Unglück auf Golfplatz - Bürgermeister: „Eine der größten Tragödien"

Lebensgefährlich verletzte Golferin in Spezialklinik verlegt

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Waldeck - Nach dem tödlichen Blitzschlag auf dem Golfplatz in Waldeck dauert das Bangen um das Leben einer 50-Jährigen an. Für die Golferin, die am Freitagabend von dem Blitz getroffen und lebensgefährlich verletzt wurde, besteht nur wenig Hoffnung: „Die Frau wurde eine halbe Stunde reanimiert", sagte ein Polizeisprecher am Samstag in Korbach. „Sie war mehrere Minuten klinisch tot." Die 50-Jährige wurde mittlerweile in eine Spezialklinik verlegt. „Es sieht nicht gut aus", erklärte ein Polizeisprecher. Genaue Informationen über den Gesundheitszustand gebe es aber nicht.

Nach Angaben des Polizeisprechers sind die Ermittlungen mittlerweile abgeschlossen. Es werde gegen niemanden ermittelt. „Wie will man so einen Blitzschlag verhindern?", meinte er. Auf dem Golfplatz ist an fast jedem Loch ein Holzunterstand. Nun werde überlegt, diese aus Sicherheitsgründen zu verändern oder abzureißen, sagte der Polizeisprecher. Die einfachen Unterstände haben teilweise Bänke, aber keinen Blitzableiter.

Die Männer der drei getöteten Frauen hatten ebenfalls auf dem Platz Golf gespielt. Sie waren bereits ein Loch weiter, in einem Abstand von rund 500 Metern, und hatten sich dort bei einem Holzunterstand vor dem starken Regen geschützt. Erst als sie über Handy keinen Kontakt zu ihren Frauen bekamen, seien sie zu dem anderen Unterstand gegangen und hätten dort die Opfer gefunden, sagte der Sprecher. Die Männer werden nach dem Unglück psychologisch betreut.

„Eine der größten Tragödien, die ich während meiner Amtszeit erlebt habe", reagierte der Waldecker Bürgermeister Jörg Feldmann fassungslos auf das Unglück von Freitagabend. „Für die Angehörigen dramatisch, für Mitarbeiter und die Crew, die Hilfe geleistet hat, ein Trauma." In der nächsten Woche sollte im Rahmen der Waldecker Ferienspiele ein Schnuppertag auf der Golfanlage stattfinden. „Den haben wir sofort abgesagt", so der Bürgermeister. Auch weitere Turniere wurden schon abgesagt. Der Golfplatz werde für mindestens eine Woche geschlossen, teilte die Polizei mit.

Rückblick: Ein heftiges Gewitter tobte am Freitagnachmittag über dem Waldecker Land. Offenbar überrascht das Wetter die Gruppe Golfspieler, die am Domänenweg in exponierter Lage golfen – mehrere hundert Meter entfernt vom Haus des Golfclubs. Die vier Frauen suchen Schutz in einer Wetterhütte. Sie steht auf einer Anhöhe am Herrenabschlag an Bahn sieben, inmitten einer Gruppe von Kirschbäumen. Die Männer spielen auf einer benachbarten Bahn und stellen sich an einer anderen Holzhütte unter, rekonstruiert Dirk Virnich, Pressesprecher der Polizeidirektion Korbach.

Um kurz nach 17 Uhr schlägt der Blitz ein – zwei Einschläge in unmittelbarer Nähe. Einer entlädt sich an einem Kirschbaum in der Erde und zerfetzt die Grasnarbe. Der andere ist folgenschwer. Er dringt über den Dachfirst an der Trennwand der Schutzhütte ein, an der die vier Frauen mit dem Rücken lehnen. Drei Frauen im Alter von 67, 66 und 41 Jahren werden so schwer verletzt, dass sie an den Folgen des Blitzschlags sterben. Eine 50 Jahre alte Frau aus Kassel überlebt das Unglück mit lebensgefährlichen Verletzungen.

Die Kraft, mit der sich der Blitz entladen hat, lässt Beobachter erschauern. An der Einschlagstelle in der Hütte ist das Holz zersplittert. „Regelrecht auseinander gesprengt“, skizziert Virnich. Manche Splitter sind meterlang.Brandstreifen hat der Blitz an der Außenwand hinterlassen. – Spuren einer Tragödie.

Die 1992 gegründete Golfanlage verfügt über einen 9-Loch-Kurzplatz und eine 27-Loch-Anlage, die sich über ein Gebiet von 98 Hektar erstreckt.

von Conny Höhne (mit dpa)

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