Später Rückenwind für die Zugvögel

Kraniche haben auf „Wanderwetter“ gewartet: 34 Meldungen aus Waldeck-Frankenberg

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Verspäteter Abflug: Viele Kraniche haben in den Rastgebieten, wie etwa in Brandenburg (Foto) auf Rückenwind gewartet, bevor sie Richtung Südwesten aufbrachen. 

Waldeck-Frankenberg. Kommt jetzt der Winter? Von Kranichen, die in großen Formationen über das Waldecker Land gen Südwesten ziehen, berichten unsere Leser.

Heinrich Damm in Herbsen und Wolfgang Schmidt in Mengeringhausen meldeten Überflüge ebenso wie Ursula und Christian Trautmann aus Berndorf oder Heinz Bangert aus Strothe. Wetterbedingt haben die Zugvögel lange auf ihren Abflug gewartet.

„Das war kein guter Herbst für den Wegzug der Kraniche. Ein Tiefdruckgebiet folgte auf das andere, das bedeutete Regen und Wind aus westlicher Richtung, Gegenwind für die großen Vögel“, beschreibt Professor Dr. Hans-Heiner Bergmann (Mengeringhausen) die Situation. „Die Kranichverbände, die sich trotzdem aufgemacht haben, sind teilweise weit nach Süden abgedrängt worden und haben die üblichen Zugrouten über Hessen nicht berührt“, erklärt der Vogelkundler das Phänomen, dass erst jetzt Anfang Januar die Zugvögel über der Region zu beobachten sind. Mit dem Hochdruckgebiet, das jetzt östliche Winde brachte, stellte sich nun endlich „Wanderwetter für die Kraniche“ ein.

Allein am Montag sind von 22 Beobachtern mit 34 Meldungen über dem Kreisgebiet insgesamt rund 4500 Kraniche geortet worden, berichtet Wolfgang Lübcke, Ornithologe des Nabu-Kreisverbands Waldeck-Frankenberg.

Nachzulesen sind die Beobachtungen auf den Internetseiten (ornitho.de, Naturgucker.de und der Beobachtungsseite des Nabu-Kreisverbands). Einige Beobachtungen erfolgten noch während der Dunkelheit, sagt Lübcke. „Zum Beispiel erhielt ich eben noch einen Anruf aus Odershausen, wo um 21.30 Uhr ziehende Kraniche gehört wurden.“

Bisher mildes Winterwetter

Offenbar haben zahlreiche Kraniche noch in den Rastgebieten ausgeharrt, in Mecklenburg, in der Diepholzer Moorniederung, im Brandenburgischen Linum, erläutert Bergmann. Das milde Winterwetter hat es ihnen leicht gemacht. Sie haben genug Nahrung auf den abgeernteten Feldern gefunden und die flachen Gewässer, die sie zum Übernachten benötigen, waren stets frostfrei und offen.

Am  Montag war der nordhessische Wolkenhimmel dann etwas aufgelichtet, die Sicht gut. Professor Bergmann berichtet: „Am Boden herrschte mäßiger Ostwind, in der Höhe mag er stärker gewesen sein. Geschwader auf Geschwader zogen die Kraniche in klarer Keilformation und mit lauten Rufen westwärts. Innerhalb einer Dreiviertelstunde zählten wir fünf große Verbände, alle zehn Minuten oder Viertelstunde einer. Offenbar waren sie vormittags aufgebrochen und überflogen das Waldecker Land in der Mitte des Nachmittags. Es waren insgesamt an die tausend Vögel, sicher nur ein kleiner Teil der gesamten Population, die sich aufgemacht hatte.“  

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