Marburg/Waldeck-Frankenberg

Margot Käßmann zur „Miss EKD“ gekürt

- Waldeck-Frankenberg (gi-).Die neue Kirchenratsvorsitzende stammt aus Nordhessen: Sie kam in Marburg an der Lahn zur Welt, ging dort zur Schule und studierte unter anderem an der Phillips-Universität Theologie.

„Im Vertrauen auf Gottes Hilfe nehme ich die Wahl an“ – Dr. Margot Käßmann ist am Mittwoch in Ulm mit 132 von 142 Stimmen zur Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt worden. Nur fünf Synodale stimmten gegen sie. Sie ist die erste Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die neue „Miss EKD“ gilt, wie Amtsvorgänger Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (67), als „Aushängeschild und überzeugendes Sprachrohr der Protestanten“. Margot Käßmann stammt aus Nordhessen. Als jüngste von drei Schwestern wurde sie am 3. Juni 1958 in Marburg an der Lahn geboren und wuchs in Stadtallendorf auf. Ihre Mutter war Krankenschwester, fuhr nebenbei Taxi, ihr Vater übte den Beruf des Kfz-Schlossers aus und hatte eine eigene Autowerkstatt.Nach dem Abitur 1977 in Marburg studierte das strebsame Nesthäkchen evangelische Theologie in Tübingen, Edinburgh, Göttingen und Marburg. 1981 heiratete sie Eckard Käßmann, ebenfalls Theologe, mit dem sie vier gemeinsame Töchter hat: Sarah 1982, Hanna und Lea 1986 und Esther 1991.Im Jahr 1985 erfolgte die Ordination zur Pfarrerin in der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck. Ihr erstes Pfarramt übernahm sie gemeinsam mit ihrem Mann in der Gemeinde Frielendorf im benachbarten Schwalm-Eder-Kreis. Bis 1990 arbeitete sie als Pfarrerin, promovierte in dieser Zeit an der Bochumer Ruhr-Universität zum Doktor der Theologie. Thema ihrer Dissertation war „Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche“. Schon bald reizten sie kirchenpolitische Aufgaben. Von 1990 bis 1992 war Margot Käßmann Beauftragte für den Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck. An der Kirchlichen Hochschule Leipzig und der theologischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg übernahm sie Lehraufträge für Ökumene. Seit 1999 leitet Margot Käßmann die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover.Die 51-jährige Bischöfin ist eine von vier Frauen, die in Deutschland das hohe Kirchenamt bekleiden. Unfreiwillige Schlagzeilen machte Käßmann im Jahr 2007, als sie nach 26 Jahren Ehe die Scheidung einreichte. „Ein unendlich schwerer Schritt“, wie sie damals sagte. Es war das erste Mal, dass sich eine amtierende Bischöfin scheiden ließ. Ihrer Beliebtheit und Glaubwürdigkeit weit über Kirchenkreise hinaus hat die Scheidung aber offenbar nicht geschadet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare