Städte, Gemeinden und Landkreis bilden neue Arbeitsgruppe zur Unterbringung von Flüchtlingen

Kommunen im Krisenmodus

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Täglich erreichen Flüchtlinge Deutschland: Die Städte und Gemeinden in Waldeck-Frankenberg wollen vorbereitet sein.Foto: dpa

Waldeck-Frankenberg - Heimische Bürgermeister und Abteilungsleiter im Kreishaus haben eine Arbeitsgruppe gegründet: So wollen sie eine neue Zuweisung von Flüchtlingen bewältigen. Gemeinsam prüfen sie nun Sport- und Gewerbehallen, in denen vorübergehend bis zu 500 Flüchtlinge untergebracht werden können.

Wenn der Anruf des Regierungspräsidiums kommt, dann wollen der Landkreis und die Bürgermeister vorbereitet sein. „Wann er kommt und wieviele Flüchtlinge dann bei uns im Landkreis untergebracht werden, das wissen wir noch nicht“, sagt Arolsens Bürgermeister Jürgen van der Horst. Es ist von 500 Menschen die Rede. Und genau auf dieses Situation wollen sich Landkreis und Kommunen einstellen.

Kommunen entscheiden über Hallennutzung

Deswegen hat eine neue Arbeitsgruppe, zu der momentan die Bürgermeister Jürgen van der Horst, Klaus Friedrich (Korbach), Dirk Junker (Hatzfeld) und die Abteilungsleiter des Kreishauses gehören, den Landkreis in drei Bereiche unterteilt. Im Norden, Süden und der Mitte des Landkreises sind Bürgermeister in enger Absprache dazu angehalten, Unterbringungsmöglichkeiten für jeweils 150 Flüchtlinge zu suchen. Am Montagmorgen ist dann ein Gespräch mit allen Bürgermeistern in Korbach geplant. Am Nachmittag will der Landrat im Kreistag Stellung beziehen.

„Jetzt sind wir im Krisenmodus“, erklärt van der Horst, „wir haben die Verpflichtung, zu liefern.“ Und das bedeutet, dass alle Kommunen im Landkreis ab sofort Hallen prüfen. „Dabei geht es sowohl um Sporthallen der Kommunen als auch des Kreises und gewerbliche Gebäude“, sagt van der Horst.

Folgende Kriterien gelten: Welche Gebäude sind überhaupt von heute auf morgen verfügbar? Gibt es eine Mindestausstattung wie Duschen und Küchen? Eignet sich die Lage und das Umfeld der Halle? Und welchen Eingriff würde eine Umfunktionierung in das Schul- und Vereinsleben bedeuten? „Dann müssen wir uns in die Augen schauen und Entscheidungen treffen“, sagt van der Horst mit Blick auf die Bürgermeisterkollegen. Wichtig sei es in jedem Fall, dass die Entscheidung in der Region liege, welche Halle sich am besten eigne. „Und das gilt auch für kreiseigene Hallen“, erklärt van der Horst.

Auf die neue Dimension bei der Frage nach der Unterbringung von Flüchtlingen weist auch Dirk Junker hin: „Auf der ersten Ebene müssen Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden“, sagt er, „dafür sind nach Vereinbarung mit dem Landkreis die Kommunen zuständig. Deswegen suchen wir weiter dringend nach Privatwohnungen, die wir anmieten können“. Das hätten die Kommunen bisher gut und sozialverträglich gemeistert, ergänzt van der Horst.

Hessenstein und Sportjugend im Gespräch

Auf der neuen, zweiten Ebene allerdings, gehe es jetzt darum, viele hundert Menschen unterzubringen, die bisher in Zeltstädten gelebt hätten. „Das Land Hessen löst diese Zeltstädte in den nächsten Wochen witterungsbedingt auf“, sagt Junker, „und das bedeutet, wir müssen mit bis zu 500 Flüchtlingen rechnen.“

Dass diese Menschen über den Winter auf keinen Fall in Zelten untergebracht werden können, darin sind sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe einig. Welche Hallen am Ende in Frage kommen, will noch keiner der Bürgermeister sagen. „Es bleibt auch die Frage, ob es sinnvoller ist, viele Flüchtlinge an einem Ort oder in vielen kleineren Hallen unterzubringen“, sagt Klaus Friedrich. Möglich seien nach der Feriensaison auch Burg Hessenstein und das Sportjugendcamp bei Harbshausen. Dabei gehe es aber immer nur um kurzfristige Lösungen, sagt Friedrich. Er spricht von wenigen Monaten.

Gefragt seien aber in jedem Fall auch Feuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und Ehrenamtliche. „Das ist eine große logistische Leistung“, betont Kor Klaus Friedrich. Betten, Besteck und die medizinische Versorgung, aber auch der kulturelle Hintergrund der Menschen: „Daran müssen wir denken“, betont Friedrich. Und schließlich seien am Ende auch die Feuerwehrleute Ehrenamtliche, die von ihren Arbeitgebern nicht auf unbestimmte Zeit frei gestellt werden könnten.

Thema war die Unterbringung der Flüchtlinge auch im Diemelstädter Parlament: „Würden wir weitere Flüchtlinge zugewiesen bekommen, würden wir nur eine Lösung mit dezentraler Unterbringung in kleinen Einheiten unterstützen“, erklärt Bürgermeister Elmar Schröder. Zur Zeit leben in der Diemelstadt 120 Flüchtlinge, 70 von ihnen in Wrexen. Schröder forderte auch für den Kreis Solidarität und einen gerechten Verteilungsschlüssel.

„Brauchen Unterstützungder Menschen“

Währenddessen bat van der Horst um Verständnis bei den Menschen, wenn eine Halle umfunktioniert werden müsse. Und: „Wir brauchen die Unterstützung der Menschen“, betonte er. Wie die aussehen kann, wolle der Arbeitskreis noch weiter definieren. „Hilfe sollte nicht ungeplant, sondern über die bestehenden Initiativen geleistet werden“, sagt van der Horst.

Von Theresa Demski und Martina Biedenbach

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