Ortslandwirtetreffen: Minister sieht gute Chancen für den ländlichen Raum

"Es brennt": Waldeck-Frankenberger Bauern appellieren an die Politik

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Zukunft der ländlichen Regionen: Minister Thomas Schäfer referierte, Karlfried Kukuck (von links), Fritz Schäfer und Martin Vollbracht h örten zu. 

Vöhl – Die ländlichen Regionen Hessens – auch Waldeck-Frankenberg – hätten „sehr gute Chancen für die weitere Entwicklung“, sagte Finanzminister Thomas Schäfer. „Wir können die Probleme lösen, wenn wir wollen.“

Beim Treffen der Ortslandwirte riet der Minister als Gastredner zum optimistischen Blick nach vorn.

Ein wichtiger Punkt sei die Frage, wie man es organisieren könne, dass nicht nur Gebiete wie die Rhein-Main-Region vom Wachstum profitieren könnten. Ziel des Kommunalen Finanzausgleichs sei es, Geld auch im ländlichen Raum zu verteilen, „raus aus den steuerstarken Kommunen“, so Schäfer. Das gleiche Ziel habe das Programm „Starke Heimat Hessen“. Das Geld würde damit „umgeleitet“ in den ländlichen Raum, andernfalls hätten nur Städte wie Eschborn und Frankfurt profitiert.

Er wisse, dass „die Finanzausstattung nie ausreichend ist“. Doch Geld sei nicht alles, die Struktur sei entscheidend. Um mehr junge Menschen zum Bleiben in der Heimat zu bewegen, müssten Angebote geschaffen werden, hier auch eine akademische Ausbildung machen zu können. Schäfer lobte die Technische Hochschule Mittelhessen, die auch in die Fläche gehe. Es gebe mehrere verschiedene Studiengänge, „das brummt ohne Ende“. Die dezentrale Ausbildung solle in Zukunft im Fokus stehen. Die Menschen würden zwar weniger auf dem Land, doch teilweise gebe es sogar Zuwächse. „Diesen Trend gibt es trotz Urbanisierung und das müssen wir fördern.“

Geld für zusätzliche Funkmasten

Sorgen müsse man auch dafür, dass Menschen in ländlichen Regionen leben und anderswo arbeiten könnten, sagte der Minister. Das habe vor allem mit schnellem Internet zu tun. Weil auch Büroräume in Städten immer teurer würden, gebe es immer öfter die Möglichkeit für Arbeitnehmer, von Zuhause zu arbeiten und weitere Strecken zur Arbeit seltener zu fahren. Nötig seien in dieser Hinsicht auch Verbesserung beim Mobilfunk. „Wir nehmen viel Geld für zusätzliche Masten in die Hand, um Lücken zu schließen.“ Komme das 5G-Netz, müsste es noch mehr Funkmasten geben. Er hoffe, dass bei Diskussionen darüber nicht „die wenigen gewinnen, die keinen Mast wollen gegen die, die einen Mast brauchen“. Es habe keinen Sinn, schlechte Verbindungen zu beklagen und dann gegen einen neuen Mast im Ort zu demonstrieren, mahnte Thomas Schäfer.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die künftige Entwicklung sei die Gemütslage. Natürlich gebe es Probleme, dennoch müsse man nach außen tragen, dass die Heimat lebenswert sei. Man müsse die Dinge mit Optimismus angehen.

Er selbst ziehe es immer noch vor, seine Wochenenden in der Heimat in Marburg-Biedenkopf zu verbringen, nicht in der Wahlheimat Wiesbaden. „Wer ein Landei ist, bleibt es auch. Und darauf bin ich stolz.“ Zum Dank für seine Rede überreichte Kreislandwirt Fritz Schäfer am Ende Schinken vom Hutewald-Schwein an den Minister.

Landwirte weisen mit Mahnfeuer auf ernste Lage hin

Noch bevor die Versammlung aller Waldeck-Frankenberger Ortslandwirte begann, riefen die Bauern zum Mahnfeuer auf. Sie übergaben Finanzminister Thomas Schäfer ein „Agrarpaket“ – und formulierten deutliche Forderungen.

Das Feuer solle auf die Situation in den Betrieben hinweisen: „Es brennt“, sagte Landwirt Heiko Kieweg. Gerade in Familienbetrieben sei der Frust groß über drastische Einschnitte durch das Agrarpaket. Darin gebe es „fachliche Fehler“, zudem sei nicht mit den Landwirten gesprochen. „Wir fühlen uns hintergangen.“ Umwelt- und Insektenschutz lehne man nicht ab, „aber es funktioniert eben nur mit uns“, so Kieweg. Es könne nicht sein, dass Bauern als Sündenböcke für alle Umweltprobleme herhalten müssten.

Die Landwirte entfachten ein Mahnfeuer

Dass sich Deutschland für Importe aus Ländern wie Südamerika öffne, in denen „Umwelt- und Sozialstandards keine Rolle spielen“ kritisierte die stellvertretende Kreislandwirt Martin Vollbracht. „Bei Importen müssen die Standards gelten, die auch für uns in Europa gültig sind“, forderte er. Nicht die Wissenschaft, sondern der Mainstream gebe beim Thema Düngung den Ton an, kritisierte Olaf Fackiner, Vorsitzender des Frankenberger Kreisbauernverbands. Die Landwirte fordern „eine Rückkehr zum integrierten Pflanzenschutz aus wissenschaftlich-fachlicher Basis, ohne ideologische Verblendung“. Eine Liste mit Forderungen, die Minister Schäfer in den Landtag tragen soll, übergaben die Bauernvertreter anschließend. Dazu gab es ein Paket mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Region.

Thomas Schäfer versprach, die Forderungen weiterzugeben. Grundsätzlich halte er es für richtig, dass Interessengruppen „kreativ“ auf sich aufmerksam machen, beispielsweise durch eine Treckerfahrt nach Berlin. „Ihr müsst lauter werden“, sagte er.

Im Dialog mit den Landwirten

In den Kommunen, im Kreis und bei der Landesregierung müssten sich die Landwirte Gehör verschaffen mit ihren Anliegen. Allerdings gebe es einen „schmalen Grat“, schnell könnten die Menschen dann sagen „Ach, die schon wieder“.

Die Landesregierung, aber auch Abgeordnete wie Armin Schwarz stünden im ständigen Dialog mit Landwirten, die auch in Gremien eingebunden seien. Gemeinsam solle man nach Lösungen suchen, aber es sei nicht möglich, jedes einzelne Anliegen durchzubringen.

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