Konzept für den Alltagsradverkehr

Lücken im Radwegenetz melden: Kreis startet zweite Bürgerbeteiligung

Vor dem Kreishaus in Korbach stehen: vorn die neue Ansprechpartnerin für den Radverkehr, Nicole Sude, hinten von links Adolf Scheuermann vom Fachdienst Bauen, Fachdienstleiterin Susanne Paulus  sowie Vizelandrat Karl-Friedrich Frese. Sie werben für die Zweite Bürgerbeteiligung am  Konzept für den Alltagsradverkehr im Kreis Waldeck-Frankenberg.
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Werben für die zweite Bürgerbeteiligung: vorn die neue Ansprechpartnerin für den Radverkehr, Nicole Sude, hinten von links Adolf Scheuermann und Susanne Paulus vom Fachdienst Bauen sowie Vizelandrat Karl-Friedrich Frese.

Der Kreis Waldeck-Frankenberg arbeitet an einem Konzept für den Alltagsradverkehr, am Freitag startet die zweite Bürgerbeteiligung - alle können Lücken im Radwegenetz melden.

Waldeck-Frankenberg – Nicht nur bei Touristen erfreut sich das Radfahren einer zunehmenden Beliebtheit – auch in Waldeck-Frankenberg schwingen sich immer mehr Leute aufs Rad, um zur Arbeit oder zum Arzt zu gelangen. Damit sie ihr Ziel möglichst schnell und sicher erreichen, arbeitet der Fachdienst Bauen der Kreisverwaltung seit Anfang des Jahres an einem Konzept für den Alltagsradverkehr.

„Alltagstaugliches Radwegenetz“

„Wir brauchen ein alltagstaugliches Radwegenetz“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese. Deshalb arbeitet der Fachdienst Bauen der Kreisverwaltung derzeit an einem Konzept, das die Leistungsfähigkeit des Alltagsradverkehrs steigern soll. Nach Fulda werde Waldeck-Frankenberg der zweite Kreis Hessens mit einem solchen Konzept, sagt Frese.

Radfahren liegt im Trend. Auch im Alltag nutzen immer mehr Leute den Drahtesel, um zur Arbeit, zum Arzt oder in die Schule zu kommen. Als sich die Corona-Pandemie im Frühjahr vorigen Jahres auch im Kreis bemerkbar machte, verstärkte sich der Trend noch: Das Rad war für viele sicherer als die Fahrt mit Bus oder Bahn. Fachleute rechnen damit, dass sich der Trend langfristig hält – auch wegen der Debatte um den Klimaschutz.

Dank der neuen E-Bikes mit eingebauten Elektromotor spielten Steigungen auf einer Strecke mittlerweile keine Rolle mehr, sagt Adolf Scheuermann vom Fachdienst Bauen. „Entscheidend ist, in welcher Zeit ich bei meinem Arbeitgeber bin.“ Bis zu zehn Kilometer betrage der Radius, den Pendler mit dem Rad zurückzulegen bereit seien, weiß die Fachdienstleiterin Susanne Paulus.

„Kreisweite Strategie“

Aber dann müsse es auch ein gutes Wegenetz geben, um vom Land in die Mittelzentren oder zur Arbeit zu gelangen, erklärt Frese. Deshalb habe der Kreis das Projekt angestoßen: „Wir brauchen eine kreisweite Strategie.“

Alle 22 Städten und Gemeinden eingebunden

Mit dem kreisweiten Konzept wird in Zusammenarbeit mit den 22 Städten und Gemeinden ein Radwegenetz festgelegt. Aber auch die potentiellen Nutzer sollen ihre Vorstellungen und Wünsche vorbringen – deshalb soll am nächsten Freitag, 27. August, die zweite Bürgerbeteiligung starten.

Dabei wirkt auch die neue Ansprechpartnerin des Kreises für den Radverkehr, Nicole Sude, mit. Da große Versammlungen derzeit wegen der Corona-Auflagen nicht möglich sind, setzt der Kreis auf eine digitale Form: auf eine Videokonferenz im Internet.

Rund 600 Interessenten bei der ersten Bürgerbeteiligung

Am 12. März begann die erste Bürgerbeteiligung. Einwohner mit Ortskenntnissen sollten Hinweise geben über fehlende Verbindungen, Mängel auf Wegen, Gefahrenstellen oder Barrieren melden. Außerdem wurde der Bedarf an Abstellmöglichkeiten oder Ladestationen für Räder abgefragt. Bei diesem ebenfalls digitalen Auftakt hätten sich rund 600 Interessenten beteiligt, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese.

Mit der Aufstellung des Radverkehrskonzepts hat der Kreis ein Fachbüro beauftragt. Es hat die eingegangenen Wünsche und Anregungen der Bürger eingearbeitet, sich die Situation vor Ort angesehen, die Kommunen eingebunden und Schritte für die Umsetzung entwickelt.

Am Freitag startet die zweite Bürgerbeteiligung

„Das Konzept steht im großen und ganzen“, berichtet Scheuermann. Ab Freitag gehe es mit der zweiten Bürgerbeteiligung an die „Feinabstimmung“: Die Ergebnisse werden zunächst per Videokonferenz vorgestellt.

Wegen der Corona-Beschränkungen läuft sie wieder übers Internet: Interessenten können sich am Freitag unter dem Link www.landkreis-waldeck-frankenberg.de/radverkehrskonzept einwählen. Ab 16.30 Uhr wird das Konzept erläutert. Danach beantworten Nicole Sude und Vertreter des Büros online Fragen.

Die Fachdienstleiterin Susanne Paulus erhofft sich mindestens ebenso viele Teilnehmer wie bei der ersten Runde. „Wir wollen alle mitnehmen“, betont sie. „Die Fachleute sind die Radfahrer vor Ort.“ Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Online Hinweise geben

Nach der Videokonferenz wird die zweite Beteiligungsphase eröffnet. Dabei können alle dem Planungsteam ihre Anregungen und Wünsche online über die Kommentarfunktion oder über eine interaktive Karte mitteilen. Noch bis zum 19. September werden Hinweise entgegengenommen – auch per E-Mail unter radverkehrskonzept@lkwafkb.de.

Ziel des Konzepts ist es, bereits bestehende Radwege in den Städten und Gemeinden in einem möglichst lückenlosen Netz zu verbinden – es soll die schon vorliegenden Konzepte der Kommunen sinnvoll ergänzen. Das Land unterstützt das Projekt mit Geldern zur Förderung der Nahmobilität.

Im Konzept würden auch die übergeordneten Wege in die Nachbarkreise erfasst, betont Scheuermann. „Es hört nicht an der Landesgrenze auf.“ Die Wegekonzepte für die Innenstädte sollen allerdings den Kommunen überlassen bleiben. Grundsätzlich sollen Touristen und Einheimische alle Wege gemeinsam nutzen können.

Kreistag soll Konzept beschließen

Bis zum Jahresende soll das Radkonzept vorliegen. „Das ist die Eintrittskarte für die Umsetzung“, sagt Frese. Der Kreistag soll es beschließen – dies ist auch die Voraussetzung, um Fördergelder von Land und Bund zu erhalten.

Der Kreis und die Kommunen könnten Anträge stellen, erklärt Frese, die Förderquote liege bei rund 80 Prozent. In den nächsten zehn Jahren soll das Wegenetz nach dem Konzept ausgebaut werden.

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