Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese kündigt Konzept an

Kreis will den Alltagsradverkehr fördern

Ein Radfahrer fährt unter einem Verkehrsschild „Radweg“ vorbei.
+
Umsteigen vom Auto aufs Rad: Der Kreis will den Alltagsradverkehr in Waldeck-Frankenberg fördern. Er will dazu ein Konzept aufstellen, das auch Planungen der Kommunen aufnimmt.

Der Kreis will ein Konzept für den wachsenden Alltagsradverkehr in Waldeck-Frankenberg aufstellen. Das kündigt der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese an.

Waldeck-Frankenberg – Entspannende Radtouren nach Feierabend oder am Wochenende erfreuen sich bei Gesundheitsbewussten einer steigenden Beliebtheit. Und immer mehr Waldeck-Frankenberger lassen ihr Auto stehen und fahren mit dem Rad zur Arbeit. Diesen Trend greift der Kreis mit dem Konzept zum Alltagsradverkehr auf.

Ziele sind, das Radfahren attraktiver zu machen, Lücken im Wegenetz zu schließen und laufende Planungen der Kommunen zu koordinieren und zu ergänzen.

Erfolg der E-Bikes

Einen Grund für den Boom des Alltagsradverkehrs sieht Frese im Erfolg der E-Bikes – der Räder mit elektrischem Hilfsmotor. Mit ihnen könnten Radler auch größere Entfernungen über Land zurücklegen. Und sie seien für Ältere attraktiv. Allein 2019 wurden bundesweit 1,36 Millionen E-Bikes verkauft, die Wachstrumsraten sind enorm.

Corona-Krise ändert Verkehrsverhalten

Außerdem sei der Alltagsradverkehr seit Beginn der Corona-Krise vor einem halben Jahr „deutlich angewachsen“. Die Krise zeige, dass sich das Verhalten der Leute schnell ändere, berichtet die Leiterin des Fachdienstes Bauen in der Kreisverwaltung, Susanne Paulus: Viele hätten aus Vorsicht den öffentlichen Personennahverkehr gemieden und seien aufs Rad umgestiegen. Denn in Bus und Bahn lassen sich Abstandsregeln schlecht einhalten. Paulus rechnet damit, dass viele der Umsteiger das Rad auch künftig als ihr Hauptverkehrsmittel nutzen.

Mit dem Konzept ließen sich auch die Planungen zum Ausbau des Fahrradtourismus im Kreis verknüpfen, sagt der Leiter des Touristik-Service Waldeck-Ederbergland, Klaus Dieter Brandstetter. So könnten Standorte für E-Bike-Ladestationen gemeinsam abgestimmt oder Bahnanbindungen verbessert werden, um weiteren Verkehr vom Auto aufs Fahrrad zu bringen.

Nutzer sollen befragt werden

Mit dem vom Land geförderten Konzept soll das Radwegenetz kreisweit koordiniert ausgebaut und besser an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden werden. „Wichtig ist, dass die Sachen angeschoben werden“, sagt Paulus. Dazu gehöre auch die Öffentlichkeitsbeteiligung: Da sei eine Online-Befragung geplant.

Der Radverkehr habe sich seit 2016 mindestens verdoppelt, sagt auch der Leiter des Touristik-Service Waldeck-Ederbergland, Klaus Dieter Brandstetter. So hätten Urlauber mit Wohnmobil alle auch Räder dabei. Der Anstieg gelte aber nicht nur für den Tourismus, sondern auch für den Alltagsradverkehr.

Berufspendler steigen aufs Rad um

In Städten gehören radelnde Berufspendler längst zum Alltagsbild – und meist kommen sie auf ihren Radwegen schneller voran als Autofahrer, die zu Stoßzeiten regelmäßig im Stau stehen. In Berlin oder Frankfurt sind auch Leute mit Anzug und Krawatte auf dem Rad zu sehen. „Und vielleicht machen es uns die Studenten vor“, sagt Paulus – sie haben Münster zur deutschen Fahrradstadt Nummer 1 gemacht.

Aber wie weit sind Pendler im größten Flächenkreis Hessens bereit zu radeln? Paulus hält einen Radius von zehn Kilometern für realistisch – zumal mit einem E-Bike. Pendler müssen ja nicht die gesamte Strecke mit dem Rad zurücklegen, sagt Frese. So könnten sie auch Bahnlinien wie die von Korbach nach Frankenberg nutzen und nur für Teilstücke auf ihr Fahrrad umsteigen.

„Knotenpunkte" einrichten

Die Haltestellen könnten zu „Knotenpunkten“ zum Umsteigen zwischen Rad und Zug werden. Und es könnten nach dem Vorbild von „Park and Ride“ Parkplätze geschaffen werden, auf denen Leute ihr Auto abstellen und mit dem Rad den Zug besteigen oder losradeln.

Auch „Mobilitätspunkte“ mit „Car- and Bikesharing“ könnten eingerichtet werden, schlägt Paulus vor: Nutzer können sich dort über Handy-App bequem ein Auto oder Fahrrad mieten. Fulda sei in Hessen ein Vorreiter, berichtet Frese. Der Kreis habe Absprachen mit den Kollegen dort getroffen. „Es ist sinnvoll, sich mit den Kommunen auf den Weg zu machen.“ Dabei sollten laufende Bestrebungen wie in Frankenberg oder Bad Wildungen mit einfließen. „Wir nehmen die Kommunen mit“, versichert Frese. „Gemeinden können sich andocken.“ Der Kreis übernehme für sie auch Planungen. Und er fördere auch weiter den kommunalen Radwegebau von Volkmarsen bis ins Edertal. Den Bürgermeistern werde das Konzept noch vorgestellt.

Land fördert das Konzept

Rund 95 000 Euro soll das Konzept kosten, es ist im Haushalt des Kreises verankert. Das Land fördere es aus dem Programm „Nahmobilität“ mit 60 000 Euro, der Bescheid liege bereits vor, berichtet Paulus. Vielleicht ist auch eine Bundesförderung möglich. Der Kreis will ein Fachbüro beauftragen. In vier Jahren soll das Konzept vorliegen. (-sg-)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare