Polizei gibt Tipps gegen Romance-Scamming

Liebe vorgegaukelt: Unbekannter betrügt Frau um 140.000 Euro

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Scammer suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat und Facebook nach Opfern und durchforsten dort die Mitgliederlisten. Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt. Nach vielen Chatnachrichten, Emails und Telefonaten bringen die Betrüger ihre Opfer dann dazu, ihnen Geld zu überweisen.

Ein Unbekannter hat eine Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis um 140.000 Euro betrogen. Der Mann hatte dafür jahrelang mit der Frau gechattet und mit ihr telefoniert. Auch die Polizei in Waldeck-Frankenberg berichtet immer wieder von Betrugsfällen auf Online-Partnerbörsen – zuletzt im Sommer 2018, als eine Frau aus dem Landkreis Opfer wurde.

Ein kurzer Chat oder eine nette Mail von einem Unbekannten - das so genannte Romance-Scamming (etwa: Liebesbetrug) fängt harmlos an. So auch bei einer Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Über das Datingportal "lovoo.com" lernte diese bereits im Jahr 2015 einen Mann aus dem Ausland kennen, teilte die Homberger Polizei am Montag mit. Mit ihm schrieb sie sich über Whatsapp und per Email. Über Skype sprachen die beiden auch miteinander. Im Laufe der Zeit erwarb der Mann so laut Polizei das Vertrauen seines Opfers. 

Irgendwann gab der Mann dann an, dass er sich in Geldnot befinde und brachte sein Opfer dazu, zwei Auslandsüberweisungen über insgesamt 140.000 Euro zu veranlassen. Nachdem die Frau den Betrug bemerkte, erstattete sie am Sonntag Anzeige bei der Polizei.

So funktioniert Romance-Scamming

Romance-Scamming ist eine moderne Form des Heiratsschwindels. Damit man nicht Opfer dieser Masche wird, erklärt die Polizei, wie sie funktioniert:

  • Scammer suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat und Facebook nach Opfern. Dafür durchforsten sie dort die Mitgliederlisten. Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt. 
  • Um sich beim potenziellen Opfer interessant zu machen, legen sich die Scammer ungewöhnliche Lebensgeschichten zu - und sie hinterlassen immer einen seriösen Eindruck.
  • Sowohl Scam-Männer als auch Scam-Frauen schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen - und zwar ohne ein einziges Treffen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet oder stundenlang telefoniert. 
  • Bei den Gesprächen geht es zu Beginn nicht um Geld, sondern um den Beruf, die Familie, um Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Oft werden Geschichten über verstorbene Ehepartner und Kinder aufgetischt. 
  • Wenn die Scammer nicht schon dort sind, müssen sie dringend geschäftlich oder aus familiären Gründen nach Westafrika. Dabei versprechen die Betrüger, dass sie ihre neue Liebe danach besuchen werden. 
  • Bevor oder kurz nachdem das Ticket nach Deutschland gebucht wird, gibt es dann Schwierigkeiten: Überfälle, gestohlene oder konfiszierte Pässe, ein Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall oder Probleme mit Kreditkarten. 
  • Die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer (z.B. Western Union oder MoneyGram) Geld zu senden. 
  • Die Liebe wird in solchen Mails immer stark hervorgehoben. 
  • Manchmal werden Opfer von einem angeblichen Arzt, Polizisten oder Angehörigen kontaktiert, der noch mehr Druck auf das Opfer ausüben soll. Das geht oft so weit, dass die Scammer ihren Selbstmord ankündigen - nur um an das Geld zu kommen.

Tipps der Polizei gegen Romance-Scamming

Gegen Romance-Scamming (auch Love-Scamming genannt) kann man sich schützen - etwa, indem man von Beginn an vorsichtig ist bei Bekanntschaften aus dem Internet. Ist man bereits Opfer geworden, gibt es einige Dinge zu beachten. Die Polizei gibt Tipps:

  • Geben Sie den Namen Ihrer Internetbekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" bei Google ein. Die Suchmaschine kann in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen. Falls Sie ein Bild mitgeschickt bekommen haben, können Sie mithilfe der umgekehrten Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten. Es ist außerdem sinnvoll, dass Sie für Online-Kontaktbörsen oder für den digitalen Schriftverkehr mit einem Unbekannten eine alternative Email-Adresse nutzen. So können Sie verhindern, dass Sie im Fall eines Betrugs Ihren Hauptmailaccount löschen müssen.
  • Wenn sie gescammt (betrogen) wurden, brechen sie sofort jeglichen Kontakt ab. Keine Mails, keine Anrufe des Scammers mehr entgegennehmen. Am besten ist es, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer zuzulegen. Gefahr besteht auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. Denn die Täter schicken mit ihren Mails meistens auch einen Computervirus mit. Dieser scannt die Daten im Mailadressbuch und erlaubt auch sonst eine Kontrolle über den Rechner ihrer Opfer.
  • Nicht auf Forderungen des Scammers eingehen. Auf keinen Fall Geld überweisen, Schecks einlösen oder Briefe und Päckchen weiterleiten - und auch nicht aufbewahren. Geleistete Zahlungen, wenn noch möglich, rückgängig machen.
  • Speichern Sie alle Mails und Chats als Beweis auf einem Speichermedium wie einem Cloud-Dienst, einer externen Festplatte, einem USB-Stick oder einer CD-ROM. Heben Sie Überweisungsbelege auf. Wenn Sie es nicht selbst können, dann lassen Sie sich von computererfahrenen Bekannten und Freunden den so genannten Email-Header auslesen. Daran erkennen Sie, woher die Mail geschickt wurde. Selbsthilfeseiten im Internet erklären Ihnen ebenfalls, wie Sie sich vor größerem Schaden schützen können.
  • Gehen Sie zur Polizei. Die Strafverfolgung solcher Täter ist zwar enorm schwierig, weil sie aus dem Ausland agieren. Dennoch sollten Sie den Vorfall auf jeden Fall melden. Das ist besonders wichtig, wenn beispielsweise Banken strafrechtliche Schritte gegen Opfer unternehmen wollen, die unwissentlich gefälschte Schecks eingereicht haben.

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