Waldeck-Frankenberg

Kubat: „Käßmann für Köhler!“

Köhler

- Waldeck-Frankenberg (tk/nv). Bundespräsident Horst Köhler ist überraschend zurückgetreten. Biathlon-Olympiasiegerin Petra Behle, Landrat Dr. Reinhard Kubat und Trainingscamp-Betreiber Lothar Kannenberg haben das Staatsoberhaupt persönlich kennengelernt. Sie bedauern seine Entscheidung.

„Geschockt und traurig“ zeigte sich Boxcamp-Betreiber Lothar Kannenberg über die Nachricht von Köhlers Rücktritt, die ihn in Spanien erreichte. Der Bundespräsident sei mit seinen von ihm selbst als „missverständlich“ bezeichneten Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr „in einen Strudel hineingeraten“, kommentierte der ehemalige Schwergewichts-Hessenmeister (1990), dem für seine Bemühungen um die Resozialisierung straffällig gewordener, gewaltbereiter Jugendlicher im August 2005 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Kannenbergs Beziehung zum bisherigen Staatsoberhaupt begann im September 2004. „Sie sind ein Vorbild“, zeigte sich Köhler beim Besuch des Kasseler Trainingscamps schwer beeindruckt von Kannenbergs Initiative. „Ich kann mir keinen besseren Bundespräsidenten vorstellen als ihn“, so Kannenberg gegenüber der WLZ-FZ. Menschlichkeit und Toleranz hätten Köhler ausgezeichnet. Der Erfinder des Jugendhilfe-Konzepts „Durchboxen im Leben“ vermutet hinter Köhlers Rücktritt aber mehr Gründe als den in der offiziellen Erklärung angegebenen. „Viele sind ihn doch in letzter Zeit sehr angegangen. Da hat er eben jetzt den Schlussstrich gezogen“, zeigt Kannenberg Verständnis. Köhlers Entscheidung, das Handtuch zu werfen, sei symptomatisch für das „was gerade in Berlin passiert. Und das tut uns nicht gut.“ Kannenberg, der sich zurzeit mit einer Jugendgruppe an der Costa Brava aufhält, will Köhler auf jeden Fall auch noch einmal persönlich sein Bedauern, aber vor allem seinen Respekt zum Ausdruck bringen. „Ich bedauere den Rücktritt sehr. Es tut mir persönlich sehr leid“, teilte Landrat Dr. Reinhard Kubat auf Anfrage unserer Zeitung mit. Er sei ihm bei Jury-Sitzungen im Bundeswettbewerb „Unser Dorf“ drei Mal persönlich begegnet und habe ihn als „offenen, aufrichtigen und ehrlichen Politiker“ kennengelernt. Mit Blick auf diese Eigenschaften käme für Kubat auch nur eine Nachfolgerin in Frage: die nach einer Alkoholfahrt im Februar als hannoversche Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD) in Deutschland zurückgetretene Margot Käßmann. „Ich bin geschockt, gerade weil ich das große Glück hatte, Horst Köhler persönlich kennenlernen zu dürfen“, betont Biathlon-Olympiasiegerin Petra Behle. Die ehemalige Athletin des Ski-Clubs Willingen erfuhr bei einem Besuch in Korbach vom Rücktritt des Bundespräsidenten. Behle, die heute in Biebertal zu Hause ist, lernte Köhler über ihr Engagement bei der „Tour der Hoffnung“ kennen. Bei der von Behle mit organisierten Radtour zugunsten krebskranker Kinder hatte der Bundespräsident 2009 während des Prologs in Gießen selbst in die Pedale getreten. Darüber hinaus hatte er das Organisationsteam bereits Ende 2008 zu einem Empfang ins Berliner Schloss Bellevue eingeladen. „Beide Begegnungen haben mich fasziniert“, berichtet Petra Behle, „weil Köhler die Fähigkeit besitzt, Nähe und Menschlichkeit zu vermitteln“. „Unabhängig von den Äußerungen, die der Bundespräsident getätigt hat, verunsichert es mich, dass alle Politiker, die ich als fähig und tolle Persönlichkeiten schätze, sich zurückziehen.“ Sie frage sich, wann das ganze System zusammenbreche. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen um ihren Arbeitsplatz bangten und verunsichert seien, sei es bedenklich, wenn eine Führungspersönlichkeit nach der anderen gehe, hebt die Sportmanagerin hervor. Opposition dürfe sich nicht darauf beschränken, auf die nächste Gelegenheit zu warten, sich „gegenseitig zu zerhacken“, warnt sie.

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