Unmut an Grundschulen in Waldeck-Frankenberg

Lehrer warten auf Corona-Schutzimpfungen

Corona-Impfung: Dass es zu Unterschieden beim zeitlichen Ablauf der Immunisierungen für das Schulpersonal kommt, sorgt in einigen Kollegien im Landkreis derzeit für Unmut. 
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Corona-Impfung: Dass es zu Unterschieden beim zeitlichen Ablauf der Immunisierungen für das Schulpersonal kommt, sorgt in einigen Kollegien im Landkreis derzeit für Unmut. 

Seit Ende Februar dürfen sich auch Beschäftigte an Grund- und Förderschulen gegen das Coronavirus impfen lassen – doch viele Lehrerinnen und Lehrer in Waldeck-Frankenberg haben die erste von zwei Schutzimpfungen noch gar nicht erhalten – einige warten sogar immer noch auf einen Impf-Termin.

Dies sorgt aktuell für viel Unmut bei den Lehrkräften und Schulleitungen im Landkreis, wie unsere Zeitung in mehreren Gesprächen erfuhr.

Im Kern geht es hierbei um die damals durchgeführte Anmelde-Prozedur, die sich für mehrere der Lehrerinnen und Lehrer jetzt nachteilig auswirkt.

„Als wir damals in die Priorisierungsgruppe gekommen sind, sollten wir uns über das Land Hessen für eine Impfung registrieren lassen. Das haben viele von uns auch sofort getan“, berichtet die Leiterin einer Grundschule in Waldeck-Frankenberg, die namentlich nicht genannt werden möchte.

Nur einen Tag später sei über das Staatliche Schulamt in Fritzlar die Möglichkeit einer Sammelanmeldung für die Grund- und Förderschulen im Landkreis geschaffen worden. „Diese war aber für Lehrkräfte und Beschäftigte, welche die Registrierung zuvor über das Portal des Landes gemacht hatten, tabu. Eine Doppelanmeldung durfte es nicht geben. Den Termin zu stornieren, um stattdessen in die Sammelanmeldung zu kommen, war ebenfalls nicht möglich“, berichtet die Schulleiterin. Verantwortlich für den Unmut sei nun die Tatsache, dass die Impfungen für das Grund- und Förderschulpersonal aus der Sammelanmeldung schneller fortschreiten würden.

Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamtes, sagte dazu auf Anfrage: „Die geschilderte Problematik, dass noch nicht alle Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie andere in Schulen und Kitas beschäftigte Personen, die sich über das offizielle Impfportal des Landes Hessen angemeldet haben, einen Impftermin zugeteilt bekommen haben, ist bekannt.“ Es würden über das Impfportal aber permanent Impftermine auch an Lehrkräfte vergeben.

Uhde: „Die Ungeduld beim Warten kann ich gut nachvollziehen. Allerdings möchte ich dafür werben, die Gesamtperspektive nicht aus den Augen zu verlieren: Die an Grund- und Förderschulen arbeitenden Personen erhalten priorisiert Impftermine. Die allermeisten Menschen bei uns im Land werden länger auf ihre Impftermine warten müssen. So zum Beispiel auch Lehrkräfte an weiterführenden Schulen.“

„Es war zu keinem Zeitpunkt des Verfahrens für die Betroffenen verlässlich abzusehen, welcher Weg der schnellere sein wird“, sagt Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamtes.

Dennoch ist der Frust an einigen Grundschulen im Landkreis groß. „Auch mit Blick auf die Ansteckungsgefahr durch die Mutationen würden wir uns wünschen, dass auch das Schulpersonal, das sich damals nicht gesammelt über das Staatliche Schulamt, sondern über das Impfportal des Landes Hessen für eine Impfung registriert hat, zügig geimpft wird“, sagt die Leiterin einer Grundschule in Waldeck-Frankenberg.

Zwar seien nun erst einmal Osterferien – doch eine konkrete Perspektive, wie es mit den Impfungen für die Lehrerinnen und Lehrer sowie für das übrige Schulpersonal weitergehe, sei extrem wichtig. „Wenn der Unterricht nach den Ferien erneut startet, arbeiten wir alle wieder an vorderster Front. Das geht nur, wenn wir geschützt sind“, betont die Schulleiterin.

Stephan Uhde vom Staatlichen Schulamt in Fritzlar sagt dazu: „Zunächst einmal bin ich dankbar für jede Lehrkraft, die bereit ist, sich impfen zu lassen. Als Leiter des Schulamts begrüße ich es auch ausdrücklich, dass die an den Grund- und Förderschulen beschäftigten Personen ebenso wie die in den Kindertagesstätten Beschäftigten priorisiert Impfangebote erhalten.“

Für alle diese Personengruppen gelte derzeit, dass sie noch nicht vollständig geimpft worden seien. „Natürlich war in diesem Kontext der zwischenzeitliche Impfstopp für Astrazeneca sehr unglücklich“, sagt Stephan Uhde.

Die über das Staatliche Schulamt damals durchgeführten Sammelimpftermine sollten nach Auskunft des Amtsleiters dazu dienen, den Impfprozess gerade an Schulen und Kindertagesstätten zu beschleunigen. „In Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum Korbach, das eine hervorragende Arbeit leistet, konnten über die Sammellisten sehr viele Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher zügig geimpft werden. In Summe war dies ein wichtiger Beitrag zu einer erhöhten Sicherheit an unseren Schulen und Kindertagesstätten.“

Uhde betont in diesem Zusammenhang, dass zu keinem Zeitpunkt des Verfahrens für die Betroffenen verlässlich abzusehen gewesen sei, welcher Weg der schnellere sein werde. „Bevor die Sammeltermine stattgefunden haben, sind bereits einzelne Lehrkräfte über das Impfportal des Landes Hessen geimpft worden. Sollte über das Portal ein Impfstoff zugelassen werden, der mit einer Impfung seinen vollen Schutz entfaltet, hätten die später Geimpften sogar früher den vollständigen Schutz“, sagt Uhde. Wichtig sei letztlich, dass so schnell wie möglich so viele Personen wie möglich geimpft werden können. Dafür arbeiteten alle Beteiligten mit höchster Anstrengung.

Eine Doppelanmeldung sowohl über das Impfportal des Landes als auch über die Sammellisten des Schulamtes sei darüber hinaus zu Recht von Beginn an ausgeschlossen gewesen. „Ziel der Sammellisten war es, den Impfprozess zu beschleunigen. Doppelanmeldung und Stornierungen behindern aber und verlangsamen den Prozess insgesamt nur. Im schlimmsten Fall könnte sogar Impfstoff verfallen“, sagt der Leiter des Staatlichen Schulamtes.

Bis wann die Schutzimpfungen mit hoher Priorität abgeschlossen sein werden, lasse sich Stand heute nicht verlässlich vorhersagen. „Ich gehe aber davon aus, dass die Impfungen über das Impfportal zeitnah erfolgen werden. Da die Geschwindigkeit des Impfprozesses maßgeblich von der Verfügbarkeit der verschiedenen Impfstoffe abhängt, ist eine verlässliche Prognose zu dieser Frage aber nicht möglich“, sagt Stephan Uhde.

Hintergrund: In der zweiten Priorisierungsgruppe

Erzieher, Grund- und Förderschullehrer sowie in der Kindertagespflege tätige Personen gehören bei der Corona-Impfung seit Ende Februar zur zweiten Priorisierungsgruppe. Die Impfverordnung des Bundes war damals entsprechend angepasst worden, weil in vielen Bundesländern der Präsenzunterricht wieder eingesetzt hatte. Eine weitere Begründung für die Anpassung: In Kitas kann es schwierig sein, Abstände und andere Hygienemaßnahmen durchgehend einzuhalten. 

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