Strafe für Tierquäler ausgesetzt

Kranke Kuh rabiat behandelt und getötet

Waldeck-Frankenberg - Ein ehemaliger Landwirt aus Waldeck-Frankenberg hat erreicht, dass seine Haftstrafe wegen Tierquälerei zur Bewährung ausgesetzt wird: Der Richter glaubt nicht, dass der einschlägig Vorbestrafte rückfällig wird.

Nach seiner Verurteilung wegen Tierquälerei hat ein 50-Jähriger aus dem Landkreis erfolgreich Berufung eingelegt. Während er vor dem Kasseler Landgericht den Schuldspruch vom Januar akzeptierte, ging er gegen das Strafmaß an: Die 9. Strafkammer stimmte zu und setzte die Haftstrafe von acht Monaten und zwei Wochen zur Bewährung aus.

Im Sommer des vergangenen Jahres hatte der Mann, auf dessen Hof damals 65 Rinder lebten, eine Kuh mit Gebärmuttervorfall rabiat selbst behandelt - einen Tierarzt habe er nicht erreichen können, erklärte er. Dabei hob er die Beine des Tieres mit einem Frontlader an - eine qualvolle Prozedur, wie die Amtsärztin erklärte. Der 50-Jährige beharrte wie vor dem Amtsgericht darauf, das Wohl des Tieres vor Auge gehabt zu haben. Als seine Behandlung nicht half, schnitt er der Kuh die Kehle durch und ließ sie ausbluten, um das Fleisch noch verwenden zu können.

Wegen vorheriger Fälle von Tierquälerei stand der Mann bei der Tat unter einem Viehhaltungsverbot. 2010 erhielt er zwei Bewährungsstrafen, die er teilweise verbüßte: Eine halbjährige, weil er vier Rinder ohne Narkose enthornt hatte, sowie eine von einem Jahr, weil er ein Kalb mit absterbenden Beinen am Leben hielt, bis es schwer genug für eine profitable Schlachtung war. Bei Kontrollen des Veterinäramts fielen wiederholt unzumutbare Haltung und unbehandelte verletzte Rinder auf.

Der Mann gab zu, mit dem Hof seit Jahren überfordert gewesen zu sein. Ein Pächter hatte die Zusammenarbeit kurz vor dem Vorfall beendet. Mittlerweile hat er den Erbhof aufgegeben: „Ich bin kein Bauer mehr“, erklärte er. Schon im Januar sei kein Vieh mehr dort gewesen. Mittlerweile sei ein langfristiger Pächter gefunden und das landwirtschaftliche Gerät veräußert worden. Der Hof stehe zum Verkauf. Dass der ehemalige Landwirt wieder Tiere quälen wird, schlossen sowohl Staatsanwaltschaft als auch Richter aus.

Der Staatsanwalt hielt indes eine dritte Bewährungsstrafe für kaum vermittelbar. Wegen der guten Sozialprognose des Familienvaters setzte das Schöffengericht die Strafe dennoch für drei Jahre zur Bewährung aus. Als Auflage muss der 50-Jährige 1800 Euro an den Tierschutzverein Bad Wildungen und Umgebung zahlen. (wf)

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