Angst- und Zwangssymptome nehmen zu

Hainaer Klinikleiter: Corona belastet die Psyche

Menschen sitzen mit Maske, Mund-Nase-Bedeckung im Bus.
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Die Coronakrise und die damit verbundenen Sorgen und Ängste schlagen sich auf die Psyche nieder.

Die Coronakrise und die damit verbundenen Sorgen und Ängste schlagen sich auf die Psyche nieder. „Die Pandemie wird die seelische Gesundheit vieler Menschen nachhaltig beeinflussen“, sagt Dr. Florian Metzger, Ärztlicher Direktor der Hainaer Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Waldeck-Frankenberg – Ob die Belastungen der vergangenen Monate zu einem Anstieg an behandlungsbedürftigen Menschen geführt haben, lasse sich zwar noch nicht sagen. Dafür sei es noch zu früh. „Wir sehen vor allem, dass die Erkrankungsschwere zugenommen hat. Patienten begeben sich aber weiterhin noch eher später in Behandlung. Wir sehen derzeit nur die Spitze des Eisbergs“, sagt der Psychiater.

Er stelle eine Zunahme von Angst- und Zwangssymptomen fest. Viele Betroffene tolerierten diese Symptome lang Zeit, nähmen sie erst spät als Erkrankung wahr und suchten oft erst einen Arzt auf, wenn die Symptome sich verfestigt hätten.

Dr. Metzger befürchtet weitere negative Auswirkung von Corona: „Durch die Isolation werden wir zunehmend mit depressiv Erkrankten zu tun bekommen. Bei älteren Menschen wird die Isolierung zu wesentlich schneller fortschreitenden Demenzerkrankungen führen.“ Um so mehr komme es darauf an, Erkrankungen vorzubeugen und Symptome früh zu erkennen. Tipps dazu geben er und Mitarbeiterin Dr. Svenja Krähling, heute, zum „Internationalen Tag der seelischen Gesundheit“ in unserer Zeitung.

Dr. Florian Metzger

Der Ärztliche Direktor räumt einen Engpass bei der Versorgung psychisch Kranker ein: „ Die Nachfrage nach Terminen bei niedergelassenen Psychiatern und Psychotherapeuten oder in psychiatrischen Institutsambulanzen ist weiter sehr hoch. Gerne würden wir noch mehr Menschen mit psychischen Problemen helfen, aber, wie fast überall in Deutschland, fehlen insbesondere Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie“.

Die Hainaer Klinik versuche, „Zeitressourcen so gut es geht aufzuteilen, um möglichst vielen Menschen zumindest einen diagnostischen Termin anbieten zu können und eine Beratung zu ermöglichen“, sagt er. Und sie setze neben der vollstationären Versorgung in Haina auch auf Ambulanzen und Tageskliniken.

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