Müll geht direkt in Kraftwerke

Landkreis will Kosten sparen: Abfall wird nicht mehr vorsortiert

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Hier wird künftig der Abfall aus Waldeck-Frankenberg verbrannt: Das Industrieheizkraftwerk der EEW Energy from Waste in Heringen-Werra.

Rund 28.500 Tonnen Abfall pro Jahr aus Waldeck-Frankenberg werden künftig in einem Heizkraftwerk in Heringen-Werra verbrannt. Die Vorsortierung auf der Deponie in Flechtdorf entfällt ab Juni 2020. Damit will der Landkreis Kosten senken.

Waldeck-Frankenberg – Unklar ist, was mit den Arbeitern in Flechtdorf passiert. Aktuell sind noch insgesamt fünf Mitarbeiter im Sortierbetrieb beschäftigt. „Vier Mitarbeiter arbeiten an der Anlage in Flechtdorf, zuzüglich ist mindestens eine weitere Vollzeitstelle für Betriebsleitung und Buchhaltung da“, erklärt Marcell Wiese, Geschäftsführer der EWG Entsorgung Waldeck-Frankenberg. Das gemeinsame Tochterunternehmen der Recyclingfirmen Stratmann (Bestwig) und Fehr (Kassel) ist vom Landkreis mit der Vorsortierung beauftragt.

Mit dem Wegfall des Sortiervertrages ab 1. Juni 2020 wird die komplette Sortierkapazität der Aufbereitungsanlage frei. „Inwieweit diese Kapazität dann für die Aufbereitung anderer Abfälle genutzt werden kann, wird von uns schon seit geraumer Zeit geprüft“, sagt Wiese.

Laut Landkreis werden künftig im Kraftwerk der EEW Energy from Waste in Heringen-Werra Metalle mindestens in gleicher Größenordnung wie bisher in Flechtdorf erfasst und recycelt – allerdings nicht mehr vor, sondern erst nach der Verbrennung bei der anschließenden Schlacke- und Filterstaubaufbereitung. Die im Kraftwerk erzeugte Energie wird im benachbarten Kaliwerk von K&S eingesetzt. Der Abfall aus Waldeck-Frankenberg werde auch nicht mehr wie bisher auf mehrere Kraftwerke in Deutschland verteilt, was klimatechnisch „eine echte Verbesserung“ darstelle, so eine Kreissprecherin.

Im vergangenen Jahr hat der Landkreis für die Restabfallbehandlung insgesamt rund vier Millionen Euro bezahlt. Durch den Vertrag mit Energy from Waste sollen sich die Kosten deutlich senken. Genaue Zahlen nennt der Kreis aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht, fest stehe, dass die Kosten für die Abfallbehandlung in Heringen in den nächsten zehn Jahren günstiger seien als bisher und auch deutlich günstiger, als wenn die Entsorgung in Flechtdorf fortgeführt würde. 

Rund 28.500 Tonnen Abfall aus Waldeck-Frankenberg sind auf der Deponie in Flechtdorf im vergangenen Jahr vorsortiert worden.Das teilt der Landkreis auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Davon wurden rund 950 Tonnen Metalle abgeschieden, das entspricht etwa drei Prozent des Volumens. Zur Verbrennung in die Kraftwerke gingen anschließend rund 25 000 Tonnen, das entspricht 89 Prozent. Übrig blieben rund 2400 Tonnen Schlacke und Stäube (rund acht Prozent).

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