Hessenmobil prüft Möglichkeit der Abstufung von Kreisstraßen · Finanzausschuss: „Kein Handlungsbedarf“

Kreisstraßen unter die Lupe genommen

Waldeck-Frankenberg - Welche Bedeutung haben die jeweiligen Kreisstraßen im großen Straßennetz? Mit dieser Fragestellung schickte der Kreistag Hessenmobil vor drei Jahren auf den Weg. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

In welchem Zustand sind die 480 Kilometer Kreisstraße? Wie werden sie genutzt? Und welche Funktionen haben die einzelnen Strecken? Weil der Kreistag Antworten auf diese Fragen suchte, erarbeitete Hessenmobil in den vergangenen zweieinhalb Jahren eine Zusammenstellung. 56 Kreisstraßen standen bei der Untersuchung im Fokus. In dem Ergebnispapier teilt Hessenmobil diese Straßen in drei Kategorien ein, die sich an der Möglichkeit der Abstufung oder Einziehung orientieren. Das bedeutet konkret: Erfüllt die jeweilige Straße überhaupt den Zweck einer Kreisstraße oder sollte sie zur Gemeindestraße abgestuft oder am Ende sogar ganz eingezogen werden? Kriterien waren dabei etwa, ob die Straßen verschiedene Landkreise miteinander verbinden, dem überörtlichen Verkehr innerhalb Waldeck-Frankenbergs dienen oder dem „unentbehrlichen Anschluss von Gemeinden oder Ortsteilen an überörtliche Verkehrswege“. Das Ergebnis: Die Kreisstraßen auf Scheid, an der Hohen Fahrt, in Bad Wildungen, Asel Süd, Harbshausen, Hermannshof, Lindenhof, Osterfeld und Neuludwigsdorf landeten in der roten Kategorie. Eine Abstufung oder Einziehung sei also möglich. Allerdings sei die Bedeutung für den Tourismus zu bedenken. Schwarz auf weiß gefiel den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses dieses Fazit dann aber nicht. „Wir hatten uns von dieser Untersuchung etwas anderes erwartet“, betonte Heinrich Hofmann (FWG), dessen Fraktion einst den Antrag gestellt hatte. Man wolle keine Straßen an Gemeinden loswerden, sondern lediglich einen Bericht über den Zustand der Straßen und Verkehrszählungen. Und auch Ausschussvorsitzender Harald Plünnecke fragte nach dem ursprünglichen Sinn der Untersuchung. „Wir machen hier ohne Not ein Fass auf“, betonte er. Mit der Untersuchung werde ein völlig falsches Signal in die Kommunen gesendet. Schließlich gehe es dem Kreis doch gar nicht darum, akut Straßen abzustufen. Erster Beigeordneter Jens Deutschendorf versuchte zu beruhigen: „Die Intention der Untersuchung war gar nicht die Frage danach, wie viele Straßen der Kreis loswerden kann“, betonte er. „Wir wollten nur eine Übersicht, um Fördergelder und Investitionen künftig so gut wie möglich einsetzen zu können.“ Um den Blick für die Kreisstraßen zu schärfen und eine Übersicht zu bekommen, sei der Auftrag an Hessenmobil erteilt worden.Und so stand am Ende der zweieinhalbjährigen Untersuchung ein Zusatzvermerk für den Beschlussvorschlag, der am Montag im Kreistag vorgelegt wird: Neben der Kenntnisnahme stellt der Haupt- und Finanzausschuss darin nun klar und deutlich fest: „Es gibt derzeit keinen Handlungsbedarf.“

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