Fachkräftemangel: DGB-Bezirksvorsitzender Körzell wirbt für tariftreue Firmen

Landkreis braucht hohe Löhne

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DGB-Neujahrsempfang im Nationalpark-Zentrum in Herzhausen (v.l.): Bezirksvorsitzender Stefan Körzell, Landrat Dr. Reinhard Kubat und DGB-Kreisvorsitzender Manfred Abt.

Waldeck-Frankenberg - Niedriglöhne und tariflose Zustände verschärfen den Fachkräftemangel auch in Waldeck-Frankenberg – davon jedenfalls ist DGB-Bezirksvorsitzender Stefan Körzell überzeugt.

„2013 muss die Arbeitswelt neu geordnet werden“, postulierte Stefan Körzell. Der Vorsitzende des Bezirks Hessen-Thüringen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) setzte sich beim Neujahrsempfang des DGB-Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg am Dienstag im Nationalpark-Zentrum für Tarifbindung und Mindestlöhne ein.

Standortfaktor Lohn

Denn zunehmend wird es zum Standortfaktor, wie viel Arbeitnehmer in ihrer Lohntüte haben, sagte Körzell und zitierte eine Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel aus dem vergangenen Jahr. Sie hat ergeben: Das Lohnniveau im Landkreis Waldeck-Frankenberg liegt mehr als 5000 Euro unter dem Landesdurchschnitt von 38?800 Euro im Jahr. Besonders niedrige Löhne zahlen die Branchen Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Bau und Industrie – ein „attraktives Lohnniveau“ urteilt die IHK.

Fachkräfte wandern ab In der gleichen Studie beklagt die Kammer schlechte Perspektiven, was die Versorgung mit Fachkräften betrifft. Körzell wundert das kaum: „Niedrige Löhne sind mit ein Grund, warum Arbeitnehmer eine Region verlassen“, sagte der Gewerkschafter. Insbesondere dort, wo prekäre Arbeitsverhältnisse herrschten, fehlten Fachkräfte und seien die Abbrecherzahlen bei den Auszubildenden hoch, so Körzell. In Waldeck-Frankenberg beendeten insbesondere im Hotel- und Gastgewerbe viele Lehrlinge ihre Ausbildung ohne Abschluss.

„Der Tarifvertrag ist der beste Schutz“, warb Körzell und hob hervor, dass bereits mehrere Unternehmen in Waldeck-Frankenberg und auch das Kreiskrankenhaus in Frankenberg in den Tarif zurückkehren. „Das ist ein toller Erfolg, vor allem für die Beschäftigten“, so der DGB-Bezirksvorsitzende. „Arm trotz Arbeit“ bleibe aber grundsätzlich ein Problem: Körzell nannte die Zahl von rund 78?000 Aufstockern in Hessen, deren Gehalt nicht ausreiche, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie beziehen zusätzlich Sozialleistungen.

„Der Staat stockt Dumpinglöhne auf. Das muss aufhören“, so der Gewerkschafter. Der DGB setzte sich deshalb für einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro die Stunde, gleiche Bezahlung in der Leiharbeit und Regelungen gegen den Missbrauch von Werkverträgen ein. Körzell forderte außerdem ein hessisches Tariftreue- und Vergabegesetz mit Unternehmerhaftung. Öffentliche Aufträge sollten nur noch an tariftreue Unternehmen vergeben werden. Diese müssten die Einhaltung von allgemeinverbindlichen Tarifverträgen und branchenbezogenen tariflichen Mindestlöhnen bei Angebotsabgabe garantieren. Die Regelung müsse sich auch auf Nachunternehmer und Leiharbeiter erstrecken.

Den Entwurf eines entsprechenden Gesetzes, den CDU und FDP im November vorgestellt hatten, bezeichnete er als eine „Enttäuschung“. Wahlthema Lohndumping Körzell kündigte an, im anstehenden Landtagswahlkampf das Thema Lohndumping und Niedriglohnsektor zu einem Schwerpunkt zu machen und ein hessisches Tariftreuegesetz zu einer zentralen Forderung zu erheben. „Das ist uns eine Herzensangelegenheit“, so der Bezirksvorsitzende. DGB-Kreisvorsitzender Manfred Abt hatte eingangs die Gäste aus Gewerkschaften, Politik, Wirtschaft und Behörden im Nationalpark-Zentrum zum traditionellen Neujahrsempfang des Kreisverbandes begrüßt.

Landrat Dr. Reinhard Kubat wies in seinem Grußwort auf das Problem der Armut im Landkreis hin. Insbesondere Kinder aus sozial schwachen Familien müssten gefördert werden, damit „sie nicht dasselbe erleben wie ihre Eltern“. Positiv stelle sich der Arbeitsmarkt im Landkreis dar, der sich im Vergleich zu vielen anderen hessischen Landkreisen gut entwickelt habe, so der Landrat. „Wir haben in Wal­deck-Frankenberg einen gefestigten Wirtschaftsraum“, sagte Kubat. (lb)

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