Neuer Bedarfsplan sieht bessere Ausstattung mit Fahrzeugen und Personal vor

Mehr Rettungswagen einsatzbereit

Waldeck-Frankenberg - Damit im Notfall medizinische Hilfe so schnell wie möglich zur Stelle ist, erhöht der Landkreis die Zahl der in Waldeck-Frankenberg stationierten Rettungswagen: Seit 1. Januar sind tagsüber an Werktagen bis zu 22 Fahrzeuge einsatzbereit – doppelt so viel wie bisher.

Um die „wichtige, mitunter lebenswichtige Aufgabe“ bestmöglich zu erfüllen, werde das System des Rettungsdienstes im flächengrößten hessischen Landkreis turnusgemäß alle fünf Jahre überprüft und weiterentwickelt, erläuterte Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf die gesetzliche Grundlage. Gemeinsam mit dem Ärztlichen Leiter im Rettungsdienst, Dr. Rudolf Alexi, Kreisbrandinspektor und Fachdienstleiter Gerhard Biederbick, Sachbearbeiterin Manuela Böhm und dem Sprecher der Lehrrettungsassistenten, Mirko Esterhaus, stellte er gestern das neue Konzept vor.

Demnach stehen im Landkreis seit Jahresbeginn in Bad Arolsen, Korbach und Frankenberg täglich drei – an Wochenenden und Feiertagen sogar vier – zusätzliche Rettungsfahrzeuge und rund 20 Mitarbeiter mehr zur Verfügung. Zeitlich gestaffelt erhöht sich die Zahl der Fahrzeuge dann werktäglich zwischen 6 und 9 Uhr von elf auf 22. Zwischen 14 Uhr 18 Uhr wird dieses Aufgebot sukzessive wieder zurückgefahren. Elf Rettungswagen bleiben nach wie vor 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit.

Außerdem wurde im Bedarfsplan festgeschrieben, dass in der Wintersaison (15. Dezember bis 28. Februar) an den Wochenenden tagsüber weitere Fahrzeuge in Willingen stationiert werden. Diese zusätzlichen Kapazitäten stehen auch während der hessischen und der niederländischen Winterferien zur Verfügung. Überdies wird auch die Kooperation mit den Rettungswachen in den angrenzenden Gebieten ausgebaut. So starten im Notfall auch Rettungswagen aus Brilon, Medelon oder Marsberg, Biedenkopf, Albshausen oder Jesberg, Fritzlar, Wolfhagen oder Warburg, um Patienten in Waldeck-Frankenberg zu helfen.

„In den vergangenen Jahren haben wir einen stetigen Anstieg der Einsatzzahlen beobachtet“, führte Deutschendorf weiter aus. Grund für diese Entwicklung sei einmal mehr die sich verändernde Altersstruktur: „Stichwort demografischer Wandel.“ So habe sich die Zahl der qualifizierten Krankentransporte und Rettungseinsätze im Landkreis zwischen 2010 und 2013 kontinuierlich von 29301 auf zuletzt 32079 erhöht.

Stichwort: Notfallsanitäter

Gerade tagsüber mehr Rettungswagen einsetzen zu können, reduziere die Zahl der sogenannten Duplizitätsfälle, erläuterte Dr. Rudolf Alexi, Ärztlicher Leiter im Rettungsdienst. Diese träten auf, wenn ein Fahrzeug gerade einen medizinisch zu betreuenden Patienten ins Krankenhaus fährt, zeitgleich aber in diesem Gebiet an einem Unfallort benötigt würde. Dann einen weiter entfernten, einsatzbereiten Rettungswagen anfordern zu müssen, führe häufig zu einer längeren Hilfsfrist. Innerhalb dieses vom Gesetzgeber definierten Zeitraums müssen ein Rettungswagen oder ein Notarzteinsatzfahrzeug in mindestens 90 Prozent aller Fälle in zehn Minuten am Einsatzort sein. 2013 lag die Quote im Landkreis aber nur bei knapp 80 Prozent. Der neue Bedarfsplan orientiert sich auch an den veränderten gesetzlichen Bestimmungen. „Das gängige Berufsbild des Rettungsassistenten wird auslaufen“, so Dr. Alexi. Stattdessen helfen künftig Notfallsanitäter mit erweiterten notfallmedizinischen Kompetenzen. Das entsprechende Gesetz ist bereits Anfang 2014 in Kraft getreten. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Um diesem Wandel Rechnung zu tragen, hat Alexi gemeinsam mit den Lehrrettungsassistenten des Landkreises für 2015 ein Fortbildungskonzept entwickelt. Im Rahmen einer Zusatzqualifikation werden die Rettungsassistenten daher innerhalb der nächsten fünf Jahre zu Notfallsanitätern weitergebildet. Die Kosten für den gesamten Rettungsdienst und Krankentransport in Waldeck-Frankenberg betrugen 2014 zirka elf Millionen Euro. Sie werden von den Krankenkassen getragen. Rund Dreiviertel dieser Gesamtkosten entfallen dabei auf die Rettungstransportfahrzeuge. Durch die Änderungen des neuen Bedarfsplans ist laut Deutschendorf damit zu rechnen, dass sich die Kosten für den gesamten Rettungsdienst um rund neun Prozent erhöhen werden.

Von Thomas Kobbe

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