Kinderfeuerwehr macht Spaß, vermittelt Wissen und fördert neue Helden des Alltags

Die "Löschzwerge" kommen

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Die Kleinen blicken begeistert zu den Großen: Kinderfeuerwehr in Volkmarsen.

Waldeck-Frankenberg. - Retten, bergen, löschen, schützen – ohne die ehrenamtlichen Brandschützer müsste Deutschland den Notstand ausrufen. Die Zukunft ist jung und begeisterungsfähig: Mädchen und Jungen in den Kinderfeuerwehren.

Wenn der „Pieper“ Alarm schlägt, dann werfen sie sich ins Zeug. Ob am Arbeitsplatz oder in der tiefen Nacht zu Hause – in Minutenschnelle sind sie zur Stelle, wenn es brenzlig wird. Sie löschen Brände, retten bei Unfällen und stehen auch sonst wie selbstverständlich als Helfer parat. Dorffeste, Konzertveranstaltungen, Weltcup-Skispringen in Willingen: Brandschützer sind dabei, weisen den Weg, lenken den Verkehr und sorgen für Sicherheit.

Die freiwilligen Helden

So gehören die Feuerwehrleute ohne Übertreibung zu den wahren Helden der Gesellschaft, denn die meisten von ihnen sind ehrenamtlich unterwegs. „Die freiwilligen Feuerwehren sind einfach unbezahlbar“, unterstreicht Horst Klinge (Calden) deshalb gerne symbolisch. Denn der Feuerwehrsprecher in Kurhessen-Waldeck weiß eines ganz genau: Ohne die ehrenamtlichen Brandschützer geht‘s nicht, Berufsfeuerwehren würden Städte und Gemeinden wohl in den Ruin treiben. Deshalb zieht Klinge seit Jahren übers Land, um neue „Multiplikatoren“ zu gewinnen, den Dienst am Nächsten zu fördern. 1,3 Millionen Menschen sind in bundesweit rund 30 000 freiwilligen Feuerwehren derzeit aktiv. Das gibt‘s in ganz Europa nicht mehr: Deutschland – ein Land der engagierten Brandschützer, die keinen Einsatz scheuen.

Aber in den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der Aktiven deutlich geschrumpft. Anfang der 1990er-Jahre gab es in Hessen noch über 90 000 aktive Feuerwehrleute, aktuell sind es rund 75 000, rechnet Harald Popp (Kassel) vor. Er ist Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Hessen.

Spielend zur Feuerwehr

Immerhin gehört Hessen zu den wenigen Bundesländern, in denen die Zahl der freiwilligen Brandschützer stagniert, also nicht weiter schrumpft. In Waldeck-Frankenberg zeigt die Kurve seit 2008 sogar wieder deutlich nach oben, wie die Statistik bei Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick zeigt. Trotzdem lässt der Blick in die Zukunft weiter die Alarmglocken läuten: Die Bevölkerung schrumpft, die Geburtenzahlen sind niedrig, es fehlen die Kinder, die uns morgen retten sollen.

So geht auch die Beteiligung in den Jugendwehren seit Jahren weiter zurück. Was Harald Popp ein wenig hoffen lässt: „Wir haben ein freiwilliges soziales Jahr bei der Feuerwehr eingeführt.“ Das ist ein Mosaikstein, um junge Menschen für die Feuerwehren gewinnen. Ein anderer Baustein sind die Kinderfeuerwehren, die sich in Waldeck-Frankenberg erfolgreich und spielerisch präsentieren. Deshalb stehen in unserer heutigen Zeitungsausgabe die „Löschzwerge“ im Rampenlicht.

Feuerwehr

Rund 30 000 in Deutschland, 2600 in Hessen, 180 allein in Waldeck-Frankenberg: Die freiwilligen Feuerwehren sind eine starke Truppe. In den 22 Städten und Gemeinden verzeichnete Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick Ende 2011 insgesamt 4836 Aktive in den Einsatzabteilungen – davon 502 Frauen.

Alle zusammen mussten im vorigen Jahr knapp 1800 Einsätze bewältigen. Das reichte vom Brandfall bis zu technischen Hilfeleistungen. Dauerthema bei den Brandschützern ist Nachwuchswerbung. Der Bevölkerungsrückgang durch demographischen Wandel macht sich besonders auf dem Lande bemerkbar. Dennoch stieg seit 2008 die Zahl der Aktiven in Waldeck-Frankenberg wieder an. Sorge bereitet Harald Popp (Kassel), Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Hessen, vor allem die Entwicklung bei den Jugendabteilungen. 2005 engagieren sich noch fast 2100 Mädchen und Jungen bei den Feuerwehren im Landkreis. 2011 waren es nur noch 1650.

Ähnliche Entwicklungen gibt es in den Sportvereinen. Internet-Generation, höhere Belastung durch die Schulen – hier liegen einige Ursachen. Hauptgrund ist aber schlicht die niedrige Geburtenrate: Es gibt eben deutlich weniger Kinder als früher. Deshalb ist es so wichtig, verstärkt Mädchen und Jungen für die Feuerwehr zu begeistern. Denn Brandschutz heißt Sicherheit für alle. (jk)

Mehr lesen Sie auf den Sonderseiten in der WLZ-FZ vom Samstag, den 29.09.

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