Aktion "Weihnachten im Schuhkarton"

Kleine Pakete, die große Freude machen

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Die ersten beiden Kartons haben Dieter und Marianne Pilger am Dienstag aus Frankenau angenommen. In den nächsten zwei Wochen sollen es noch viele mehr werden. Fünf Päckchen packt Marianne Pilger selbst. Foto: Andrea Pauly

Waldeck-Frankenberg - Eine bunte Mütze, Schokolade, Stifte und Malbücher, Spielsachen, eine Blockflöte, ein kleiner Teddy: Über solche Geschenke freut sich jedes Kind. All diese Dinge passen auch in einen Schuhkarton, der zum Weihnachtsgeschenk für ein Kind wird, das sonst keine Geschenke bekommt.

Im ganzen Landkreis stellen in diesen Tagen Menschen Pakete für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ zusammen. Rechtzeitig zu Weihnachten sollen die Geschenke Jungen und Mädchen in osteuropäischen Ländern eine Freude machen.

Bei Marianne und Dieter Pilger in Frankenau sind die ersten Päckchen am Dienstag abgegeben worden. An den eigenen packt Marianne Pilger noch: Sie muss noch einen Anspitzer besorgen - denn der sollte immer dabei sein, wenn sich im Paket auch Bunt- oder Bleistifte befinden, damit die Freude am Malen nicht mit einer abgebrochenen Mine vorzeitig beendet ist. Auch Lutscher aus Vollmilchschokolade braucht sie noch: Die füllen die Lücken zwischen Spielsachen, Socken, Zahnbürsten, Handschuhen und Notizbuch aus. „In jedem Päckchen sollte etwas Schönes, aber auch etwas Nützliches sein“, sagt die Frankenauerin.

Sie und ihr Mann Dieter haben seit Jahren eine Annahmestelle für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Bürger aus der Umgebung bringen die gefüllten Päckchen zu ihnen. Auch von Konfirmanden, Kindergottesdienst und Kindertagesstätten werden gefüllte Schuhkartons bei ihnen abgegeben.

Nach Ende der Abgabefrist bringt das Ehepaar die Geschenke mit einem Anhänger zur Hauptsammelstelle - jedes Jahr zwischen 100 und 160 Pakete. Was darin ist, wissen Marianne und Dieter Pilger nicht - sie öffnen sie nicht. Anders in der Hauptsammelstelle, die sich erstmals im Medebacher Stadtteil Medelon befindet: Dort wird der Inhalt aller Päckchen geprüft.

Denn nicht alle halten sich an die Regeln (siehe Kasten). Manche meinen es so gut, dass sich die Päckchen nicht richtig schließen lassen, andere füllen sie nur zur Hälfte - das gleichen die ehrenamtlichen Helfer in der Hauptannahmestelle aus, damit alle Kinder in etwa gleiche Geschenke erhalten. Andere kleben die Pakete zu oder verpacken die ganze Schachtel in Geschenkpapier, anstelle Box und Deckel getrennt einzuschlagen und mit einem Gummiband zu verschließen.

Die Pilgers sammeln sammeln auch Spenden für die Aktion. Längst nicht jeder, der ein Päckchen packt, gibt auch die empfohlenen sechs Euro für Transport und Organisation dazu. Dafür kommt von anderen finanzielle Unterstützung: Im vergangenen Jahr hat beispielsweise die Kirchengemeinde eine Kollekte übergeben. „Manche packen auch kein Päckchen, aber geben zehn oder fünfzehn Euro.“

Das Motiv der beiden Frankenauer ist ganz klar: „Nächstenliebe“, sagt sie. „Es geht darum, den Menschen, die auf der Schattenseite leben, ein bisschen unter die Arme zu greifen“, ergänzt ihr Mann. Deshalb engagieren sich beide auch seit langer Zeit für andere Projekte für Menschen in Not - unter anderem die Ukraine-Moldawien-Hilfe. Bei ihrer Arbeit für beide Aktionen treffen sie ab und an auf Skeptiker. „Aber wir sind ganz sicher“, sagt Marianne Pilger, „dass es bei denen ankommt, die es brauchen.“

Für die Geschenkpäckchen werden Schuhkarton und Deckel einzeln in Geschenkpapier verpackt und dann gefüllt. In die Kartons soll eine Mischung aus Kleidung, Süßigkeiten, Spielsachen, Schulmaterial, Hygieneartikel und sonstigen Geschenken gepackt werden. Folgende Dinge sind geeignet: Mützen, Schals, Handschuhe, T-Shirts, Socken, Pullover, Vollmilchschokolade und Bonbons (mindestens haltbar bis März des Folgejahres), Kuscheltiere, Spielzeugautos, Bälle, Jojos, Puppen, Schulhefte (A5), Bunt- und Bleistifte mit Spitzer und Radiergummi, Zahnbürste, Zahnpasta, Haarbürste, Handcreme, Haarspangen, Dynamo-Taschenlampe, Mundharmonika, Blockflöte und Malbuch. Nicht eingepackt werden sollen gebrauchte Gegenstände und Kleidung, zerbrechliche, spitze oder scharfe Artikel, Lebensmittel wie Nüsse, Zucker, Nudeln, Kaffee, Saft, Kekse, Lebkuchen oder ähnliches. Schokolade mit Füllung ist nicht erwünscht, ebenso Gummibärchen oder Bonbons mit Füllung. Seife, Flüssigkeiten, Literatur, Medikamente und Brausetabletten haben in den Paketen nichts zu suchen, ebenso wie Kriegs- oder Zauberspielzeug. Auf den Kartons muss vermerkt werden, ob die Kiste für einen Jungen oder ein Mädchen und für welche Altersgruppe (zwei bis vier, fünf bis neun oder zehn bis vierzehn Jahre) gedacht ist.

Im Landkreis gibt es folgende Abgabestellen:

Burgwald-Ernsthausen: Gisela Grautstück, Neue Straße 2, Telefon 06457/8459.

Frankenberg: BFHI, Marburger Straße 25a

Frankenau: Dieter und Marianne Pilger, Friedrichstraße 15, Telefon 06455/463

Battenberg-Frohnhausen: Marianne Vogt, Dorfstraße 5, Telefon 06452/3232

Bad Wildungen: Tanja Scheuer, Die Hahnäcker 9, Telefon 05621/73424

Edertal-Anraff: Annette Zick, Wegaer Straße 11, Telefon 05621/964760

Bad Arolsen: Boutique „baju“, Bahnhofstraße 3 Mengeringhausen: Krankengymnastik Cleff, Auf dem Mühlenwasser 4

Helsen: Anette Knüppel, Waldstraße 15, Telefon 05691/914961.

Volkmarsen: Heike Kober, Niedere Stadtmauer 6, Telefon 05693/6292;

Brunnen-Apotheke am Krankenhaus.

Diemelstadt: Rita Höhle, Mühlenstraße 26, Orpethal, Telefon 05694/358.

Diemelsee: Apotheke.

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