Neue WLZ-Serie

Kirchen in Waldeck-Frankenberg: Zeitreise durch 900 Jahre

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Imposante Landmarke: Die im Landkreis einzigartige Doppelfassade der Flechtdorfer Kirche. Seit rund 800 Jahren zieht das Gemäuer die Blicke auf sich.

Waldeck-Frankenberg. Die Waldeckische Landeszeitung startet die Serie „Die Kirche im Dorf lassen“, in der wir in loser Folge alle Kirchen in Waldeck-Frankenberg mit ihren Besonderheiten vorstellen wollen.

Rund 170 evangelische und 20 katholische Kirchen gibt es in Waldeck-Frankenberg. Die Gebäude sind nicht nur das Zentrum ihrer jeweiligen Gemeinde, sondern kulturelles Allgemeingut, als Orte geschichtlicher Erinnerung und der Sammlung und Besinnung.

So viele Kirchen es gibt, so unterschiedlich sind sie: Zwischen dem ältesten und dem jüngsten Gotteshaus liegen 900 Jahre. Vermutlich eine der ältesten im Landkreis ist die Kirche in Mühlhausen, sie wurde 1101 erbaut. Erst 2002 wurde die Kapelle des Lebenshauses in Allendorf-Osterfeld errichtet.

Der Unterhalt der Gebäude stellt die Gemeinden vor große Herausforderungen. „Aufgrund fehlender Mittel gibt es bei allen Kirchengemeinden einen hohen Investitionsstau“, sagt Bernd Merhof, Leiter des Kirchenkreisamtes in Korbach. Den Unterhalt finanziert größtenteils die Gesamtkirche durch Bauzuweisungen an die Gemeinden.

Kirchengemeinden zahlen viel selbst für Erhalt

Bei größeren Sanierungen fließen Gelder der Landeskirche, der Kirchenkreise und Dekanate sowie in der Regel auch vom Denkmalschutz. Einen Teil muss die jeweilige Kirchengemeinde selbst aufbringen – oftmals unterstützt durch Fördervereine. „Besonders Gemeinden, die mehrere Kirchen haben, fordert dies unter Umständen stark“, sagt Dekan Andreas Friedrich vom evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach, zu dem 20 Kirchen im Oberen Edertal gehören.

Nicht immer gelingt es, die Kirchen zu halten. Allein im Erzbistum Paderborn sind seit 2000 insgesamt 24 Kirchen profaniert, also entwidmet, worden. „Meist handelt es sich um so genannte Filialkirchen“, sagt Sprecher Mario Polzer. Was mit ihren Immobilien geschieht, wird in der katholischen Kirche in den Pastoralen Räumen vor Ort entschieden. „Möglichst viele sind zu beteiligen“, erklärt Polzer.

Die Klosterkirche in Flechtdorf: Ein Mix aus romanischen, gotischen und neuzeitlichen Elementen prägt das Gotteshaus.

Nicht alle Gotteshäuser erfüllen noch ihren eigentlichen Zweck: Die alte Kirche in Willingen wurde in den 1960er-Jahren verkauft und ist heute ein Restaurant. Die Fachwerkkirchen in Ederbringhausen (Baujahr 1801) und Kohlgrund (1613) wurden in den 1970er-Jahren abgebaut und später im Freilichtmuseum Hessenpark wieder aufgestellt. Die katholische Kirche St. Sturmius in Usseln wurde 2009 profaniert und wird heute als Depot für kirchliches Kunstgut genutzt.

Zum Auftakt unserer Serie stellen wir die Klosterkirche in Flechtdorf vor. Lesen Sie dazu die gedruckte Ausgabe.

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