Probleme bei der Radfahrausbildung sind die Folge

Kinder steigen immer seltener aufs Fahrrad

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Spaß auf zwei Rädern: Beim alljährlichen Bike-Festival in Willingen treten auch gerne Kinder in die Pedale. Allgemein gesehen sinkt jedoch die Zahl der Kinder, die richtig Radfahren lernen. 

Waldeck-Frankenberg. Die Zahl der Kinder, die nicht richtig Fahrrad fahren können, hat spürbar zugenommen. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht – darauf weist die Landesverkehrswacht in Hessen auf Anfrage unserer Zeitung hin.

„In vielen Familien ist Radfahren kein Thema mehr. Die Verkehrsverhältnisse werden schon für zu Fuß gehende Kinder als zu gefährlich eingeschätzt, sodass Radfahren nicht zur Debatte steht“, sagt Klaus Ruppelt, Präsident der Landesverkehrswacht. Dabei sei jedoch ein deutliches Stadt-Land-Gefälle erkennbar. Im ländlichen und kleinstädtischen Bereich werde das Fahrrad, oft nach dem Wechsel zur weiterführenden Schule, wieder als Fahrzeug akzeptiert.

Dass der Hang zum Radfahren auf dem Land höher ist, deckt sich mit den Äußerungen von Polizeioberkommissar Rainer Schramme von der Kreis-Jugendverkehrsschule in Korbach. „Kinder werden hier oft frühzeitig mit dem Fahrradfahren ,konfrontiert’. Es lässt sich keine klare Tendenz ziehen, dass die Kinder im Landkreis immer weniger Fahrrad fahren können.“ Allerdings ziele die subjektive Wahrnehmung der Verkehrserzieher in die Richtung, dass es immer mehr Kinder gibt, die die Fähigkeiten des Radfahrens nicht mehr im erforderlichen Umfang erwerben.

Erkennbar sei das auch in der Radfahrausbildung, die im vierten Schuljahr stattfinde. „Die motorischen Fähigkeiten bei einigen Kindern haben deutlich abgenommen. Manche haben schon Probleme, unfallfrei aufs Rad zu steigen. Sie bleiben mit dem Fuß hängen und fallen um“, sagt Schramme. Andere Kinder lenkten direkt zur linken Seite, wenn sie über ihre linke Schulter gucken, um zu sehen, ob die Straße frei sei. Auch einhändig fahren und richtig bremsen könnten viele nicht. 

Die Gründe dafür, dass immer weniger Kinder richtig Fahrrad fahren können, sind nach Auskunft der Jugendverkehrsschule des Landkreises vielschichtig. „In dieser schnelllebigen Welt haben viele Eltern nicht mehr die Zeit oder die Lust, ihren Kindern zu zeigen, wie Radfahren geht. Durch das veränderte Freizeitverhalten haben die Kinder immer größere Schwierigkeiten, souverän mit dem Rad umzugehen“, sagt Polizeioberkommissar Rainer Schramme und fügt hinzu: „Wenn Kinder einen Großteil ihrer Freizeit vor dem Handy, PC oder Fernseher verbringen, werden nicht die Fähigkeiten trainiert, die es benötigt, um mit dem Fahrrad sicher unterwegs zu sein.“

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