Waldeck-Frankenberg

Kubat: „Mein erster Weg führt nach Bühle“

- Waldeck-Frankenberg (lb). Parteigrenzen überwinden, ohne sich zu verbiegen: Der künftige Landrat Dr. Reinhard Kubat hat sich große Ziele für seine Amtszeit gesetzt. Die soll von einer „Kultur des Miteinanders“ geprägt sein.

Bühle ist Dr. Reinhard Kubats Waterloo: Eine magere einzige Stimme hat er in dem Bad Arolser Stadtteil geholt – zugegeben: bei insgesamt 26 Wählern ein verkraftbares Wahldebakel. Dafür kommen die Bühler jetzt als Erste im Landkreis in den Genuss eines Besuchs des designierten Kreischefs. „Ich werde einen Termin mit dem Ortsvorsteher vereinbaren und mich den Bürgern vorstellen“, beschließt Kubat spontan in seinem Frankenauer Büro.

Mit allen Seiten reden, auch auf die zugehen, die seine Kandidatur nicht unterstützt haben, das ist sein erklärtes Ziel. Eine „Kultur des Miteinanders“ soll die Ära Kubat im Kreishaus kennzeichnen. Hehre Ziele: Denn im nicht gerade von Harmonie geprägten Kreistag warten auf der einen Seite CDU, FDP und FWG, auf der anderen SPD und Grüne auf ihn. Die einen hätten lieber einen anderen Landrat auf dem Chefsessel im Kreishaus gesehen, die anderen erliegen möglicherweise der Verlockung, den von ihnen aufgebauten Landrat zu instrumentalisieren. Ob er nicht Angst habe, zwischen den politischen Fronten zerrieben zu werden. „Das wird im Einzelfall so sein“, gibt Kubat freimütig zu. Doch bei den großen, wichtigen Inhalten wolle er sich nicht verbiegen: „Ich werde nicht versuchen, es allen recht zu machen. Wenn es Dissens gibt, dann ist es einfach so.“

Die großen Inhalte, dazu gehört für ihn, den ländlichen Raum zu stärken, Wachstumschancen im Tourismus zu nutzen, viel in Bildung zu investieren, mehr für die Kultur zu tun. Ein großes Manko des Kreises sei, dass viele junge Menschen zur Ausbildung und zum Studium weggingen und nicht wiederkämen. „Wir müssen ihnen Arbeitsplätze bieten, sodass es sie wieder zurück nach Wal­deck-Frankenberg zieht“, sagt Kubat. Großen Nachholbedarf habe der Landkreis auch, wenn es darum gehe, dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen. Auf der Guthabenseite Wal­deck-Frankenbergs sieht der künftige Landrat die Landschaft und die Natur: „Deshalb sind wir auch eine starke touristische Hochburg in Hessen“, sagt er. Schließlich bildeten mittelständische Betriebe das Rückgrat der heimischen Wirtschaft: Deren Infrastruktur sei reichhaltig und basiere nicht nur auf großen Konzernen: „Deshalb ist der Landkreis auch vergleichsweise krisenfest. Ein Beleg dafür sind die niedrigen Arbeitslosenzahlen“, führt Kubat ins Feld. Doch vor allem im sozialen Bereich liege viel Arbeit vor ihm: „Viele Menschen haben mir mit auf den Weg gegeben: Vergessen Sie die kleinen Leute nicht.“

Erstaunlicherweise habe er sich beim Thema Verkehrsinfrastruktur bislang keine blutige Nase bei den Unternehmern geholt, wundert sich der Kommunalpolitiker. Denn für den von der Wirtschaft geforderten Bau einer Fernstraße Kreuztal– Hattenbach sieht Kubat wenig Raum. Stattdessen halte er den Bau von Umgehungsstraßen für vordringlich. „Dazu gehört auch der dreispurige Ausbau der B 253“, sagt der designierte Landrat. Übel haben ihm die Firmenchefs das offenbar noch nicht genommen: „Klare Position für oder gegen etwas zu beziehen, kann nicht verkehrt sein“, erklärt er sich das.

Zieht mit Kubat nun ein politischer Landrat oder ein reiner Verwalter ins Kreishaus ein? „Ich glaube, ich bin ein dritter Typ“, lacht Kubat. Er sei kein gelernter Verwaltungsmensch, sondern ein Quereinsteiger, sagt der promovierte Biologe. Viele Leute hätten ihm aber auch gesagt, dass er nicht dem typischen Politiker entspreche. Trotzdem mache er kein Hehl daraus, welchem politischen Lager er nahestehe. Schließlich sei seine Kandidatur von SPD und Grünen unterstützt worden.

Auf Eichenlaubs Bürosessel hat er noch nicht Probe gesessen. Doch erste Termine mit seinem Amtsvorgänger stehen in den nächsten Tagen an. Knapp ein halbes Jahr hat Kubat nun Zeit, um sich auf den Wechsel vom Frankenauer Rathaus ins Kreishaus vorzubereiten. Als Erstes will er aber die Bühler überzeugen, dass er auch ihr Landrat sein kann.

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