Höchste staatliche Auszeichnung für Turn- und Sportverbände an vier Vereine aus Waldeck-Frankenberg

Den „Kitt der Gesellschaft“ gewürdigt

„Ehrenamt ohne Wenn und Aber“: Reiner Friele bei der Gesprächsrunde mit Roland Tölle, Vorsitzender Sportkreis Kassel, Rolf Hocke und Prof. Heinz Zielinski (v. r.).

Korbach - Mit der Sportplakette des Bundespräsidenten sind mit dem TV Germania Rhoden und den Turn- und Sportvereinen aus Rhenegge, Usseln und Gellershausen auch vier Waldecker Vereine ausgezeichnet worden.

Großer Bahnhof war am Mittwochabend für die geladenen Vertreter der insgesamt 26 ausgewählten hessischen Sportvereine angesagt. Die feierliche Atmosphäre in der Kasseler Orangerie kam nicht von ungefähr: Man wolle die höchste staatliche Auszeichnung für Turn- und Sportverbände in Deutschland nicht einfach mit der Post verschicken, erklärte Prof. Dr. Heinz Zielinski, Abteilungsleiter Sport im hessischen Innenministerium. Mit der Verleihung in besonderem Rahmen, an der neben Vorsitzenden der hessischen Fachverbände und Sportkreise auch Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke und der Kasseler Bürgermeister Kaiser teilnahmen, solle die Arbeit der Vereine gewürdigt werden.

Überreicht wurden die Sportplaketten durch Innenminister Boris Rhein und den Präsidenten des Hessischen Fußballverbandes, Rolf Hocke. In seiner Festrede würdigte Rhein die Arbeit der Vereine als „Kitt der Gesellschaft“, in der Integration gelebt und Werte wie Teamfähigkeit vermittelt würden. Mit mehr als zwei Millionen Menschen in hessischen Sportvereinen sei der Sport die größte Bürgerbewegung des Landes.

Ein entsprechend nachdrückliches „Danke für viele, viele Stunden“ gab der Innenminister den Vereinsvorständen zusammen mit der Auszeichnung auf den Weg. Für die Waldecker Vereine nahmen die Vorsitzenden Uwe Pohlmann (TuS Rhenegge), Reiner Friele (TV Rhoden) und Torsten Vogel (TuS Usseln) die Sportplakette in Empfang. Eine Delegation aus Gellershausen war nicht zugegen.

Im 150. Jubiläumsjahr war der TV Germania Rhoden einer der ältesten unter den ausgezeichneten Vereinen. Gemessen an Rhodens Einwohnerzahl dürfte der Turnverein mit seinen aktuell 995 Mitgliedern sogar als einer der hessenweit „größten“ Vereine gelten. TV-Vorsitzender Reiner Friele nahm daher als einziger Vereinsvertreter an der anschließenden Gesprächsrunde zum Thema Ehrenamt teil. Kurz, prägnant und ohne zu beschönigen wurde darin der Stellenwert ehrenamtlicher Tätigkeit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels skizziert.

Mangel an engagiertem Vorstandsnachwuchs ist in nahezu allen Vereinen zu verzeichnen. So wurde Frieles Wunsch nach einem „Nachfolgevorstand, der in unsere Fußstapfen tritt“ - als Antwort auf die Frage, was er sich für den Verein wünschen würde - aus der Runde der Anwesenden mit einem wissenden Nicken quittiert. Rolf Hocke prangerte zudem die „Gewaltbereitschaft auf und neben dem Spielfeld“ an, die sich auch vonseiten mancher Eltern insbesondere im Fußball feststellen lasse. Gemeinsam mit den Ministerien werde nach Möglichkeiten gesucht, diese Entwicklung zu minimieren.

Eine Kuriosität am Rande offenbarte sich, als TV-Rhoden-Geschäftsführer Richard Bangert die verliehene Sportplakette genauer in Augenschein nahm - und darauf die Zahl „100“ entdeckte. Eine Verwechslung? Die Nachfrage ergab: „Eine 150 gibt’s noch nicht“, wie Bangert seinen Tischnachbarn kurz darauf berichten konnte.

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