Verdi ruft zu Warnstreik auch in Nordhessen auf · 5500 Teilnehmer in Kassel

Mehr Gehalt und Gerechtigkeit

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Warnstreik: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bad Arolser Krankenhauses am frühen Morgen vor der Abfahrt zur Großkundgebung in Kassel.

Waldeck-Frankenberg - Zum Warnstreik der Gewerkschaft verdi fuhren aus Waldeck-Frankenberg knapp 250 Angestellte von Krankenhäusern, der Lebenshilfe und aus der Energieversorgung.

Über 5500 Dienstleister folgten laut verdi-Angaben dem Aufruf der Gewerkschaft zum Warnstreik und trafen sich gestern in Kassel zu einer zentralen Kundgebung, bei der auch der verdi-Chef Frank Bsirske sprach. Die Angestellten fordern 3,5 Prozent mehr Lohn und einen „Sockel“ von 100 Euro mehr Gehalt für jeden, um besonders kleinere Einkommen zu stärken.

Neben der rein finanziellen Komponente beklagte verdi-Sekretär Frank Lange ungleiche Behandlung: „Dass es überall 20 Prozent Zuschlag für Nachtarbeit gibt, in Krankenhäusern aber nur 15 Prozent, ist einfach ungerecht“, so der Sekretär für Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen. Zumal ebendort besonders viel Nachtarbeit geleistet werde.

Krankenhäuser aufgerufen

Die Krankenhäuser stellten denn auch einen Großteil der Teilnehmer aus Waldeck-Frankenberg: Mitarbeiter des Stadtkrankenhauses in Korbach, der Vitos-Klinik in Haina und des Krankenhauses Bad Arolsen waren zum Warnstreik aufgerufen. Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg wurde wegen seiner wirtschaftlichen Situation bewusst ausgeklammert, erklärte Frank Lange: „Wir verzichten darauf, es in den Konflikt mit reinzuziehen.“ Den Betriebsrat und die Mitarbeiter beschäftigten im Moment vielmehr die Planungen rund um den Psychiatrie-Neubau, sagte der Betriebsratsvorsitzende Uwe Patzer.

Auch Mitarbeiter des Lebenshilfe-Werks aus Korbach, Frankenberg und Bad Wildungen sowie der Energiegesellschaft Frankenberg waren unter den laut Frank Lange 250 Teilnehmern aus Waldeck-Frankenberg. Aus dem Krankenhaus Bad Arolsen waren etwa 50 Mitarbeiter zur Kundgebung vor dem Kasseler Rathaus gefahren: Krankenpfleger, Verwaltungsangestellte und weitere Beschäftigte, die ihren Forderungen durch einen Warnstreik Nachdruck verleihen wollten.

„Patienten sind versorgt“

Um alle stationären und Notfallpatienten werde sich gekümmert, wie eine Sprecherin der Gesundheit Nordhessen Holding bekräftigte. Die Versorgung sei sichergestellt, betonte auch die verdi-Streikbeauftragte des Krankenhauses, Ute Saake. Enger wurde es lediglich bei geplanten Untersuchungen oder Behandlungen.

Ähnlich war die Lage in der Kreisstadt: „Wir waren gut am Streik beteiligt“, erklärte Annette Boldt, Sprecherin der Teilnehmer aus dem Stadtkrankenhaus Korbach, ohne konkrete Zahlen über die Teilnehmer zu nennen. Gewerkschaft und Geschäftsführung hätten sich gut abgesprochen: „Patienten, die da sind, sind nun mal da“ und würden im Streik nicht einfach verschwinden. Trotz minimaler Einschränkungen seien Patienten aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet worden.

Geschäftsführer Wolfgang Kluß stimmte zu: „Die Gewerkschaft weiß, dass Krankenhäuser wegen möglicher Notfälle ungeeignete Streikobjekte sind.“ Beide Seiten hätten sich deshalb genau abgesprochen, das OP-Programm habe lediglich etwas eingeschränkt werden müssen. „Jetzt hoffe ich nur, dass die Vertragspartner sich einig werden. Je nachdem, wer bestreikt wird, kann das gravierende Folgen haben“, erklärte er.

Frank Lange ist optimistisch, dass die Bereitschaft der Streikenden, auf die Straße zu gehen, klar geworden ist: „Wir hoffen, dass die Arbeitgeber die Demonstration so interpretieren, dass sie auf soziale Forderungen eingehen.“(ah/apa/wf)

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