Hessencampus Waldeck-Frankenberg geht von Projektphase in Regelbetrieb über

Land verlagert Kosten in die Region

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Kultusministerin Dorothea Henzler und Landrat Dr. Reinhard Kubat unterzeichnen den Kooperationsvertrag für den Hessencampus Waldeck-Frankenberg. Foto: Lutz Benseler

Waldeck-Frankenberg - Das versteht das Land Hessen unter Kooperation: Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) verlagert die Kosten für den Hessencampus in die Region.

Der Hessencampus Waldeck-Frankenberg geht nach fünf Jahren von der Projektphase in den Regelbetrieb über. Kultusministerin Dorothea Henzler, Kreisbeigeordnete Hannelore Behle und Landrat Dr. Reinhardt Kubat unterzeichneten am Dienstag im Kreishaus einen entsprechenden Kooperationsvertrag. Der Landkreis und die Beruflichen Schulen übernehmen damit künftig größere – finanzielle – Verantwortung.

Mit Nachgeschmack

Was die Beteiligten wie einen großen Erfolg feierten, hat für die Region einen Nachgeschmack. Denn mit der Vereinbarung wird auch die Finanzierung auf neue Beine gestellt:

Die Geschäftsführung des Hessencampus Waldeck-Frankenberg ist künftig beim Fachdienst Schulen und Bildung des Landkreises angesiedelt. Das lässt sich der Kreis jährlich 30?000 Euro kosten. Das Land Hessen übernimmt die Kosten für die pädagogische Koordination – was in der Praxis bedeutet, dass die Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen sowie die Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg jeweils 25?000 Euro – das entspricht je einer halben Lehrerstelle – aus ihrem Schulbudget abzwacken. Damit verdoppeln die beiden Schulen die Mindestvorgabe des Landes – als klares Bekenntnis zum Hessencampus. Förderung abgeschmolzen

Untern Strich zieht sich das Land Hessen damit weiter aus dem von Roland Koch angestoßenem Projekt zurück. Schon in den vergangenen Jahren wurde die finanzielle Unterstützung aus Wiesbaden stark abgeschmolzen: Während in der Startphase vom Kultusministerium jährlich 200?000 Euro in Aussicht gestellt wurden, ging die Förderung ab 2010 auf zuletzt etwa 70?000 Euro zurück. Insgesamt hat das Land in den vergangenen fünf Jahren rund 700 000 Euro nach Waldeck-Frankenberg überwiesen. Seit 2007 hat sich der „Hessencampus“ im Landkreis formiert. Unter Regie der Kreishandwerkerschaft knüpften Berufsschulen, Kreisvolkshochschule, Staatliches Schulamt und Landkreis ein engeres Netzwerk. Anfang 2010 übernahm das Projektbüro „Bioline“ in Lichtenfels die Koordination. Jetzt wird Fachdienstleiter Friedhelm Pfuhl die Geschäfte führen.

In erster Linie geht es beim Hessencampus Waldeck-Frankenberg darum, bestehende Bildungsangebote im Landkreis bündeln, und auch neue zu schaffen – und zwar da, wo privatwirtschaftliche Anbieter Nischen lassen.

Ergebnisse positiv

Gute Ergebnisse hat der Hessencampus beispielsweise in der Beratung von Auszubildenden: Viele Ausbildungsabbrüche wurden in den vergangenen Jahren verhindert – oder neue Plätze vermittelt. Schulung von speziellen Bildungsberatern, Studien, Regionalkonferenzen und eine Vortragsreihe gehören ebenfalls zur Arbeit des Hessencampus. Bereits realisiert ist außerdem eine Infrastruktur-Datenbank, die Synergien bei der gemeinsamen Nutzung von Räumen verbessern soll. Vier sogenannte Bildungsbüros in Korbach, Bad Arolsen, Bad Wildungen und Frankenberg sind Anlaufstellen für Menschen, die sich weiterqualifizieren wollen, aber nicht genau wissen, wie und wo.

Das Bildungsangebot sei in Waldeck-Frankenberg ein unverzichtbarer Standortfaktor zum Fortbestand und zur Weiterentwicklung der Region, sagte Landrat Kubat. „Der Hessencampus soll auch künftig dazu beitragen. Henzler überreichte im Anschluss an die Unterzeichnung jeweils 2000 Euro an die Hans-Viessmann-Schule zum Ausbau der Bibliothek und Mediathek und an die Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen für die Anschaffung von sechs Dokumentenkameras. (lb)

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