WLZ-FZ-Sommerserie: 12 Uhr mittags am Korbacher Bahnhof

Lok-Angebot

Waldeck-Frankenberg - Eine halbe Stunde am Mittag: Die Redakteure von WLZ-FZ nehmen sich in den Sommerferien Zeit – für Orte, Menschen, die Natur und überraschende Begegnungen. Was geschieht um 12 Uhr mittags im Landkreis?

„Und, ne Runde mitfahr‘n?“ August Lerch hat zwar kein Lenkrad, weiß aber trotzdem, wo‘s lang geht. Es ist Punkt 12 Uhr mittags. „High noon“ am Korbacher Bahnhof. Und der Triebfahrzeugführer streckt gut gelaunt seinen Kopf aus dem kleinen Lokfenster. Er kennt den Bahnhof. Er kennt sogar den ein oder anderen Passagier. Das ist sein Revier. Und es ist ein Lo(c)k-Angebot, dem man gerne nachgeben möchte, das August Lerch an diesem Mittag ausspricht – einmal im Führerhaus der Eisenbahn mitfahren. Er hat zehn Minuten Aufenthalt, bevor es zurück nach Kassel geht. In knapp zwei Monaten schon wird seine Bahn weiterfahren Richtung Süden, über Herzhausen, bis nach Frankenberg – das treibt den einen die Zornesröte ins Gesicht, den anderen die Vorfreude. Und August Lerch macht auch dann einfach seine Arbeit. Schließlich wandert der Zeiger der Bahnhofsuhr auf 12.07 Uhr weiter. Insgesamt 17 000 Eisenbahnuhren in Deutschland zeigen in diesem Moment genau diese Uhrzeit. Ihr Signal bekommen sie vom Funk und rund 5000 Hauptuhren. Für August Lerch gibt der Zeiger das Signal zum Türen schließen. Dann beginnt die Reise, die Regionalbahn setzt sich brummend in Bewegung – für Söhne, die sich nach einem Heimatwochenende von ihren Vätern verabschiedet haben und zurück zur Uni aufbrechen. Für Reisende mit großen Koffern, die lange Wege vor sich haben. Für Schüler, die sich auf den Heimweg Richtung Norden machen. Viele Menschen, viele Träume, verschiedene Ziele. August Lerch weiß um seine wertvolle Fracht.Dann wird es ruhig am Korbacher Bahnhof. Und vielleicht hätte man August Lerchs Lok-Angebot doch annehmen sollen – auf ein Ründchen. Von Theresa Demski

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