Landrat reagiert auf Kritik der Elterninitiative Pro Grundschule Waldeck

Kubat: Im Interesse der Schüler gehandelt

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Wirbel um die Grundschule in Waldeck: Seit diesem Sommer ist sie geschlossen.

Waldeck-Frankenberg. Landrat Dr. Reinhard Kubat hat am Donnerstag in der Sitzung des Kreistags die Vorwürfe der Elterninitiative Pro Grundschule Waldeck deutlich zurückgewiesen. Diese hatte ihn wegen des vom Landkreis Waldeck-Frankenberg geplanten Neubaus der Grundschule in Sachsenhausen und wegen der Schließung der Grundschule in Waldeck heftig kritisiert (wir berichteten).

Kubat erklärte, warum der Kreisausschuss seinerzeit die Schließung beschlossen habe und wies auf die Notwendigkeit des Neubaus in Sachsenhausen hin. Er sendete zudem klare Worte in Richtung der Initiative. Er betonte unter anderem, dass dort Interessen einiger weniger Eltern auf dem Rücken der Kinder ausgetragen würden. 

„Unmittelbar nach Pfingsten war an der Grundschule Waldeck eine ganz prekäre Situation eingetreten“, begann Kubat seine Ausführungen. „Es lagen neun Gestattungsanträge beim Staatlichen Schulamt mit dem Begehren der Beschulung an der Gesamtschule Edertal vor. Bis dahin war die Grundschule Waldeck komplett außerhalb jedweder Diskussion und es hätten sogar zwei Klassen gebildet werden können.“

Am Stichtag 24 Schüler

Er habe wegen der neuen Situation an einem Elternabend in der Grundschule Waldeck teilgenommen, um mit den Eltern der Kinder ins Gespräch zu kommen. Kubat: „Zum Stichtag 10. Juli 2017 lag die Schülerzahl in Waldeck für das kommende Schuljahr jahrgangsübergreifend für die Klassen 1 bis 4 aber bei 24 Schülern.“ Laut Schulentwicklungsplan seien 26 nötig gewesen, um nach Vorgabe des Ministeriums eine sinnvolle Bildungs- und Erziehungsarbeit zu ermöglichen. „Daher haben wir uns, gerade im Interesse der Waldecker Grundschüler, für die Schließung des Standorts und die Verlagerung des Schulbetriebs nach Sachsenhausen entscheiden müssen, was sich der Kreisausschuss alles andere als leicht gemacht hat.“ Zur Ausschusssitzung am 18. Juli seien Schulamt und Schulamtsdirektorin in die Beratung einbezogen worden. Kubat: „Uns war bewusst, dass der Fortbestand einer einzigen Klasse in Waldeck zu einer bestenfalls um einige Stunden pro Woche erhöhten Lehrerzuweisung geführt hätte. Das konnten und wollten wir weder der verbleibenden Lehrkraft noch den Kindern zumuten.“

Landrat Dr. Reinhard Kubat


Entscheidungen rechtens

Das Kultusministerium habe festgestellt, dass diese Entscheidung im Einklang mit geltendem Recht stehe. Gleiches gelte für die Stichtagsregelung. Kubat: „Hier hatte die Elterninitiative den Einwand vorgebracht, dass die Schülerzahl am Stichtag zwar die erforderliche Norm unterschritten habe, sie aber bis Schuljahresbeginn wieder deutlich darüber liegen werde.“ Das Regierungspräsidum (RP) habe darauf hingewiesen, dass prognostizierte Schülerzahlen mit Unwägbarkeiten verbunden seien und daher die Festsetzung eines Stichtages vier Wochen vor Schulbeginn nicht beanstandet werden könne.

Sowohl RP als auch das Land Hessen hätten die Rechtmäßigkeit der Entscheidung zum Grundschulstandort Waldeck bestätigt, die Dienstaufsichtsbeschwerden der Initiative seien abgelehnt worden. „Nachdem auch das Verwaltungsgericht einen Eilantrag gegen die Schulschließung zurückgewiesen hat, fühle ich mich in der Entscheidung bestätigt, auch wenn das Gerichtsverfahren in die nächste Instanz geht“, so Kubat.

Neubau: Pläne nicht neu

Was für den Kreis als Schulträger und auch für ihn persönlich aber noch viel höhere Priorität gehabt habe, sei der Aspekt gewesen, den Eltern zeitnah verbindlich sagen zu können, wie die Beschulung ihrer Kinder nach den Sommerferien weitergehe – und das nicht erst kurz vor Schulbeginn. „Ich verstehe, dass Eltern nur das Beste für ihre Kinder im Sinn haben. Wäre das in diesem Fall aber eine Beschulung gewesen, die voraussichtlich über vier Jahrgänge von einem einzigen Lehrer unterrichtet worden wäre? Ich glaube, das wollten wir alle nicht“, so Kubat. Da der Kreis allen Schülern ein optimales Lernumfeld bieten wolle, habe er auch entschieden, den Grundschulstandort in Sachsenhausen zu erneuern und an moderne Lernanforderungen anzupassen. Kubat: „Die Planungen dazu hat der Landkreis gewiss nicht in wenigen Wochen aus dem Hut gezaubert. Die Überlegungen dazu laufen seit einigen Jahren.“ 

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