Skepsis wegen Inzidenz, Wetter und Vorschriften

Lockerungen im Waldeck-Frankenberger Gastgewerbe liegen für viele in weiter Ferne

Dass auf seiner Gartenterrasse bald wieder Gäste einkehren, hofft der Usselner Hotelier Karl-Heinz Jäger vom Hotel Brügges Loui – angesichts der steigenden Inzidenz, des Wetters und der Testpflicht ist er aber noch skeptisch.
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Dass auf seiner Gartenterrasse bald wieder Gäste einkehren, hofft der Usselner Hotelier Karl-Heinz Jäger – angesichts der steigenden Inzidenz, des Wetters und der Testpflicht ist er aber noch skeptisch

Theoretisch können Lockerungen für das Gastgewerbe schnell kommen – wenn denn die Inzidenz fällt. Es ist derweil nicht das einzige, was etwa Skepsis auslöst.

  • Wenn ein Landkreis aus der Bundesnotbremse herausfällt, winken die ersten Lockerungen der Corona-Regeln für das Hotel- und Gaststättengewerbe.
  • Gastgeber mit Fokus auf Außengastronomie könnten also relativ bald öffnen - sobald die Inzidenz in Waldeck-Frankenberg wieder länger sinkt.
  • Für Innenräume muss noch länger gewartet werden, auch die Testpflicht wird teils als Hindernis gesehen.

Waldeck-Frankenberg – Wenn die Corona-Inzidenz im Landkreis länger unter den Wert von 100 fällt, stehen dem Gastgewerbe Lockerungen ins Haus. Darüber, wie hilfreich die sind, seien die Gastgeber aber durchaus geteilter Meinung, erklärt Arndt Brüne, Vorsitzender des Vereines „Aktives Willingen“ für den Bereich der Gastronomie. Er selbst freue sich, dass die Außengastronomie mit als erstes öffne, so der Wirt der Stolberg-Hütte: „Aber andere Kollegen sehen die Öffnung für sich noch in weiter Ferne.“

Es gebe immerhin eine Perspektive. Und die Gastgeber hätten mit den gegebenen Fristen die Möglichkeit, zu planen – fünf Tage unter einer Inzidenz von 100 bedeuten erste Lockerungen; nach weiteren zwei Wochen folgen weitergehende Schritte. Wichtig sei, dass zeitgleich mit der Gastronomie die Hotellerie für touristische Übernachtungen öffnet, sagt der Willinger.

Über die Testpflichten mache er sich keine Sorgen: Zum einen gebe es mittlerweile viele Geimpfte, für die sie entfällt. Zum anderen seien Tests für viele Menschen alltäglich geworden. Derweil könnten wohl nur die wenigsten Betriebe selber testen, denkt Arndt Brüne. Aber die Gemeinde mache sich Gedanken, wie sie weiter Unterstützung leisten kann, auch der Landkreis sei in Sachen Tests vorbildlich aufgestellt.

Nicht alle Gastgeber in Waldeck-Frankenberg profitieren von Außengastronomie

Warum die Lockerungen nicht rundum Begeisterung auslösen, macht Karl-Heinz Jäger deutlich, Inhaber des Privathotels Brügges Loui in Usseln: „Ich glaube nicht, dass die Außengastronomie für viele Kollegen den Umsatz bringt, den sie brauchen.“ Wie die wahrgenommen werde, sei sehr ungleich verteilt – das Wetter tue sein übriges, gerade im Upland.

Für ihn bleibt die Frage offen, wie Gastronomen prüfen sollen, ob jemand getestet, genesen oder geimpft ist. Und ob die Mitarbeiter nicht eigentlich auch geimpft sein sollten: „Das passt doch sonst nicht zusammen.“ Dass Hotelgäste sich mehrmals die Woche testen lassen, hält er angesichts von Kosten und Aufwand für unwahrscheinlich. Und viele Gäste seien Familien oder Gruppen – bis da alle Mitglieder verreisen dürften, blieben diese eher ganz zu Hause. Er hoffe, dass im Juli oder August genug Menschen geimpft sind, vorher erwarte er nicht viele Gäste.

Karl-Heinz Jäger weist auf ein weiteres Problem der Branche hin, das die Krise massiv verstärkt habe: „Viele Kollegen haben Mitarbeiter verloren.“ Gerade 450-Euro-Kräfte waren betroffen, für sie gab es keine Kurzarbeit: „Es war nicht fair, diese eine Gruppe so im Regen stehen zu lassen.“ (wf)

Lockerungen in zwei Schritten

Wenn in einem Landkreis die Bundesnotbremse nicht mehr gilt, darf zunächst die Außengastronomie öffnen – mit Testpflicht, Abstand, Sitzplatzpflicht und Kontaktverfolgung. In Hotels ist ein Test nach der Anreise vorzulegen, bei längeren Aufenthalten muss zweimal die Woche getestet werden. Die Kapazitäten werden auf 60 Prozent beschränkt. In der zweiten Stufe dürfen Innenräume so öffnen wie zuvor die Außengastronomie; Hotels dürfen zu 75 Prozent belegt werden. (wf)

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