Das Vorgehen des Twister Brandstifters lässt auf psychische Probleme und Geltungsdrang schließen

Mit Kinderwagen zum nächsten Feuer - Video

Bernd Wilhelmi hat den Brandstifter von Twiste gefasst und der Polizei übergeben. Er zeigt auf die Gaube, aus der er am Montag Rauch aufsteigen sah. Dann hörte er Geräusche von der anderen Scheunenseite und schaltete sofort. So konnte er den Täter stellen. Fotos: Elmar Schulten

Twistetal-Twiste - Bernd Wilhelmi ist so etwas wie der Held von Twiste geworden. Durch seine Aufmerksamkeit und sein schnelles, entschlossenes Handeln konnte der mutmaßliche Brandstifter festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt werden.

Es war am Montag gegen 12.45 Uhr. Der 19-jährige Wilhelmi war gerade mit dem Holzstapeln fertiggeworden, hatte die Hunde in den Zwinger gebracht und wollte zu Mittag essen, als er durch ein Knistern in der Scheune auf den Qualm aufmerksam wurde, der aus dem Dach drang.

Als dann noch ein Rumpeln vom anderen Ende der Scheune zu hören war, war für ihn alles klar: Er lief um das Gebäude herum und sah einen gleichaltrigen Nachbarsjungen aus dem Loch in der Wand krabbeln.

Kinderwagen neben Scheune

Mit lauter Stimme herrschte er ihn an, er solle sich nur ja nicht wegbewegen. Der Ertappte tat wie ihm befohlen und wartete brav ab, bis Wilhelmi mit seinem Handy die Feuerwehr und die Polizei angerufen hatte.

Körperliche Gewalt habe er nicht anwenden müssen. Das wäre in einem solchen Fall nach dem sogenannten Jedermann-Paragrafen der Strafprozessordnung sogar erlaubt gewesen.

Doch der Nachbarsjunge, den er selbst nicht näher, sondern nur vom Sehen kannte, habe ganz brav abgewartet und getan, was man ihm gesagt habe. Wilhelmi: „Ich wollte auch gar nicht, dass der mir zu nahe kommt. Ich dachte, der könnte ja ein Messer bei sich haben. Wenn der abgehauen wäre, hätte ich ihn mir aber geschnappt.“

Dann bemerkte Wilhelmi den Kinderwagen, der auf der Schotterfläche hinter der Scheune abgestellt war. Er wies den mutmaßlichen Brandstifter an, sich um das Baby zu kümmern, was dieser auch tat.

Inzwischen trafen Feuerwehr und Polizei am Ortsrand von Twiste ein. Ohne Widerstand zu leisten ließ sich der 19-Jährige der Polizei übergeben. Bürgermeister Stefan Dittmann, der gleichzeitig mit der Feuerwehr am Einsatzort eintraf, sprach den jungen Mann an, den er flüchtig vom Sehen kannte. Auf die Frage des Bürgermeisters, ob er der Brandstifter sei, antwortete dieser: „Ne, so was mache ich nicht. Ich wollte gerade die Feuerwehr rufen.“

Wollte er gefasst werden?

Dittmann schilderte gestern im Gespräch mit der WLZ seine Eindrücke so: „Der kam mir gar nicht kaltblütig vor. Total unscheinbar. Ihm stand jedenfalls nicht das Böse ins Gesicht geschrieben. - Wenn der tatsächlich schon anfängt, mittags zu zündeln, dann wirkt das auf mich fast so, als ob er ertappt werden wollte.“

Wie dem auch sei: Wilhelmis und all ihre Nachbarn sind heilfroh, dass der Spuk endlich vorbei ist und dass jetzt alle wieder ruhig schlafen können.

In der Nacht zum Montag jedenfalls war die Nachtruhe bei Wilhelmis wieder hin: Vater Henner Wilhelmi war durch die bellenden Hunde aufgeschreckt worden. Mit einer Taschenlampe bewaffnet suchte er eine Dreiviertelstunde lang den Hof und die Nachbarschaft ab.

Am Montagmittag war dann der Qualm aus dem ehemaligen Jugendraum zu sehen und der Verdächtige ließ sich festnehmen.

Der erste Großbrand schreckte die Twister in der Nacht zum 11. März auf. Damals brannte eine Scheune komplett nieder. Das angrenzende Wohnhaus wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Scheune verbrannte ein Pferd. Fünf Menschen wurden leicht verletzt.

Der zweite Großbrand wurde am Abend des 16. März entdeckt. Dabei wurde die leer stehende Scheune des Kölschenhofs ein Raub der Flammen. Verletzt wurde jedoch niemand.

Der Schaden beim dritten Feuer am Montag war denkbar gering, weil die angezündeten Bastmatten von allein erloschen, bevor die Feuerwehr eintraf.

Beim Löschen dabei

Gemeindebrandmeister Volker Bangert ist heilfroh, dass die Brandserie nun vorbei ist. Er bestätigte gestern im Gespräch mit der WLZ-FZ, dass der ertappte Brandstifter Mitglied der Feuerwehr werden wollte. Er habe sich um einen Grundlehrgang beworben, diesen aber noch nicht absolviert. Der vor zwei Jahren erst Zugezogene habe den Status eines Anwärters gehabt. Diese Probe­zeit sei offenbar auch sinnvoll, um sich die jungen Leute über einen längeren Zeitraum ansehen zu können.

Auf Facebook hatte der 19-Jährige am Abend nach dem ersten Brandeinsatz damit geprahlt, beim Löscheinsatz dabei gewesen zu sein. Weitere Einträge lassen darauf schließen, dass seine Freundin sich von ihm getrennt hatte oder im Begriff war, dies zu tun.

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