Waldeck-Frankenberg bereitet einen landesweit einmaligen Modellversuch vor

Kreisstraße nach Asel-Süd soll Fahrradstraße werden

Der Touristiker Klaus Dieter Brandstetter, die Leiterin des  Fachdienstes Bauen der Korbacher Kreisverwaltung, Susanne Paulus, und der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese werben für den Modellversuch,  die  Kreisstraße 59 als Fahrradstraße  auszuweisen.
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Die Pläne für den Modellversuch stehen: Der Touristiker Klaus Dieter Brandstetter, Susanne Paulus vom Fachdienst Bauen und der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese werben für die Fahrradstraße auf der Kreisstraße 59.

Einen landesweit einmaligen Modellversuch will der Kreis Waldeck-Frankenberg starten: Er plant, die Kreisstraße 59 vom Abzweig der Bundesstraße 252 bis nach Asel-Süd als Fahrradstraße auszuweisen.

Waldeck-Frankenberg – Am Mittwoch stellten der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese und die Leiterin des Fachdienstes Bauen in der Kreisverwaltung, Susanne Paulus, das Vorhaben vor. Auf Fahrradstraßen haben Radfahrer Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern, wie die Paulus erläutert – Auto-, Trecker- oder Busfahrer müssen sich ihnen unterordnen.

„Wir stellen hier alle bisherigen Prioritäten auf den Kopf“, sagt Vizelandrat Karl-Friedrich Frese. Denn nunmehr habe sich das Auto unterzuordnen. „Das Fahrrad gibt auch das Tempo vor“, deshalb gelte für alle Tempo 30 – bislang gilt auf der Kreisstraße allerdings ohnehin schon Tempo 50. Radler dürfen auf der Straße auch nebeneinander fahren.

Aus Städten wie Münster sind Fahrradstraßen bereits bekannt. In ganz Hessen gibt es auf dem Land bislang nur zwei, die lediglich über Wirtschaftswege verlaufen. Dass eine komplette Kreisstraße ausgewiesen würde, ist neu. Entsprechend groß sei das Interesse in Wiesbaden, „Erfahrungen zu sammeln“, erklärt Frese.

Lücke im Radwegenetz schließen

Für den Kreis hätte diese Lösung einen Vorteil: Er könnte ohne großen Aufwand eine Lücke im überregionalen Radwegenetz schließen – daran habe auch das Land Interesse, sagt Frese. Der touristische Radverkehr habe sich seit 2016 verdoppelt, sagt Klaus Dieter Brandstetter vom Touristik-Service Waldeck-Ederbergland. Der R5 und der R6 führen am Edersee vorbei.

Der Kreis ist ohnehin in der Pflicht: Er muss die 7,7 Kilometer lange marode Straße kurz- bis mittelfristig verkehrssicher ausbauen. „Dabei müssen wir den Radverkehr mitdenken“, sagt Frese.

Neuer Radweg wäre teuer

Die Straße sei 5,20 bis 5,60 Meter breit, da sei keine Radspur abtrennbar, erläutert Paulus. Würde ein neuer Radweg neben der Straße gebaut, würde sich der Straßenschnitt auf rund neun Meter verbreitern. Wegen der Hangsicherung kämen rasch Kosten von bis zu 40 Millionen Euro zusammen. „Das ist völlig unrealistisch“, sagt Frese. Die Fahrradstraße wäre eine elegante Lösung. Es müssten nur ein paar Schilder aufgestellt und Piktrogramme auf der Fahrbahn angebracht werden.

Schon vor einem Jahr habe es Gespräche im Wiesbadener Wirtschaftsministerium gegeben, berichtet Frese – es sprach sich für den Modellversuch aus.

Vöhler müssen zustimmen

Wichtig sei allerdings die Akzeptanz in der Region. Deshalb habe der Kreis vor zwei Wochen den Vöhler Gemeindevorstand, den Ältestenrat des Parlaments und Ortsvorsteher eingeladen. „Wir erwarten bis Ende September das Votum der Gemeinde“ sagt Frese. Ohne ihre Zustimmung werde der Kreis nichts unternehmen.

Stimmen die Vöhler zu, will der Kreis den Förderantrag stellen. Das Land soll 30 000 Euro bereitstellen und den Versuch wissenschaftlich begleiten. Vorgesehen ist eine Untersuchungszeit von Ostern bis Oktober 2021, um die Hauptreisezeit abzudecken. Es soll Befragungen und Kameraaufnahmen geben. Nach der wissenschaftlichen Auswertung des Versuchs will der Kreis entscheiden, wie die Straße ausgebaut wird und ob eine Fahrradstraße dauerhaft ausgewiesen wird.

Beschränkungen denkbar

Frese kann sich vorstellen den Anliegern gerade in Harbshausen entgegenzukommen. So wäre denkbar, die Fahrradstraße nur zwischen 9 bis 18 Uhr auszuweisen – dann wären Pendler oder Schüler kaum von Einschränkungen betroffen. Auch eine Beschränkung auf Ferienzeiten wäre zu überlegen. Oder es würde nur der Abschnitt zwischen Harbshausen und Asel-Süd ausgewiesen. Das soll mit den Ortsbeiräten abgestimmt werden.

Frese wirbt für den „spannenden Modellversuch: Ich bin mir sicher, dass man bundesweit auf unsere Erfahrungen blicken wird.“ (-sg-)

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