Studie zur Kaufkraft: Waldeck-Frankenberger bekommen mehr für ihr Geld als Großstädter

Landluft macht reich

Waldeck-Frankenberg. - Was können sich die Waldeck-Frankenberger für ihr Geld leisten? Mehr jedenfalls als in Großstädten. Denn die Kaufkraft im Landkreis ist höher, weil die Preise niedriger sind. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Wirtschaft in Köln.

Als einkommensarm gilt, wer nicht mehr als 870 Euro im Monat zur Verfügung hat – 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens. Dabei braucht ein Münchner Single 1030 Euro, um sich genauso viel leisten zu können wie ein durchschnittlicher deutscher Bürger, weil die Preise, vor allem die Mieten, in der bayrischen Hauptstadt höher sind.

Um diese Unterschiede zu berücksichtigen, haben die Ökonomen Christoph Schröder und Klaus-Heiner Röhl vom arbeitgebernahen Institut für Wirtschaft (IW) in Köln nun erstmals die Einkommen in verschiedenen Regionen Deutschlands mit den jeweiligen Preisniveaus verglichen, um so die sogenannte relative Kaufkraft­armut zu ermitteln. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie: das Stadt-Land-Gefälle ist noch stärker als vermutet. In ländlichen Regionen sind im Schnitt nur knapp 14 Prozent der Bevölkerung kaufkraftarm, in den Städten aber 22 Prozent. Besonders schlecht schneidet Köln mit mehr als 26 Prozent ab. In der Region um Waldeck-Frankenberg liegt die relative Kaufkraftarmut mit 13,4 Prozent unter der nach altem Modell errechneten Einkommensarmut (15,3 Prozent). Nach der Definition des IW fallen damit weniger Menschen unter die Armutsgrenze. In Großstädten ist das Verhältnis genau umgekehrt, im Beispiel Köln liegt die Einkommensarmut bei nur 20,4 Prozent, die Zahl der Kaufkraftarmen ist höher. Die Einkommensschere zwischen Stadt und Land geht noch weiter auf. Unterm Strich bedeutet das für den Landkreis: Die Menschen hier können sich von ihrem Gehalt mehr leisten, die Kaufkraft ist höher und das Risiko, in Armut abzurutschen, ist geringer als in Großstädten. Auch im Vergleich mit anderen ländlichen Regionen schneidet der Kreis leicht besser als der Durchschnitt ab. Spitzenreiter in Deutschland aber ist die Region rund um Augsburg, hier sind nur 8,3 Prozent der Bevölkerung kaufkraftarm. Trotzdem: Auch nach der neuen Definition kommt fast jeder achte Wal­deck-Frankenberger finanziell nur mühsam über die Runden. Besonders betroffen sind deutschlandweit die gleichen Gruppen: Knapp die Hälfte der Personen, in deren Haushalt mindestens ein Arbeitsloser lebt, knapp ein Drittel der Alleinerziehenden sowie rund ein Viertel der Alleinstehenden und der Menschen mit Migrationshintergrund gelten laut IW als kaufkraftarm.Als Konsequenz fordern die Forscher eine Verringerung der Arbeitslosigkeit, eine verbesserte Kinderbetreuung und gezielte Sprachförderung für Migranten. Außerdem müsse sich die regionalpolitische Förderung stärker auf die Großstädte konzentrieren.

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