Harter Lockdown bis 18. April: Reaktionen aus Waldeck-Frankenberg

Kliniken begrüßen Verschärfung - Handel und Gastronomie üben Kritik

Kreiskrankenhaus Frankenberg: Dass die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken derzeit wieder steigt, liegt vor allem auch an der viel ansteckenderen Mutation B1.17.
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Kreiskrankenhaus Frankenberg: Dass die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken derzeit wieder steigt, liegt vor allem auch an der viel ansteckenderen Mutation B1.17.

Der Corona-Lockdown wird bis zum 18. April verlängert - in einigen Bereichen gibt es sogar noch Verschärfungen. Wir haben dazu einige Reaktionen aus Waldeck-Frankenberg eingeholt.

Das sagen die Krankenhaus-Geschäftsführer

Die Geschäftsführer der vier Akut-Krankenhäuser in Waldeck-Frankenberg halten den harten Lockdown für unumgänglich. Das ergab eine Anfrage unserer Zeitungen in den Kliniken in Frankenberg, Korbach, Bad Arolsen und Bad Wildungen. „Wir begrüßen die Verschärfung des Lockdowns, da wir sehen, dass die Zahl der Corona-Patienten, die zu uns kommen, wieder steigt“, sagt Margarete Janson, Geschäftsführerin des Kreiskrankenhauses Frankenberg.

Angesichts stark steigender Infektionszahlen im Bundesgebiet sowie dem exponentiellen Wachstum der viel ansteckenderen Mutation B1.17 in Deutschland teile sie zusammen mit den anderen Klinik-Chefs die Auffassung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, die die Notbremse und strengere Verhaltensregeln verteidige.

„In den letzten Wochen hatten sich – nicht zuletzt durch gute Impffortschritte in den Senioreneinrichtungen – die Patientenzahlen zwar stabilisiert. Die Krankenhäuser im Kreis halten aber weiterhin Bettenkapazitäten auf ihren Covid-Intensivstationen und Covid-Normalstationen bereit, um Patienten zu behandeln“, sagt Anne Bülling, Geschäftsführerin des Krankenhauses in Bad Arolsen.

Sassan Pur, Geschäftsführer des Krankenhauses in Korbach, sagt: „Deutschlandweit sind aktuell laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin mehr als 3000 Krankenhausbetten mit Covid-Patienten belegt. Demzufolge ist die Belastung derzeit so hoch wie zu den Spitzenzeiten der ersten Welle im Frühjahr 2020 – und das bei täglich steigenden Inzidenzwerten.“ Seit einem Jahr kämpften Ärzte und Pflegkräfte unermüdlich und zum Teil am Rande ihrer Kräfte um die Corona-Patienten in den Krankenhäusern. Das sei eine Dauerbelastung. Um die Funktionsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems weiterhin verlässlich aufrecht erhalten zu können, sei frühzeitiges Handeln der Politik daher unerlässlich. „Durch das konsequente Einhalten der Hygieneregeln, Abstand halten, Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes und regelmäßiges Lüften geschlossener Räume können alle etwas dazu beitragen, die Ansteckungszahlen möglichst gering zu halten“, appelliert Pur.

„Um die Lage weiter beherrschen zu können, müssen dringlich alle Impfwilligen mit Impfstoff versorgt werden. Glücklicherweise haben wir in unseren Wildunger Kliniken aktuell keine Mitarbeiter mit einer Corona-Infektion zu verzeichnen. Somit zeigen die bereits 400 verabreichten Impfdosen, die konsequenten Hygienemaßnahmen sowie unsere regelmäßigen Testungen Wirkung“, sagt Katrin Kern, Geschäftsführerin der Asklepios Kliniken Bad Wildungen.

Die Klinik-Chefs appellieren zudem an die Bürgerinnen und Bürger, die strengeren Corona-Regeln auch über die Osterfeiertage einzuhalten, um dem weiteren Infektionsgeschehen gemeinsam Einhalt zu gebieten.

Englische Mutation ist im Landkreis die vorherrschende Virus-Variante

„Die Krankenhäuser fordern beim Labor keine Testung auf die Coronavirus-Mutation ein. Die Auskunft hierzu ist für Epidemiologen und Virologen interessant, aber nicht zwingend für den behandelnden Arzt“, teilen die vier Krankenhäuser zudem mit. Alle Corona-Patienten müssten mit gleichen Vorsichtsmaßnahmen gepflegt und nach gleichen medizinischen Leitlinien behandelt werden. „Prinzipiell ist davon auszugehen, dass die englische Mutation B1.17 deutschlandweit und damit auch in Waldeck-Frankenberg die vorherrschende Variante ist. Wissenschaftler werten dazu stichprobenartig Fälle aus, um eine Statistik zu erstellen“, berichten die Klinik-Chefs.

Das RKI veröffentliche freitags die Statistik zu den Mutationen. Danach gehöre Waldeck-Frankenberg zu den Landkreisen, in denen der Anteil von B1.17 an allen Coronavirus-Varian-ten besonders hoch sei (über 30 Prozent).

Das sagt Christiane Kohl, Leiterin des Literaturfestivals „Literarischer Frühling“

Christiane Kohl, Leiterin des Literaturfestivals „Literarischer Frühling“

Der Terminplan für den „Literarischen Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ muss wegen der jüngsten Zuspitzung der Corona-Pandemie zum dritten Mal geändert werden. Wie Festivalleiterin Christiane Kohl am Mittwoch mitteilte, sollen die ursprünglich für die Zeit vom 16. und 25. April vorgesehenen Veranstaltungen einzeln oder in kleinen Paketen nachgeholt werden, sobald dies möglich ist. „Jetzt greift Plan B“, sagt sie.

„Wir wollen es trotz aller Widrigkeiten auf keinen Fall hinnehmen, dass der Literarische Frühling komplett ins Wasser fällt, sondern werden alle Veranstaltungen im Laufe des Sommers durchführen.“ Die reservierten Eintrittskarten behalten weiter ihre Gültigkeit.

„Die neuen Termine geben wir bekannt, sobald die Lage wieder übersichtlich ist und wir mit den Künstlern und allen anderen Beteiligten konkrete Absprachen treffen können“, sagte Christiane Kohl weiter. Vorsorglich seien bereits für bestimmte Tage im Sommer eine Reihe von Räumlichkeiten reserviert worden. Nach Möglichkeit sollten einige Veranstaltungen auch im Freien stattfinden, nach dem Motto „Frischluft ist gesund“.

Die Inhaber von Tickets werden gebeten, weiter die Entwicklung abzuwarten. Sobald es Neuigkeiten gebe, werde dies auf der Webseite literarischer-fruehling.de mitgeteilt. Selbstverständlich sei es auch möglich, Eintrittskarten zurückzugeben. Wichtig sei nur, dass hierbei derselbe Weg benutzt werde wie beim Kartenkauf: Gegen eine kleine Systemgebühr von 1,20 € könnten die Tickets an der jeweiligen Verkaufsstelle oder über das betreffende Internet-Portal der Ticket-Dienstleister zurückgegeben werden. mab Foto: marise moniac/pr

Fragen können an die E-Mail-Adresse kontakt@literarischer-fruehling.de gerichtet werden.

„Corona-Politik ist nicht nachvollziehbar“: Das sagt Buchhändler Matthias Flemming

Matthias Flemming, Buchhändler

Buchläden bleiben – unabhängig von der Corona-Inzidenz – offen. Matthias Flemming kann deshalb in seinen Filialen in Bad Wildungen und Bad Arolsen weiter bei Einhaltung von Abstands- und Hygieneauflagen Kunden bedienen. Anders sieht es für sein Schreibwaren- und Geschenkegeschäft in Korbach aus: Hier muss er den Betrieb wieder auf Click&Collect zurückführen. Es ist dann wieder nur möglich, Waren vorzubestellen und vor Ort abzuholen. „Wir kämpfen alle weiter und haben alle Existenzängste“, sagt Flemming. Finanzielle Hilfen seien noch nicht angekommen.

Die Corona-Politik der Bundesregierung sei nicht nachvollziehbar. Impfungen müssten dingend ausgeweitet und dem kompletten Einzelhandel eine Öffnung ermöglicht werden, denn funktionierende Hygienekonzepte seien da: „Wir haben für viel Geld Desinfektionsspender angeschafft, halten Abstände ein und machen alles Mögliche. Wir wollen uns ja auch selbst nicht anstecken“.

„Ich habe das Gefühl, wir werden nicht wahrgenommen“: Das sagt eine Gastronomin

Gerlinde Scriba, Gastronomin

„Bisher haben wir ja alles erduldet, aber mittlerweile platzt einem der Kragen“, sagt Gerlinde Scriba von der Dorf Alm in Willingen. Trotz Lockdown gingen die Infektionszahlen rauf und runter, da seien die Einschränkungen nicht zu rechtfertigen. Sie fragt: Warum dürfen Industrie, Handwerk und Behörden arbeiten, die Gastronomie aber nicht? Im Lokal werde auf Hygiene und Abstand geachtet – was anderswo hinter verschlossenen Türen passiert, sei eine andere Frage. Treffen in diesem geregelten Rahmen könnten sogar helfen, das private Infektionsgeschehen zu entzerren.

Mit den Anfang März verkündeten Öffnungsaussichten habe es leichte Euphorie gegeben – nun sind die vom Tisch. Wenn die Gastronomie Woche um Woche vertröstet werde, seien nicht nur die vorbereitenden Arbeiten unmöglich zu planen: Es falle auch schwer, sich gegenüber Banken und Mitarbeitern zu erklären – die ersten hätten sich neue Jobs gesucht, um ihre Familien zu ernähren.

Manche Betriebe haben die Novemberhilfen in dieser Woche erhalten, manche warten noch immer. Zusagen auf neue Hilfen vertraue sie im Grunde schon – aber langsam steige niemand mehr durch, weil jede Hilfe anders abgerechnet wird. Und teils Angaben über Kosten der kommenden Monate erfordert, die ohne Perspektive überhaupt nicht planbar sind.

Die Politik werde einseitig beraten und leide an Tunnelblick – das führe zu „reiner Willkür“. Bei aller Mühe des Dehoga: Einfache Gastwirte nehme die Regierung nicht wahr, sagt Gerlinde Scriba: „Die Leute sind es leid und denken langsam über Protestöffnungen nach.“

Das sagt ein Lebensmittelhändler

Matthias Möbus vom Edeka-Markt in Frankenau hat erst am frühen Mittwochnachmittag davon erfahren, dass die sogenannte „Osterruhe“ wieder gekippt worden ist. Der Frankenauer hatte die geplanten Maßnahmen für die Lebensmittelbranche von Anfang an für keine gute Idee gehalten: „Ich finde, durch eine Schließung am Gründonnerstag wäre das Ganze nicht entzerrt, sondern eher verschlimmert worden“, sagt er. Am Samstag vor Ostern sei erfahrungsgemäß immer sehr viel Betrieb. „Wenn ich am Donnerstag hätte schließen müssen, wäre es am Samstag natürlich noch ein bisschen heftiger geworden“, so Möbus. sub

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