„Runder Tisch“ mit allen Akteuren

Kreis will den Schlachthof in Mengeringhausen retten

2019 im Mengeringhäuser Schlachthof: Geschäftsführer Dirk Blettenberg informiert Besucher vom Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung bei einem Rundgang. Der Kreis ist bei der Rettung des Betriebes mit im Boot.
+
Im Mengeringhäuser Schlachthof: Geschäftsführer Dirk Blettenberg informiert Besucher vom Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung bei einem Rundgang. Der Kreis ist bei der Rettung des Betriebes mit im Boot.

Der Kreisausschuss will sich für den Erhalt des Schlachthofes in Mengeringhausen einsetzen. Dazu soll eine neue Trägergesellschaft gegründet werden, die den Betrieb fortführt.

Waldeck-Frankenberg – Der Kreistag stärkte dem Kreisausschuss bei seiner Sitzung am Montag in Rhoden den Rücken: Mit Mehrheit beauftragten ihn die Abgeordneten damit, die Gründung der Trägergesellschaft zu prüfen und wenn möglich einzuleiten.

Eingetragene Genossenschaft

In einer „Aktuellen Stunde“ brachten die Grünen den Erhalt des Schlachthofes auf die Tagesordnung. Alle Fraktionen sprachen sich dafür aus, ihn zu retten.

Betreiber ist die Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen. Sie ist eine eingetragene Genossenschaft mit rund 2000 Mitgliedern, überwiegend Landwirte. Sie handelt mit Tieren, sie schlachtet und zerlegt.

Landwirte vermarkten ihre Tiere über den Betrieb, und viele Fleischer beziehen ihr Fleisch aus Mengeringhausen, weil sie wegen hoher Auflagen nicht mehr selbst schlachten. Drei Viertel des Umsatzes macht der Viehhandel aus.

Wie berichtet, hatten sich die Genossenschafter am 7. September mehrheitlich dagegen ausgesprochen, die erforderlichen 3,6 Millionen Euro für Investitionen bereitzustellen. Damit ist der weitere Schlachtbetrieb faktisch nicht möglich, weil Auflagen nicht eingehalten werden.

„Harter Schlag für die Landwirte im Kreis“

Diese Entscheidung sei ein „harter Schlag für die Landwirte im Kreis“, sagte der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich, der Schlachthof in Mengeringhausen sei der einzige verbliebene in Waldeck-Frankenberg. Die Zahl von rund 13 800 Schlachtungen im vorigen Jahr zeuge von seiner Bedeutung. Es gelte, schnell zu handeln.

Sein Parteifreund Daniel May stellte den Antrag, dem Kreisausschuss den Prüfauftrag zu erteilten. Der Kreis solle sich mit Landwirten, Metzgern und Verbänden abstimmen, um zu einer neuen Trägergesellschaft mit einer neuen Geschäftsführung zu kommen. Die müsse Investitionen schnell angehen.

Gespräche mit dem Handwerk

Am Erhalt des Schlachthofes arbeiteten Landrat Dr. Reinhard Kubat und er schon länger, berichtete der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese. Es habe bereits vor der Entscheidung der Genossenschafter Gespräche mit der Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft und der Fleischerinnung gegeben, „um das Schlachthofangebot aufrechtzuerhalten“, antwortete Frese auf eine Anfrage des SPD-Fraktionschefs Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling.

Er habe die Erkenntnis mitgenommen, dass das Fleischerhandwerk „an der Neuaufstellung des Schlachthofes mitwirken möchte“, sagte Frese. Jetzt müssten die Rahmenbedingungen geklärt werden, deshalb hätten die Kreishandwerkerschaft und er für den 4. Oktober zum „Runden Tisch“ geladen.

Betrieb „zukunftsfähig aufstellen“

„Wir haben Ideen, wie wir den Schlachthof weiterentwickeln und zukunftsfähig aufstellen können“, sagte Frese. Dabei gelte es auch, neue Kunden zu erschließen, auch über Kreisgrenzen hinweg. Zunächst müsse geprüft werden, ob das Konzept noch tragfähig sei.

Müsse in Mengeringhausen geschlachtet und zerlegt werden? Oder solle nur noch geschlachtet werden, und das Zerlegen übernehmen die Metzger? Auch bei ihnen könne es angesichts des wachsenden Facharbeitermangels vielleicht neue Strukturen geben. Frese schlug vor, „Kräfte zu bündeln“, dadurch würde es möglich, auch für andere Betriebe zu arbeiten.

Darüber wolle er beim „Runden Tisch“ reden. Dann gelte es, mit allen Akteuren eine neue Gesellschaft zu gründen. „Alle Akteure müssen ihren Beitrag leisten“, sagte Frese. Der Kreis gehe mit in die Verantwortung – „aber betreiben kann er den Schlachthof nicht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare