Momente im Advent: Die Sache mit dem Weihnachtsbaum

Macht hoch die Tür

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Gut eingestielt: (v.l.) Bernd Merhof, Pfarrer Jürgen Henning, Werner Grebe, Christof Nolte, Heinrich Przegendza, Arnd Kriebel, Dirk Neige, Michael Köhler vom Männerstammtisch der evangelischen Stadtkirchengemeinde und Küsterin Viktoria Gass freuen sich über den Christbaum in der Korbacher Nikolaikirche.Fotos: Kleine

Korbach - Alle Jahre wieder - bringt der Christbaum nicht nur Segen in die Familien. Wie groß, wohin, welcher Schmuck? Just vor Heiligabend hängt mitunter der Haussegen schief. Der Männerstammtisch der evangelischen Gemeinde in Korbach bewältigt aber selbst hoch gewachsene Aufgaben in segensreicher Eintracht.

Einem stattlichen Weihnachtsbaum mag sich Bernd Merhof schon mal zu Füßen legen. Kriechend macht er sich durch die Äste, um die Schrauben am Christbaumständer festzuziehen. Gott sei Dank ist das eine Nordmanntanne, die da über vier Meter in der Markuskirche emporragt. Das immergrüne Nordlicht stachelt nicht, auch wenn es in Wahrheit aus Düdinghausen stammt.

Bernd Merhof, Leiter des Kirchenkreisamts, gehört zum Männerstammtisch der evangelischen Stadtkirchengemeinde. Für die Männerrunde gehört es zu den besonderen Momenten des Advents, in den beiden gotischen Kirchen der Altstadt die Christbäume aufzustellen. Erstmals zählt dieses Jahr aber auch die Markuskirche am Waldecker Berg zu ihrem Revier. Aller guten Dinge sind drei, heißt es ja so schön. „Noch ein Stück nach rechts“, ruft Pfarrer Jürgen Henning. Dann ist er sichtlich zufrieden mit den glorreichen Sieben auf Christbaumtour. Aber der Pfarrer hat ja auch selbst mit angepackt. Der Weihnachtsbaum in der Markuskirche reicht mit seiner Spitze bis unter die Decke, ein Stückchen weiter links bleibt für den leuchtenden Stern von Bethlehem aber noch genügend Raum.

„Ein Herrnhuter Stern“, klärt Henning auf. Rund 200 Jahre Tradition haben die vielzackigen Leuchtkörper aus der Oberlausitz. Pikanterweise lief die Produktion dieser Symbole christlichen Brauchtums im „VEB Stern“ selbst zu DDR-Zeiten. Devise: Den atheistischen Sozialismus in seinem Lauf halten weder Christkind noch Weihnachtssterne auf.

Nun, „tempora mutantur“ - die Zeiten ändern sich. Das Gute bleibt bestehen. Die DDR ist weg, Herrnhuter Sterne erfreuen sich weiter großer Beliebtheit. Aber das nur am Rande.

Ruck, zuck! So ging das mit dem Weihnachtsbaum in der Markuskirche. Nach rund einer halben Stunde tummelt sich der Männerstammtisch bereits an der Nikolaikirche in der Altstadt. Für die große gotische Hallenkirche liegt eine längere Tanne am Seitenportal bereit. Sonst käme sich der Christbaum womöglich etwas verloren vor im hohen Chorraum.

Michael Köhler, mit einschlägiger Küstererfahrung an der Kilianskirche, hat die Auswahl der Weihnachtsbäume indes bestens im Griff. Köhler nimmt mit dem Zollstock Maß, dann fliegen unter seiner Axt schnell ein paar Späne vom Stamm - schon passt der Christbaum in den Ständer.

Gemeinsam hieven die Männer vom Stamm-Tisch den Baum in die Kirche. Doch innen ist erst mal ein wenig Slalom angesagt: Techniker bereiten gerade die Bühne für die musikalische Weihnachtsgala am vierten Advent. Also muss der Christbaum in der rechten Ecke zunächst ein ungeschmücktes Schattendasein fristen, bevor er für Heiligabend dann in den Vordergrund rückt. Aber unter der roten und blauen Illumination für die Gala, mit goldenem Altar und Jesusfigur als Kulisse wirkt das trotzdem schon sehr weihnachtsfestlich hier. Und vom Himmel des Chorraums fällt natürlich auch in der Nikolaikirche ein leuchtender Stern.

Weiter geht’s im Reigen, denn auf den Männerstammtisch wartet in der Dunkelheit noch ein weiterer hoch gewachsener Nordmann - neben dem Südportal der Kilianskirche.

Eingestielt: 5,50 Meter ragt die Nordmanntanne empor

Rund 5,50 Meter misst dieser dritte Christbaum im Bunde. Drei Männer wuchten aus dem Kirchenkeller derweil das Gegengewicht heran: vier dicke Kanthölzer mit einer stählernen Hülse in der Mitte. Alsdann: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit …

Der Christbaumständer hat schon wahre Riesen in der Senkrechten gehalten. „Wir hatten mal eine Blaufichte, die war 7,50 Meter hoch“, erinnert sich Michael Köhler. Damals rief die Kirchengemeinde noch Korbacher Privatleute dazu auf, Bäume aus den Gärten zu spenden. So machte sich der Männerstammtisch oft bei tiefem Schnee mit Motorsäge auf die Socken.

Dagegen ist die Christbaum-Mission 2014 ohne Säge und Schnee fast ein Frühlingsspaziergang. Gemeinsam schieben die Männer in der Kilianskirche den Weihnachtsbaum in die Stahlhülse, stellen ihn behutsam links im Chorraum auf die Füße, Schrauben festziehen - fertig.

Als Lohn wartet im Gemeindehaus gleich nebenan schon das Abendbrot, das Küsterin Astrid Köhler für die Männer vorbereitet hat. In gemütlicher Runde kommt noch so manche Geschichte auf den Tisch, keine Spur von Hektik - oder gar Streit um den Christbaumschmuck.

Glitzerndes Lametta, zerbrechliche Kugeln oder filigrane Accessoires stehen ohnehin nicht zur Debatte. Äpfel, Strohsterne und Lichterketten formen die dezente Dekoration, die Michael Köhler am nächsten Tag in der Kilianskirche folgen lässt. Er steigt dann auf die Leiter, hört ein wenig Musik dabei und genießt es, allein und in Seelenruhe den Christbaum für den großen Moment an Heiligabend zu schmücken.

Angst vor dem Urteil der Gottesdienstbesucher hat er beim Dekorieren nicht: „Bis jetzt waren immer alle zufrieden. Außerdem bin ich ja bei meiner Frau in die Schule gegangen“, sagt Michael Köhler schmunzelnd.

Von Jörg Kleine

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