Meldepflicht soll verlässliche Daten bringen · Kreisgesundheitsamt empfiehlt Impfungen

23 Keuchhusten-Fälle gemeldet

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Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Erwachsenen, sich der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus und Diphtherie auch gegen Pertussis impfen zu lassen.

Waldeck-Frankenberg - Seit März gehört Keuchhusten in Deutschland zu den meldepflichtigen Krankheiten. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind seitdem insgesamt 23 Fälle gemeldet worden, sieben davon in Korbach.

Die gemeldeten 23 Fälle von Keuchhusten (Pertussis) basieren auf den beim Gesundheitsamt des Landkreises eingegangenen Labormeldungen, erklärt Friedhelm Sarge, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Waldeck-Frankenberg, auf Nachfrage der WLZ-FZ. Die Zahl entspricht grob dem bundesweiten Schnitt, der Anfang des 21. Jahrhunderts gezählt wurde. „Bei einer angenommenen Einwohnerzahl von rund 158 000 Einwohnern im Landkreis bedeutet dies eine Inzidenz von 14 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Zwischen 2002 und 2004 pendelte sie bundesweit zwischen 11,3 und 12,3 pro 100 000 Einwohner“, stellt Friedhelm Sarge die Zahlen in Relation. Wie die Tendenz sich im Landkreis weiter entwickele, könne erst zukünftig beurteilt werden.

Die Zahl von 14 Erkrankungen pro 100 00 Einwohner liegt damit weit entfernt von denen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) in den 1970er und 80er Jahren vermeldete: Zwischen 1974 und 1991 kam es durch den Wegfall der Keuchhusten-Impfempfehlung für die alten Bundesländer zu einem Anstieg der Keuchhusten-Fälle mit bis zu 160 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Erst, als die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut 1991 die Impfempfehlung für Säuglinge und Kleinkinder wieder aussprach und Kombinationsimpfstoffe vermehrt zum Einsatz kamen, gingen die Erkrankungen wieder zurück. „Wobei Keuchhusten eine Erkrankung ist, die in Wellen auftritt, das heißt, die Erkrankungshäufigkeit kann über mehrere Jahre allmählich ansteigen, sinkt dann aber auch wieder über mehrere Jahre ab“, erklärt Gerhard Falkenhorst, vom RKI, Fachgebiet Impfprävention, auf WLZ-FZ-Nachfrage.

Gefährlich für Säuglinge

Keuchhusten gehört zu den Krankheiten, die vor allem für Neugeborene und Säuglinge einen schweren, lebensgefährlichen Verlauf nehmen können. Babys haben aus ungeklärten Gründen für diese Krankheit keinen Nestschutz, so dass sie auch das höchste Risiko haben, schwerwiegende Komplikationen zu erleiden. „Deshalb sollte schon ab dem 2. Lebensmonat mit einer Impfung begonnen werden“, erklärt Friedhelm Sarge. Außerdem gibt daher die STIKO schon seit Jahren auch eine Impfempfehlung für alle Menschen aus, die Kontakt zu Säuglingen haben. Und weil die Krankheit für Säuglinge und Kleinkinder so gefährlich ist, gehört sie seit Ende März 2013 auch zu den meldepflichtigen Krankheiten - ebenso wie Röteln, Mumps und Windpocken (siehe auch Stichwort). Gleichwohl treten mehr als 70 Prozent der Erkrankungen bei Erwachsenen auf und führen meist zu starken Beeinträchtigungen, die sich über Wochen, ja sogar Monate hinziehen können.

Pertussis wird durch Bordetella (B.) pertussis ausgelöst, ein Bakterium, das sich in den Atemwegsschleimhäuten vermehrt und die Schleimhaut zerstört. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion (siehe auch Stichwort) einer infektiösen Person, erklärt Sarge. Die Erkrankung erstreckt sich über mehrere Wochen bis hin zu Monaten.

Da kein Einzelimpfstoff gegen Pertussis erhältlich ist, kann die Impfung nur in Kombination mit anderen anstehenden Impfungen erfolgen. Generell rät das RKI Jugendlichen und Erwachsenen daher, sich bei der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus und Diphtherie, die alle zehn Jahre zur Auffrischung oder im Rahmen der Tetanusvorbeugung nach Verletzungen empfohlen ist, einmalig auch gegen Pertussis impfen zu lassen. Eltern von Babies und jungen Kindern sind dabei besonders angesprochen.

Ansteckung durch Eltern

„Der Gedanke dabei ist vor allem, die Infektion von sehr jungen Babies, die noch nicht vollständig geimpft sind, zu verhindern. Es hat sich herausgestellt, dass Infektionen dieser Babies häufig von ihren Eltern oder älteren Geschwistern ausgehen. Im Idealfall sollten sich beide Eltern vor einer geplanten Schwangerschaft impfen lassen und auch darauf achten, dass Geschwisterkinder vollständig geimpft sind“, sagt Gerhard Falkenhorst vom Robert-Koch-Institut.

Keuchhusten, Prävention

Seit März 2013 gibt es bundesweit eine Meldepflicht für Röteln, Mumps, Keuchhusten und Windpocken. Durch die namentliche Meldepflicht sollen die Gesundheitsämter in die Lage versetzt werden, Krankheitsausbrüche frühzeitig zu erkennen und wirksame Vorkehrungen gegen eine Weiterverbreitung zu treffen. Auch sollen nun bundesweit verlässliche Daten erhoben werden und Auskunft über die Wirksamkeit und Umsetzung der entsprechenden Impfempfehlungen geben. Sie sollen dazu beitragen, die Impfempfehlungen zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Keuchhusten wird zunächst durch die klinisch typische Keuchhustensymptomatik diagnostiziert – grippeähnliche Symptome und anfallsweise, zum Teil zahlreich auftretende Hustenstöße. Bei Säuglingen stehen nicht selten Atemstillstände im Vordergrund. Spezifische Antikörper im Blut (Serodiagnostik) seien erst nachweisbar sind, wenn die Krankheit ein gewisses Stadium erreicht habe, erklärt Medizinaldirektor Friedhelm Sarge vom Gesundheitsamt Waldeck-Frankenberg. Therapiert werde mit einer fünftägigen Antibiotikatherapie. „Hierdurch wird die Erkrankung zwar nicht geheilt, jedoch die Infektionskette unterbrochen. Ein Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen ist somit wieder nach fünf Tagen möglich, unbehandelt erst frühestens nach drei Wochen“, sagt Sarge weiter: „Da die Infektion durch Tröpfcheninfektion erfolgt, sollte möglichst der Ellenbogen bei Hustenattacken vor den Mund gehalten werden, die üblichen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und einmalige Benutzung eines Papiertaschentuchs sollten natürlich auch Beachtung finden.“

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