Autogas und Erdgas werden in Waldeck-Frankenberg beliebter

Mehr Spaß beim Tanken mit Gas

+

Waldeck-Frankenberg - Wer mit Autogas oder Erdgas fährt, kann viel Geld sparen. Das sagen die Experten. Auch im Landkreis wächst die Zahl jener, die vom Benziner oder Dieselfahrzeug 
abrücken.

200 000 Kilometer zeigte der Tacho des BMW von Jürgen Engelbracht an. Zeit für einen Wechsel, dachte sich der Willinger vor sechs Jahren und kaufte sich ein neues Auto. Das sollte auf Flüssiggas (LPG) umgerüstet werden. Das Problem damals war, dass der Autohersteller nach einem Umbau keine Garantie mehr auf den Motor geben wollte. Engelbracht ließ den Benzinmotor im neuen Wagen und entschloss sich, den Gastank in den alten BMW einzubauen. Das Ergebnis sechs Jahre später: weitere 170 000 Kilometer und eine Menge eingespartes Geld. „Anfangs hatte ich schon Bedenken, doch im Nachhinein war es die beste Entscheidung, die ich im Zusammenhang mit Autos bislang getroffen habe“, freut sich der 62-Jährige. Aktuell lässt der Architekt den vor sechs Jahren neu gekauften Wagen auf Gas umrüsten. Den BMW hat er verkauft – trotz der hohen Laufleistung noch für einen guten Preis. Dem Gas sei Dank. 1300 Gas-Autos unterwegs So wie Jürgen Engelbracht handeln immer mehr Menschen in Deutschland und 
auch im Landkreis. Nach Statistiken der Zulassungsstelle 
setzen in Waldeck-Frankenberg 
über 1300 Fahrer auf Autogas. Verhaltener sieht es bei den 
Erdgas-Fans aus: Dort sind bei der Zulassungsstelle rund 150 Autos gemeldet. Zum Vergleich: Etwa 60 000 
der Waldeck-Frankenberger 
Autofahrer setzen auf Benzin-, 30 000 bevorzugen Diesel-Fahrzeuge. Ein Trend sei dabei nur schwer zu erkennen. „Es ist nicht so, dass jeden Tag 
jemand vorbeikommt und ein gasbetriebenes Auto anmeldet“, erklärt Uwe Blaschke von der Zulassungsstelle. Dies komme eher sporadisch vor. Den Trend zu Gas sieht aber der „Deutsche Verband für Flüssiggas“ (DVFG). Zwischen 
2005 und 2011 ist die Zahl der Autogas-Fahrzeuge in Deutschland um 400 000 auf 456 000 
gestiegen. Ebenso sieht es mit den Tankstellen aus, die Flüssiggas anbieten. Im Landkreis sind dies derzeit 23, deutschlandweit über 6000. „Ab einer Fahrleistung von 20 000 Kilometern im Jahr lohnt sich die Umrüstung auf Autogas mit Sicherheit“, weiß der Kfz-Meister Andreas Klingelhöfer. Der Umbau würde rund 2000 Euro kosten. Dass durch die neuen Teile der Autohersteller – wie im Fall von Jürgen Engelbracht – keine Garantie auf den Motor gibt, sei kein Problem. „Dafür bieten Werkstätten eine Zusatzversicherung an, die eventuelle Schäden übernimmt“, sagt Klingelhöfer. Geschenk statt Tankfüllung Solche Schäden könnten zum Beispiel entstehen, da durch die Verwendung von Autogas der Ölanteil nicht mehr so hoch ist wie bei einem reinen Benziner. Das führt zu einer Schmierverminderung. „Doch die modernen Gasanlagen schalten zum Beispiel bei hohen Drehzahlen automatisch auf Benzin um, um so den Motor zu scho-
nen“, gibt der Auto-Experte auch 
gleich wieder Entwarnung. Auch dass die Leistungsfähigkeit bei LPG-betriebenen 
Autos abnimmt, stimme. „Das ist allerdings nur in der Spitze 
bemerkbar und macht drei bis fünf Prozent der eigentlichen Leistung aus“, so Klingelhöfer. Für einen Gasfuß würde sich 
ein Gasauto also eher nicht lohnen, so seine Empfehlung Für Jürgen Engelbracht ist es keine Frage, dass er nach dem Verkauf des alten Autos auch den nächsten Wagen auf LPG umrüsten lässt. „Für das Geld, dass ich normalerweise für 
eine Tankfüllung Benzin bezahlen müsste, dürfen sich meine Enkelkinder über ein kleines Geschenk freuen“, hat der Willinger auch schon einen anderen Verwendungszweck für das eingesparte Geld gefunden. Gas ist nicht gleich GasWer mit Gas fahren will, hat 
vor allem die Wahl zwischen 
Liquefied Petroleum Gas (LPG), dem Autogas, und Compressed Natural Gas (CNG), 
also Erdgas. Autogas ist im Tank des Fahrzeugs flüssig, Erdgas ist gasförmig. Die Umrüstung ist bei LPG-betriebenen Autos in der Regel günstiger als bei Erdgas-Fahrzeugen. Was vielen Fahrern Sorgen bereitet, ist der Druck, mit dem die Stoffe 
im Tank gelagert werden. Bei 
Autogas liegt er zwischen zwölf und 15 Bar, bei CNG liegt dieser Wert bei rund 200 Bar. Spezielle Tanksysteme bieten aber Sicherheit. Effektiv ist Erdgas zudem deutlich billiger als Autogas, Umgerechnet auf den Energiegehalt von Benzin ergibt sich ein Literpreis von knapp 74Cent. Größter 
Vorteil von CNG ist der im Vergleich zu Autogas geringere 
Kohlenstoffdioxid-Ausstoß.(tt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare