Reifenwechsel und weitere Arbeiten am Auto sind weiterhin möglich

Kfz-Werkstätten in der Corona-Krise: Türgriffe werden desinfiziert

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Reifenwechsel: Die Arbeiten sind weiterhin erlaubt, doch der Alltag in der Werkstatt hat sich wegen der Corona-Krise schon deutlich verändert.

Von Ostern bis Oktober sollten Fahrezuge mit Sommerreifen ausgestattet sein – so lautet die Faustformel. Bedeutet: In diesen Tagen müssen Autofahrer, die nicht selbst Hand anlegen können oder wollen, in die Werkstatt. Doch ist dies in Zeiten von Corona, in denen ein striktes Kontaktverbot gilt, überhaupt möglich?

„Ja“, stellt der ADAC auf seiner Internetseite klar. Ein Reifenwechsel von Winter- auf Sommerreifen sowie ein Reifenwechsel aus sicherheitsrelevanten Gründen sei erlaubt.

Das bestätigt auch Udo Lossau, Geschäftsführer von Reifen Apel in Korbach. Allerdings sei gerade in diesen besonderen Zeiten eine vorherige Terminvereinbarung sehr wichtig. „In unseren Verkaufsräumen achten wir aktuell auch auf einen reichlichen Mindestabstand zwischen Kunden und Mitarbeitern.

Im Bereich des Zahlungsverkehr und der Schlüsselübergabe sind zusätzliche Kontaktschutzeinrichtungen installiert“, berichtet Lossau. Der ansonsten großzügige Kunden-Wartebereich sei in allen Betrieben auf ein Minimum reduziert worden, sodass es auch dort ein großzügiger Abstand eingehalten werden könne.

„Sollten diese Kapazität ausgeschöpft sein, bitten wir die Kunden, die erforderliche Umrüstzeit durch einen Spaziergang in der Frühjahrssonne zu überbrücken“, sagt der Geschäftsführer. Das Betreten der Werkstätten durch Kunden sei nicht gestattet.

Ähnliche Sicherheitsvorkehrungen gelten auch bei der Firma „Reifen & Autoservice Vogt“ in Frankenberg/Haubern. Dort finden auch in der Corona-Krise Reifenwechsel statt. „Bei uns in der Werkstatt steht der Schutz der Kunden und des Personals an erster Stelle. Im Moment darf sich nur ein Kunde im Kundenbereich aufhalten, und Kunden haben absolutes Zutrittsverbot zur Werkstatt“, berichtet Oliver Vogt. Des weiteren werden nach Auskunft des Betriebs-Inhabers Schlüssel, Lenkräder, Türgriffe und weitere Kontaktflächen von den Werkstatt-Mitarbeitern desinfiziert. „Wir waschen uns auch öfters die Hände“, sagt Oliver Vogt.

Trotz der Bemühungen, für die Kunden den besten Schutz zu gewährleisten, sei der Umsatz zurückgegangen. „Das ist in den meisten mittelständischen Betrieben der Fall. Die Kunden sind ängstlich, was man auch durchaus verstehen kann“, so Oliver Vogt.

Nicht zusammen mit dem Mechaniker ins Fahrzeug

Der Reifenwechsel macht oft nur einen kleinen Teil des Geschäfts bei den Werkstätten und Autohäusern in Waldeck-Frankenberg aus. Meist stellen Reparaturen und der Handel mit Fahrzeugen die Haupteinnahmequellen dar. Laut ADAC können in Hessen derzeit neben erforderlichen und sicherheitsrelevanten Reparaturen auch Schönheitsreparaturenvon der Kfz-Werkstatt durchgeführt werden – dazu gehören unter anderem die Behebung von Lackschäden oder die Ausbesserung von Beulen. 

Wie sich der Alltag in einem Autohaus samt Werkstatt darstellt, zeigt beispielhaft der Blick ins Unternehmen „Vogel Automobile“ in Korbach. 

„Aktuell gibt es bei uns keine Einschränkungen bei bestimmten Reparaturen der Werkstatt, da es für viele Menschen keine oder keine zumutbare Alternative zum Auto gibt. Dessen Verkehrs- und Betriebssicherheit muss deshalb gewährleistet sein und bleiben“, berichtet Geschäftsführer Christian Vogel. „Aufgrund unserer Sorgfaltspflicht weisen wir darauf hin, dass nicht absolut notwendige Reparaturen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben wären.“ Auch Reifenwechsel sei nach wie vor möglich. „Haupt- und Abgasuntersuchungen finden bei uns ebenfalls weiter statt.“ 

Allerdings habe sich der Arbeitsalltag bei Vogel Automobile wegen der Corona-Krise deutlich verändert. „Wir versuchen, unsere Mitarbeiter und Kunden bestmöglich vor Ansteckungen zu schützen. Dazu halten wir unter anderem einen 1,5 Meter-Mindestabstand ein, reinigen und schützen Kontaktflächen vor Kontaminierung und halten die allgemeinen Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen ein“, sagt Christian Vogel und ergänzt: „Sofern Mitarbeiter mit dem Kunden am Fahrzeug zu tun haben, setzen sie sich nicht gleichzeitig mit ihm ins Fahrzeug.“ Außerdem habe das Autohaus einen kostenlosen Hol- und Bring-Service eingeführt sowie die Möglichkeit geschaffen, das Fahrzeug kontaktlos zu übergeben. Ganz anders sieht es dagegen im Verkaufsbereich aus. 

„Den stationären Fahrzeughandel mit persönlicher Beratung im Showroom können wir aufgrund behördlicher Vorgaben aktuell nicht anbieten“, sagt der Geschäftsführer. Für Kunden und Interessenten habe das Autohaus daher zusätzliche Online-Services aktiviert. Per Videotelefonie werden Fragen rund um Neu- und Gebrauchtfahrzeuge beantwortet und auch der Kauf eines Fahrzeuges könne kontaktfrei abgewickelt werden. „Das ist allerdings etwas zeitintensiver als im persönlichen Gespräch“, berichtet Christian Vogel.

HU: In der Corona-Krise sollen Frist-Verstöße nicht sofort geahndet werden

Hauptuntersuchungen (HU) an Kraftfahrzeugen werden nach Auskunft des TÜV Hessen auch in der Corona-Krise weiter in den TÜV-Service-Centern sowie in den Autohäusern und Werkstätten durchgeführt. Bislang sei ein Verwarnungsgeld verhängt worden, wenn der eigentliche Termin zur Hauptuntersuchung mehr als zwei Monate zurück liege. Diese Frist soll für die Zeit der Corona-Krise auf vier Monate ausgedehnt werden. So laute zumindest die Empfehlung des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur. 

Polizeibehörden der Länder und das Bundesamt für Güterverkehr sollen die längere Überziehung wegen der gegebenenfalls eingeschränkten Prüfkapazitäten nicht ahnden. Diese Empfehlung sei allerdings längst kein Gesetz oder Vorschrift. Die Bundesländer seien für die Umsetzung zuständig. „Dem sind nach unserem Kenntnisstand alle Bundesländer nachgekommen“, schreibt der TÜV Hessen auf seiner Internetseite. Die übrigen Fristen rund um die Hauptuntersuchung bleiben laut TÜV Hessen zudem weiter bestehen, bis auf die jetzt auch rückwirkend auf ganz 2020 verlängerte Frist für eine Nachuntersuchung, die auf zwei Monate ausgeweitet wurde. Hintergrund seien eventuelle Engpässe bei der Ersatzteilversorgung oder der Terminvergabe in Werkstätten.

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