IG Bau warnt vor "alarmierendem Trend"

Tausende Menschen pendeln täglich aus dem Landkreis

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Straßenverkehr in Waldeck-Frankenberg: Auf dem Land sind viele Berufstätige aufs Auto angewiesen.

Waldeck-Frankenberg. Viele Berufstätige in Waldeck-Frankenberg pendeln jeden Tag zur Arbeit. Für den Job verließen im vergangenen Jahr rund 15 000 Menschen regelmäßig die Grenzen des Landkreises.

Im Jahr 2000 waren es noch 10 150 so genannte Auspendler. Das geht aus dem Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Damit gibt es so viele Berufspendler wie noch nie. Klaus Michalak von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt spricht von einem „alarmierenden Trend“.

Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass in den vergangenen Jahren auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt gestiegen ist. Im Jahr 2000 waren dies gut 55 000 Beschäftige und im Jahr 2018 knapp 63 400. Mittlerweile pendelt also rund ein Viertel aus dem Landkreis aus, und damals waren es etwas weniger als ein Fünftel. Ganz so dramatisch sei die Situation daher nicht einzuschätzen, gibt Cornelia Harberg als Sprecherin für die Agentur für Arbeit Korbach zu bedenken.

„Von einem Pendel-Boom würde ich nicht sprechen“, sagt sie. Die Zahlen müssten differenziert betrachtet werden. „Pendeln ist nicht gleich pendeln.“ Während manche täglich Strecken von 80 Kilometern für den Weg zur Arbeit auf sich nähmen, müssten andere nur 10 oder 20 Kilometer fahren, um die Kreisgrenze zu überwinden.

Wertvolle Zeit gehe verloren

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus Waldeck-Frankenberg mittlerweile üblich, meint der Gewerkschafter Michalak. Er moniert: „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“

Nach Angaben des Umweltbundesamtes steigen die Treibhausgas-Emissionen im Verkehrssektor weiter an, und Autos trügen erheblich dazu bei. Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen.

Investitionen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur seien daher nötig. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, so Michalak. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten, indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder von Zuhause aus zu arbeiten.

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