Viele freie Stellen können nicht besetzt werden

Waldeck-Frankenberg: Mangel an Lasterfahrern auch im Landkreis zu spüren

Gütertransport über die Schiene als sinnvolle und realistische Alternative zum Frachtverkehr auf der Straße?
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Gütertransport über die Schiene als sinnvolle und realistische Alternative zum Frachtverkehr auf der Straße?

Der Mangel an Lasterfahrern ist auch bereits im Landkreis zu spüren. Die Nachrichten aus Großbritannien von der Krise im Güterverkehr mit Versorgungsengpässen bei Kraftstoff und Lebensmitteln hat auch in Deutschland die Aufmerksamkeit auf die fehlenden Lkw-Fahrer gelenkt.

Waldeck-Frankenberg – Transport- und Logistik-Unternehmen suchen dringend Berufskraftfahrer, ob für Einsätze im In- oder Ausland. Laut Branchenverbänden fehlen bereits jetzt zehntausende von Fahrern, und die Lage werde sich ernsthaft zuspitzen, weil Nachwuchskräfte fehlten. Bei der Agentur für Arbeit Korbach wurden nach Auskunft der Pressesprecherin Gisa Stämm im September 45 offene Stellen für den Landkreis gemeldet, bei nur 18 Arbeitssuchenden beziehungsweise Arbeitslosen aus dieser Berufsgruppe. „Dass mehr offene Stellen als Interessierte gemeldet waren, entspricht der Situation im Vergleichsmonat der Vorjahre, ausgenommen September 2020, der deutlich von der Pandemie geprägt war“, erklärt Gisa Stämm. Dennoch waren vor drei Jahren noch 35 Berufskraftfahrer ohne Arbeit gemeldet, bei 48 offenen Stellen. Die Arbeitsagentur unterstütze Unternehmen, in dem zum Beispiel Angestellte aufeinander abgestimmte Qualifikationen erhalten, bis sie schließlich einen Abschluss als Berufskraftfahrer machen.

„Wer ausgebildet ist, findet sofort eine Anstellung“, berichtet der Fahrlehrer Helmut Schmidt aus Korbach, der mit seiner Fahrschule den Führerschein für Berufskraftfahrer anbietet. „Die Unternehmen bemühen sich um Fachkräfte, aber der Markt ist leer“, sagt Schmidt. Auch die „großen Speditionen machen Klimmzüge“. Die Ursachen dafür seien vielfältig. Lkw-Fahrer leisteten „harte Arbeit“, die der Gesundheit durch das viele Sitzen nicht gerade zuträglich sei. Wer europaweit im Einsatz ist, sei oft bis zu drei Wochen lang unterwegs. Hinzu komme, dass sich ein Einzelner den Führerschein und die Qualifikation meist nicht leisten könne. Das funktioniere nur über eine Anstellung in einem Unternehmen, das Zuschüsse für eine Qualifizierung beantragen kann. Ein entscheidender Faktor sei auch, dass aus der Bundeswehr deutlich weniger Kraftfahrer hervorkommen, als dies zu Zeiten der Wehrpflicht gewesen sei.

Eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene sieht Helmut Schmidt kritisch. Die Infrastruktur sei dafür vor allem auf dem Land nicht vorhanden.

Wenn Güter nicht mehr von A nach B transportiert werden können, weil die Fahrer fehlen, macht sich das bald bei jedem Verbraucher bemerkbar. So angespannt wie in Großbritannien ist die Lage in Deutschland nicht. Doch Branchenverbände warnen davor, dass der zunehmende Mangel an Lasterfahrern auch hier ernsthafte Folge haben kann. Welche Lösungen gibt es? Logistik- und Transportunternehmen sind im harten Wettbewerb um Fachkräfte und werben mit „modernen und ergonomisch eingerichteten Arbeitsplätzen und Lastern“, mit sicheren Übernahmeperspektiven, mit Zulagen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Doch woher sollen die Bewerber kommen?

Die Gewerkschaft Verdi rechnet damit, dass einige der osteuropäischen Fahrer, die bislang in Großbritannien gefahren sind, nun dem Arbeitsmarkt in Deutschland zur Verfügung stehen könnten. Der Fahrlehrer Helmut Schmidt von der Fahrschule Vollbracht und Schmidt in Korbach hat bereits Erfahrungen mit ausländischen Fahrern, beispielsweise aus EU-Ländern wie Rumänien, Ungarn und Polen. Manche sprächen kein Deutsch, und so entstünden Hürden spätestens bei der so genannten beschleunigten Grundqualifikation für Berufskraftfahrer, bei der auf Deutsch geprüft werde.

Für Fahrten im gewerblichen Güterverkehr müssen Fahrer zusätzlich zur Ausbildung der entsprechenden Fahrerlaubnisklasse diese Grundqualifikation erlangen und sich zudem regelmäßig weiterbilden lassen.

Die Allianz pro Schiene und die Bahn-Tochter DB Cargo werben indes für eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Die Güterbahnen seien viel umweltverträglicher als der Verkehr über die Straße, da der CO2-Ausstoß erheblich geringer sei. 92 Prozent der Verkehrsleistung im Güterverkehr werden von den Bahnen bereits elektrisch erbracht, argumentiert die Allianz pro Schiene. Zudem sei der Güterverkehr auf der Schiene sicherer, da das Unfallrisiko geringer sei. Vor allem würden weniger Fachkräfte gebraucht: Ein Lokführer könne bis zu 52 Lastwagenfahrer ersetzen, heißt es bei DB Cargo. „Der so genannte kombinierte Verkehr gewinnt aus verkehrs- und umweltpolitischen Gründen immer mehr an Bedeutung“, heißt es von Seiten des Statistischen Bundesamtes. Dabei werden Güter mit verschiedenen Verkehrsmitteln transportiert. Der Ferntransport erfolgt dabei per Eisenbahn oder mit Schiffen. Nur die letzten Kilometer übernehmen dann Lastwagen.

Von Stefanie Rösner

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