Waldeck-Frankenberg

Keine Zivis mehr, aber viel Arbeit

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- Waldeck-Frankenberg (resa). Rund 35 Zivildienstleistende hatte das Lebenshilfe-Werk Waldeck-Frankenberg bisher im Jahr. Die sind ab heute Geschichte, denn der Zivildienst wird durch den Freiwilligendienst abgelöst – das sorgt nicht nur bei der Lebenshilfe für große Sorgen.

Sie nehmen sich Zeit, halten Hände, begleiten behinderte Menschen und fahren das Essen aus: Vielseitig haben Verbände und Einrichtungen Zivildienstleistende in den vergangenen 50 Jahren eingesetzt. Und obwohl die jungen Männer keinen Angestellten ersetzen durften, werden sie künftig fehlen. Ab heute nämlich gibt es keine Zivildienstleistenden mehr: Mit der Abschaffung der Wehrpflicht ist auch der Ersatzdienst Geschichte. Stattdessen hat die Regierung den Freiwilligendienst eingerichtet – wie der Name schon sagt, gänzlich ohne Verpflichtung.

Rund 50 000 Freiwillige haben sich die Verantwortlichen erhofft. „Aber das ist völlig unrealistisch“, sagt Bernd Fischer, der bisher Zivildienstbeauftragter beim Deutschen Roten Kreuz Korbach/Bad Arolsen war und sich künftig um die Freiwilligendienstler kümmern will. Nur: „Wir haben noch keine einzige Bewerbung“, sagt Fischer. Vier Zivildienstleistende hat das Deutsche Rote Kreuz bisher beschäftigt, 60 Prozent der Kosten übernahm der Staat. Ob beim Ausfahren von „Essen auf Rädern“ oder bei nichtqualifizierten Fachdiensten: „Für uns waren die Zivis wichtig.“

Was den Freiwilligendienst angehe, sei man beim Roten Kreuz sehr skeptisch. „Wir haben schon einige Teilzeitkräfte eingestellt“, erklärt Fischer, „um so die Lücke zu schließen.“ Das sei für den Verband sehr teuer, aber im Moment noch nicht anders zu lösen. Fragwürdig sei die Einrichtung eines Freiwilligendienstes ohnehin, schließlich gebe es ja das „Freiwillige Soziale Jahr“. Das ermögliche jungen Leuten nach dem Schulabschluss ja bereits eine praktische Zeit in sozialen Einrichtungen. „Da haben wir in diesem Jahr zumindest einen Bewerber“, sagt Fischer.

Währenddessen werben die Johanniter verstärkt für den Freiwilligendienst. Der sei schließlich, im Gegensatz zum Freiwilligen Sozialen Jahr, auch für Interessierte über 27 Jahre möglich. „Wir hatten bisher sechs Zivildienstleistende im Jahr“, sagt Carsten Emde, Dienststellenleiter der Johanniter-Unfallhilfe Waldeck-Frankenberg. Früh habe sich der Verband allerdings auf weniger Zivildienstleistende eingestellt und deswegen die Arbeit umgelegt. „Das bedeutet für die Mitarbeiter zwar zuweilen etwas Mehrarbeit“, sagt Emde, „aber die Zivildienstleistenden haben bei uns ja nur Hilfsaufgaben übernommen“. Entsprechend weniger dramatisch sei der Wegfall.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Freitag, 1.Juli

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