Die HSG Twistetal hat sogar eine eigene App

Der Klick als Kick: Digitalisierung als Chance für Vereine

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Thomas Tönepöhl (links) und Uwe Nolte von der HSG Twistetal sehen die Digitalisierung als Chance für Vereine an.

Wer als Verein überleben will, muss mit der Zeit gehen. Auch über das Internet sollten Vereine die Chance nutzen, Menschen zu erreichen. Das besagt eine aktuelle Studie.

Digital engagiert – eine Förderinitiative mit diesem Namen hat eine bundesweite Studie herausgegeben: Vereinssterben in ländlichen Regionen – Digitalisierung als Chance. Laut dieser aktuellen Studie finden sich besonders auf dem Land nicht mehr genügend engagierte Menschen, die verantwortungsvolle Funktionen in den Vereinen übernehmen möchten. Dieses Phänomen gibt es auch in Waldeck-Frankenberg. 

Bei bislang weit mehr als 1000 Vereinen und Verbänden im Landkreis Waldeck-Frankenberg erscheint der Begriff Vereinssterben unangebracht. Doch auch hier lösen sich Vereine auf oder es finden sich in manchen keine neuen Vorstände. Auf der anderen Seite gibt es solche, die viel Nachwuchs haben – und auch digital äußerst engagiert sind. 

So hat zum Beispiel der Sportverein TuS Wrexen (Diemelstadt) keinen Nachfolger für die bisherige Vorsitzende gefunden, die aus dem Amt geschieden war. In Twistetal-Gembeck hat sich der Gemischte Chor aufgelöst. „Wir hatten seit Jahren keine neuen Mitglieder“, erklärt Margret Schultze. „Zuletzt waren wir zu wenige, um als Chor auftreten zu können.“ Im Internet ist der Chor nicht präsent gewesen, sagt Schultze.

Der FC Affoldern hat sich jüngst vom Seniorenfußball getrennt. Denn nur unter diesen Umständen war der neue Vorstand bereit, die Verantwortung für den Verein zu übernehmen. 

Was dagegen hilft, sagt die Studie: „Vielfach ist das gemeinsame Engagement und das direkte, Zusammenhalt stärkende Wirken nur möglich, wenn es digital initiiert oder sinnvoll ergänzt wurde.“ Die Technologie könne dabei helfen, die Arbeit der Ehrenamtlichen zu erleichtern. Außerdem könnten über neue Kommunikationswege engagierte Menschen gewonnen werden. Letztlich könne darüber die Zusammenarbeit so angepasst werden, wie jüngere Menschen sie längst als selbstverständlich ansehen. 

Darüber hinaus würden Vereine über die neuen technischen Möglichkeiten behinderten Menschen bessere Chancen geben, am Vereinsleben teilzuhaben. Viele Vereine und vor allem deren Vorstände haben einen großen Verwaltungsaufwand. Erfahrungen bei verschiedenen Vereinen hätten gezeigt, dass zum Beispiel Online-Plattformen den bürokratischen Aufwand verringern könnten. Eine Art „digitale Geschäftsstelle“ könne die Verwaltungsarbeit effizienter gestalten und Ehrenamtliche entlasten. 

Als unbedingt erforderlich für einen Verein erachten die Autoren der Studie zum Beispiel über die Präsenz in lokalen Medien hinaus eine vereinseigene Homepage, einen internen E-Mail-Verteiler, digitale Veranstaltungsankündigungen und Mitgliederverwaltung. 

Folgende Schlussfolgerungen werden in der Studie gezogen: Erstens müsse „digitale Literalität und -Bildung“ gefördert werden. Aus einem Mangel an digitalem Wissen dürfe kein kultureller Bruch im Engagement werden. Zweitens bräuchten Vereine und Initiativen „systematische Beratung und Unterstützung“.

Auffällig aktiv und online-affin geben sich die Handballer der HSG Twistetal, die sogar eine eigene App fürs Handy hat. Eine eigene App hat übrigens auch bereits das Statt-Theater Mengeringhausen. Links, die auf Berichte der Waldeckischen Landeszeitung verweisen, komplettieren oft das Online-Angebot der Vereine.

Die Vereinssparte HSG macht vor, wie „digital engagiert“ aussehen kann: Sie verwaltet ihren Spielplan online. Der Hessische Handballverband hat dafür eine Internetplattform etabliert.

Die Vorteile digitaler Werkzeuge schildert einer der Vorsitzenden, Thomas Tönepöhl: „Die Erleichterung ist sehr groß, wenn man bedenkt, dass wir fünf Seniorenteams und zwölf Jugendmannschaften haben. Alle Spiele und Spieler werden über das System verwaltet.“

Der Aufwand in der Sommerpause sei trotzdem groß, da zunächst alle Spiele und Spielorte eingepflegt werden müssten. Bei den Männern in der Landesliga muss jedes Spiel gefilmt und online gestellt werden. Außerdem nutzt die Spielgemeinschaft digitale Medien für ihre Buchhaltung. Zudem nutzen die Stammvereine TSV Berndorf, TSV Twiste und TV Mühlhausen verschiedene Programme zur Mitgliederverwaltung.

„Online-Medien sind uns besonders wichtig, um unsere Fans mit aktuellen Spielberichten, Ergebnissen oder Neuigkeiten zu informieren“, sagt Thomas Tönepöhl. Zwei Mitglieder des Vorstands beschäftigen sich mit der Öffentlichkeitsarbeit. Die HSG Twistetal betreibt eine eigene Homepage, einen Instagram- sowie einen Facebook-Auftritt.

Besonders beliebt sei bei den Fans auch die HSG-App. Tönepöhl betont aber: „Bei aller Medienpräsenz steht der Sport bei uns im Vordergrund. Und unsere Fans sind uns live in der Halle natürlich am liebsten.“

In den ersten Jahren wurde die Homepage der HSG nicht nur als Informationsplattform, sondern auch interaktiv genutzt. Das heißt, es gab regelmäßig Kommentare und Diskussionen im Gästebuch. „Dies spielt in der veränderten digitalen Gegenwart überhaupt keine Rolle mehr“, sagt Tönepöhl. Berichte auf Instagram oder Facebook würden mittlerweile nur noch „gelikt“ oder geteilt.

Diskussionen finden in den meisten Vereinen eher per „WhatsApp“ statt.

„Wir erreichen auf diese Weise sehr schnell sehr viele Menschen“, sagt Thomas Tönepöhl. Beiträge im Internet würden „gerne und auch viel diskutiert“. „Dann aber in der realen Welt“, betont Tönepöhl.

Ein Vorteil von Instagram und Facebook sei es auch, dass die „Fans“ nicht mehr aktiv nach Neuigkeiten suchen müssten. Sobald sie sich einloggen, erhalten sie Nachrichten der HSG aufs Smartphone. „Optisch ansprechend und gemäß der heutigen Gewohnheiten mit Bildern geschmückt.“

Schneller und direkter miteinander in Kontakt sein: „Die Nähe zwischen Verein und Fans spielt dabei eine große Rolle.“ 

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