst mit Impfstoff 

Keine Impfpflicht geplant - Politik setzt auf Freiwilligkeit

Keine Impfpflicht gegen Coronavirus geplant - Die Politik setzt auf Freiwilligkeit.
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Virologen suchen einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Manche fürchten eine „Zwangsimpfung“ und verbreiten darüber Falschmeldungen.

Eine Impfpflicht wird es nicht geben, und auch der Immunitätsnachweis ist erst mal vom Tisch. Bei Sorgen um Einschränkungen der Grundrechte gibt der Politikwissenschaftler Dr. Wolfgang Schroeder Entwarnung.

Kassel/Korbach - Bis jetzt ist wissenschaftlich noch nicht geklärt, ob Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert gewesen sind, immun dagegen sind beziehungsweise wie lange eine mögliche Immunität bestehen würde. Zudem weiß man nicht, ob und inwieweit ein Mensch trotz Immunität das Virus weiterverbreiten kann.

Forschung: Bis jetzt noch kein Impfstoff gegen Corona gefunden 

Auch deshalb ließ ein erster Gesetzesentwurf des Bundeskabinetts „zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ aufhorchen. In dem Entwurf hieß es unter anderem: „Wenn wissenschaftlich bewiesen ist, dass nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 Immunität besteht und man niemanden mehr anstecken kann, lassen sich Schutzmaßnahmen zielgenauer ergreifen. Dafür kann man sich künftig Immunität bescheinigen lassen – analog zum Impfpass.“ Diese Passagen wurden später entfernt.

Corona-Krise: Impfstoff fieberhaft gesucht 

Ein Immunitätspass würde der Logik des Staates entsprechen, um eine gewisse Kontrolle zu haben und zum Schutz der Bevölkerung beizutragen, erklärt Professor Dr. Wolfgang Schroeder, Politikwissenschaftler an der Uni Kassel. Doch er vermutete schon bald, dass der Gesetzentwurf so nicht durchgehen würde. „Er hat in Bezug auf den Immunitätsnachweis keine hinreichende, wissenschaftliche und datenschutzrechtliche Legitimation.“ 

Wolfgang Schroeder ist Politikprofessor an der Universität Kassel. Von 2009 bis 2014 war er Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie in Brandenburg. Er gehört der Grundwertekommission der SPD an. Er äußert sich zur aktuellen Corona-Krise und einer befürchteten Impfpflicht. 

Die Kritik daran basiere auf verschiedenen Argumenten: Erstens bestünden Zweifel in Bezug auf den Datenschutz. Zudem gebe es eine berechtigte Sorge, dass ein solcher Nachweis zu einer Art Zwei-Klassen-Gesellschaft führen könnte, etwa wenn Schutzmaßnahmen nicht für jene gelten würden, die keine Immunität nachweisen. „Dies wäre mit unserem Verständnis von Freiheit nicht zu vereinbaren.“

Impfung gegen Corona: Impfpass könnte für „falsches Sicherheitsgefühl“ sorgen

Vor allem aber könne ein solcher Pass ein „falsches Sicherheitsgefühl“ vermitteln. Dr. Wolfgang Schroeder spricht von einer so genannten Evidenz-Problemlage. Das heißt, es sei noch lange nicht erwiesen, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 auch wirklich bedeutet, dass man danach immun ist und wie lange diese Immunität gegebenenfalls reiche. „Mein Urteil lautet daher, dass die Diskussion angesichts der unzureichenden Evidenzlage zumindest verfrüht ist.“

Gesundheitsminister Jens Spahn will selbst beruhigen: „Die Frage, ob im Falle von Corona zusätzlich ein Immunitätsausweis sinnvoll ist, sollten wir als Gesellschaft in Ruhe abwägen und debattieren.“ 

Corona-Krise: Noch kein Impfstoff in Sicht  

Die Warnungen vor einer Impfpflicht, die im Internet kursieren und die suggerieren, dass eine solche nun bevorstehe, gehen nach Ansicht von Politikprofessor Dr. Wolfgang Schroeder an der Lage in Deutschland vorbei. Schließlich gebe es bisher weder eine im Zweifelsfall zu sanktionierende Impfpflicht noch gebe es gegen Corona einen Impfstoff. 

Corona-Impfung: "Unsicherheit und wachsendes Nichtwissen"

In Online-Petitionen wird sich gegen eine „Zwangsimpfung“ ausgesprochen. Der Politologe bewertet die Verbreitung von Falschnachrichten wie folgt: „Die gegenwärtigen Unsicherheiten, die gerade die Politik prägt, sind ein Nährboden für Verschwörungstheorien.“ Populisten profitierten davon, dass im Umgang mit dem Corona-Virus vieles ungeklärt sei. Zunehmende Unsicherheit und wachsendes Nichtwissen sind „Signaturen unserer Zeit“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht sich gegen eine Impfpflicht aus, sollte ein Impfstoff gegen das COVID-19-Virus gefunden werden. Außerdem sieht der Gesundheitsminister nach eigener Aussage gar keinen Bedarf: „Mein Eindruck ist, dass sich die allermeisten Bürger sofort freiwillig impfen lassen würden, sobald es eine Impfung gegen das Coronavirus gibt. Wo Freiwilligkeit zum Ziel führt, braucht es keine gesetzliche Pflicht.“

Korbacher Arzt würde Impfung gegen Corona empfehlen

Der Korbacher Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Peter Koswig rechnet damit, dass noch bis zum Herbst, wenn Erkältungs- und Atemwegserkrankungen erfahrungsgemäß zunehmen, ein wirksamer und verträglicher Impfstoff gegen COVID-19 auf dem Markt sein könnte. „Das Impfen würde ich meinen Patienten empfehlen“, sagt er. Eine Impfpflicht hingegen hält er für „unsinnig und sehr unwahrscheinlich“.

Alle neuen Informationen zur Ausbreitung des Corona-Virus im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es im Ticker. Auch aus Kassel und Niedersachsen gibt es die neusten Entwicklungen in den Corona-Tickern. 

Im Kampf gegen die Ausbreitung von Corona steht eine neue Methode im Fokus. Diese könnte einen wichtigen Zeitgewinn bringen.

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