„Lokale Strategien entwickeln“ 

Kreistag beschließt: Waldeck-Frankenberg bekommt Klimaschutzkonzept

Vorboten des Klimawandels? Das heftige Unwetter im Juni traf auch Nordwaldeck. In Kohlgrund waren auch die Schlagmühle und der Krugweg betroffen, eine Schlammlawine ergoss sich über Grundstücke.
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Vorboten des Klimawandels? In Kohlgrund schwappte im Juni eine Schlammlawine über das Areal der Schlagmühle. Das heftige Unwetter im Juli folgte und traf auch Nordwaldeck, wieder war das Dorf mit betroffen.

Auch in Waldeck-Frankenberg soll ein „Konzept für den Interkommunalen Klimaschutz“ aufgestellt werden. Das beschloss der Kreistag am Montag in Rhoden mit klarer Mehrheit.

Waldeck-Frankenberg – Damit verbunden ist der Beitritt des Landkreises zum Bündnis „Hessen aktiv – die Klima-Kommunen“  des hessischen Umweltministeriums. Die Mitglieder erhalten eine erhöhte Förderung, Beratung, Unterstützung und Wissen, durch die Vernetzung untereinander können sie Erfahrungen besser austauschen.

Elf Punkte der Grünen gebilligt

Außerdem billigten die Abgeordneten einen Antrag der Grünen mit elf konkreten Forderungen für mehr Klimaschutz. Vor der Umsetzung müssten jedoch die Kosten ermittelt und die Projekte separat vom Kreistag beschlossen werden, forderten die Freien Wähler – auch dieser Antrag fand breite Zustimmung. Über die Umsetzung solle der Kreisausschuss jedes Jahr im Kreistag berichten.

„Klimateam“ der Kreisverwaltung gebildet

„Es ist fünf vor zwölf“, warnt das „Klimateam“ der Kreisverwaltung, die Klimakrise sei „eine gegenwärtige Bedrohung für die Menschheit“. Bereits im Dezember 2019 hatte es Landrat Dr. Reinhard Kubat gebildet, es besteht aus der Biologin Tanja Müller vom Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung, der Leiterin des Geoparks, Kim Peis, und dem Energiemanager Nico Wirth vom Fachdienst Gebäudewirtschaft.

Das Team hat dem Kreistag eine „Projektskizze“ vorgelegt, die den Weg zum Klimaschutzkonzept und die Umsetzung beschreibt. Bis 2035 sind drei Phasen vorgesehen.

Konzept bis 2024 aufstellen

 Nach dem Beschluss des Kreistages startet die erste Projektphase „Konzeption“, in der bis Februar 2024 das „Konzept für den Interkommunalen Klimaschutz“ aufgestellt wird, dann geht es an die Umsetzung. Dass Konzept dient als Planungsgrundlage für die Zeit bis 2035.

Mit dem Konzept sollen die weltweiten Klimaziele lokal umgesetzt werden. Dabei gehe es um einen „grundlegenden, systemischen Pfadwandel der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung“, schreibt das „Klimateam“. Außerdem sollen im Kreis Strukturen geschaffen werden, um den Wandel im Kreis und in den Kommunen anzustoßen und zu begleiten.

Breites Bekenntnis zu Klimaschutz

In einer ausführlichen Diskussion bekannten sich die Fraktionen der CDU, SPD, Freien Wähler und der Grünen zum Klimaschutz – lediglich die AfD lehnte alle drei Anträge ab. Klimaschutz sei unmöglich, denn Klima sei ja nur „das Wetter über einen längeren Zeitraum“, befand Haloka Dippel. Auch der Ausstoß von Kohlendioxyd stellt für ihn kein Problem dar – trotz der klaren Antworten der Kreisverwaltung auf eine „große Anfrage“ der AfD zum Klimaschutz.

„Ihre Sichtweise kann ich nicht nachvollziehen“, erwiderte FWG-Sprecher Heinfried Horsel – und erntete großen Applaus. Auch CDU-Fraktionschef Timo Hartmann forderte, statt auf Ideologie auf den „gesunden Menschenverstand“ zu setzen und Projekte zum Klimaschutz umzusetzen, wo es sinnvoll sei.

In der teils erregt geführten Debatte schlug auch immer wieder der Bundestags- und der Landrats-Wahlkampf durch. So lieferten sich der Grüne Daniel May und Landrat Dr. Kubat einen Schlagabtausch.

In seine Ausschüsse verwies der Kreistag einen Antrag der Grünen, künftig allen Entscheidungen einen „Klimacheck“ voranzustellen. 

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