Die Lehrer duzen oder siezen – für viele eine Frage des Respekts

Waldeck-Frankenberg: Lernt sich’s besser mit dem Du?

Die Lehrerin als Vertrauensperson: In den meisten Grundschulen ist es üblich, dass die Schüler ihre Lehrer duzen. Auf weiterführenden Schulen ist es aber noch verbreitet, dass Schüler ihre Lehrer siezen.
+
Die Lehrerin als Vertrauensperson: In den meisten Grundschulen ist es üblich, dass die Schüler ihre Lehrer duzen. Auf weiterführenden Schulen ist es aber noch verbreitet, dass Schüler ihre Lehrer siezen.

„Frau Schmidt, kannst du mal gucken?“ und „Herr Müller, weißt du was?“: Grundschüler duzen ihre Lehrer oft wie selbstverständlich. Die Jusos in Berlin haben jetzt vorgeschlagen, dass alle Schüler ihre Lehrer duzen sollten. Das verringere die Distanz zwischen ihnen. Auf weiterführenden Schulen ist es aber noch verbreitet, dass Schüler ihre Lehrer siezen.

Waldeck-Frankenberg – Dies hat sich auch bewährt, sagt zum Beispiel die Schulleiterin der Mittelpunktschule Adorf, Eva Trilling. Sie erlebt jeden Tag den Umgang zwischen Schülern und Lehrern von der ersten bis zur zehnten Klasse. Die Art der Anrede sei zwar nicht der einzige entscheidende Faktor beim Umgang miteinander, aber doch ein wichtiger.

„Wir erleben beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule den Wechsel von ,Du‘ zu ,Sie‘“, sagt Trilling. Demnach duzen die Grundschüler ihre Lehrer und sprechen sie gleichzeitig mit dem Nachnamen an. „Im Laufe der vierten Klasse distanzieren sie sich langsam und nabeln sich ab.“ Manche Kinder machten das von sich aus; manche übten das Siezen, weil ihre Eltern dies mit ihnen besprochen hätten. Denn spätestens ab der fünften Klasse wechseln die Schüler zur Sie-Anrede. „Das hat was mit Höflichkeit zu tun“, sagt Eva Trilling. „Siezen ist auch im Rest der Gesellschaft üblich und in der Geschäfts- und Arbeitswelt verbreitet.“ Daher werde diese Umgangsform an der Schule „überhaupt nicht infrage gestellt“.

Für einen gelingenden Unterricht seien Respekt und ein „vernünftiger Umgang“ unerlässlich. Wie vertraut das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern sein soll und wie sich das auf das Lernen auswirkt, hänge von der Persönlichkeit des Lehrers ab und ob er oder sie es schafft, eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz zu halten. Trilling: „Ein sehr legerer Umgang in Verbindung mit dem ,Du‘ kann schwierig werden.“

Nach Ansicht der Jungen Sozialisten in Berlin könnten weniger Distanz sowie mehr Vertrauen zu besseren Leistungen der Schüler führen.

Eine Untersuchung des Germanisten Wolfgang Steinig, Professor an der Uni Siegen, war bereits vor einigen Jahren zu einem anderen Ergebnis gekommen. Demnach bewirkt ein lockerer Umgangston in den Schulen eher, dass besonders Kinder aus bildungsfernen Familien Nachteile haben. Denn sie bräuchten eher strenge Regeln im Sprachgebrauch, um Struktur im Schulalltag zu haben und gut lernen zu können – und damit sei das Siezen in Kombination mit einer formellen Sprache verbunden.

Dem Germanisten zufolge bringt die Sie-Anrede automatisch ein höheres Gesprächsniveau mit sich. Schüler würden damit früh gefordert, komplexere Sätze mit größerem Vokabular zu bilden. Davon könnten sie später profitieren.

Von Stefanie Rösner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare