Beiträge zum Thema erscheinen als Serie in der WLZ

Landrat Dr. Reinhard Kubat will „Bewusstsein fürs Wasser schaffen“

Der weit geleerte Edersee mit der Talsperre links. Vorn: Schloss Waldeck
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Folgen der anhaltenden Trockenheit: Der Edersee leert sich wegen der Wasserabgaben an die Weser in jedem Sommer – bis der Mindestpegelstand erreicht ist und keine weiteren „Wellen“ mehr möglich sind.

Mit einer Informationsreihe will der Waldeck-Frankenberger Landrat Dr. Kubat „Bewusstsein fürs Wasser schaffen“. Anlass sind die schon erkennbaren Folgen von Klimawandel und Dürre.

  • Dürreschäden sorgen schon jetzt für wirtschaftliche Schäden im Kreis.
  • Die Serie in der WLZ soll informieren und zum Nachdenken bewegen, wofür Wasser genutzt - oder auch verschwendet - wird.
  • Es gibt Tipps zum Wassersparen.

Korbach – Vom Borkenkäfer getötete Fichten, angegriffene Buchen, kranke Eichen, dürre Wiesen, weniger Ertrag auf den Feldern, Fischsterben im abgelassenen Edersee, Tausendfaches Muschelsterben in einer trocken gefallenen Kolonie am Ufer des Diemelsees, versiegende Brunnen, steigende Waldbrandgefahr – die Schlagzeilen aus den Sommermonaten haben den Kreis alarmiert.

Es gab zu wenig Regen und zu lange Zeiten der Dürre – so wird das „Elexier des Lebens“ immer knapper: das Wasser. Landrat Dr. Reinhard Kubat will deshalb die Waldeck-Frankenberger einspannen: „Wir müssen ein Bewusstsein für die Bedeutung des Wassers schaffen“, forderte der studierte Biologe bei einer Videokonferenz im Kreishaus.

Breit gefasstes Thema

Verschiedene Aspekte rund ums Wasser sollen deshalb in einer Reihe von Beiträgen beleuchtet werden, die in der WLZ veröffentlicht werden. „Wir erhoffen uns eine engagierte Diskussion in der Öffentlichkeit.“

Die vorigen drei Sommer mit ihren Hitzewellen seien so noch nicht dagewesen, bilanzierte Dr. Kubat. Die Folgen der anhaltenden Trockenheit seien überall zu sehen. Auch die wirtschaftlichen Folgen seien enorm. Das Absterben der Wälder habe verheerende Auswirkungen, Waldbesitzern wie der Waldeckischen Domanialverwaltung drohten Millionen Verluste. Dies sei dem Klima- und Wettergeschehen geschuldet, erklärte er. Auch für die Fachbehörden der Kreisverwaltung stellten sich angesichts der Lage viele Fragen:

  • Wie lassen sich die Wälder in den nächsten Jahrzehnten wieder aufbauen?
  • Wie lässt sich das Grundwasser und das Wasser in Seen, Flüssen und Bächen sauber halten, um die Versorgung im Kreis dauerhaft zu gewährleisten?
  • Was lässt sich tun für den Erhalt der unverzichtbaren Wasserressourcen?
  • Und welchen Beitrag können die Einwohner des Kreises von Verbauchern bis Landwirten leisten, um Wasser zu sparen und das Grundwasser zu schonen?

 „Virtuelles Wasser“ mit berücksichtigen

Wichtig ist auch die Berücksichtigung des „virtuellen Wassers“, wie es der britsche Forscher John Anthony Allen 1995 genannt hat. Dabei würden die Wassermengen berechnet, die für die Herstellung eines Produkts benötigt würden, erklärte Tanja Müller, die im Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung auch für „Klima und Energie“ zuständig ist.

So seien für ein einziges Frühstücksei schion 200 Liter Wasser erforderlich, für ein Kilo Rindfleisch sogar 15 500 Liter. Aber auch eine Jeans oder Autos seien nicht ohne Wassereinsatz zu produzieren, erklärt sie.

Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Trockenheit müsse die Bedeutung der Ressource Wasser ins Bewusstsein rücken, sagte Müller. Alle Verbraucher sollten sich deshalb Gedanken machen, wie sie Wasser sparen können.

Warum es im Kreis so eine große Vielfalt an Mineralien im Wasser und unterschiedliche Härtegrade gibt, weiß die Leiterin des Projektbüros Geopark, Kim Theresa Peis: Die Antwort liege in der Erdgeschichte, sagt sie – vor Millionen von Jahren war das Kreisgebiet von Meerwasser bedeckt, das prägt die Geologie und Hydrologie bis heute. So finden sich je nach Ablagerungen am damaligen Meeresboden heute verschiedene Minteralien im Wasser.

Viele lokale Wasserversorger im Kreis

Jörg Bettelhäuser vom Gesundheitsamt kümmert sich darum, dass beim Trinkwasser die strengen gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden – Trinkwasser aus der Leitung ist teils sauberer als Mineralwasser aus der Plastikflasche.

Besonderheit im Kreis seien die vielen, meist lokalen Versorger, mehr als 20 seien es. Sie betrieben viele kleine Brunnen und Quellen, berichtet Bettelhäuser. Vorteile: kurze Wege und eine große geologisch bedingte Wasservielfalt – von der gerade die Volkmarser und die Bad Wildungen mit ihren Heilquellen profitierten.

Belastung vermeiden

Manfred Emde von der unteren Wasserbehörde ist ebenfalls für eine gute Wasserqualität zuständig. Er blickt auch auf die Abwässer und auf die Belastung von Seen und Bäche, etwa mit Nitraten und Phosphaten. Aber er überwacht auch Brunnen, die Landwirte nutzen, um ihr Vieh zu tränken. Wichtig für unbelastetes, reines Trinkwassers sind die Zonen rund um die Wasserschutzgebiete. Je näher sie einer Quelle kommen, desto höhere Sicherheitsvorkehrungen gibt.

Der Landrat warf weitere Fragen auf: „Wem gehört das Wasser?“ Sollte es in der öffentlichen Hand bleiben? „Wie lassen sich die Nitratwerte im Griff halten?“ Auch mit Blick auf Gülle-Importe in den Kreis.

Diskussion erwünscht

„Ich möchte mit einigen Beiträgen über das Wasser, seine Herkunft, seine Bedeutung, seinen Schutz und seine verantwortungsvolle Nutzung die Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken, das einmal bedeutender, existenzieller und gefährlicher werden könnte als der Wettbewerb um Energieressourcen“, sagte Dr. Kubat. „Wir wollen dazu eine Aussprache. Den Anstoß dazu wollen wir mit der Serie geben.“ (-sg-)

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