Kooperationsvertrag für die gemeinsame Nutzung von digitalen Geodaten unterzeichnet

„Meilenstein“ für Behörden und Bürger

Bürgermeister, Beigeordnete und Stadträte aus 20 Kommunen in Waldeck-Frankenberg besiegelten als Vertragspartner gestern eine Vereinbarung, um künftig Geodaten auszutauschen und gemeinsam zu nutzen. Fotos: Kobbe

Waldeck-Frankenberg - Kommunen und Kreis wollen künftig stärker kooperieren, um die Bauleitplanung besser aufeinander abzustimmen und demografischen Entwicklungen gezielter zu begegnen. Als Grundlage dafür dienen gemeinsam genutzte digitale Karten mit sogenannten Geodaten.

Wo befinden sich Hydranten? Wie verlaufen Versorgungsleitungen? Ist das Baugrundstück in Hanglage? Fragen wie diese lassen sich künftig schnell und präzise mit wenigen Mausklicks klären. Dafür soll eine „Geodateninfrastruktur (GDI) Waldeck-Frankenberg“ installiert werden. Einen entsprechenden Kooperationsvertrag haben gestern Bürgermeister, Beigeordnete und Stadträte aus 20 der 22 kreisangehörigen Kommunen im Amt für Bodenmanagement unterzeichnet. Haina und Gemünden sind (noch) nicht dabei. Zum ersten Mal wird damit eine breit angelegte interkommunale Zusammenarbeit etabliert, bei der als Partner der Landkreis beteiligt ist. Angestrebt wird in einer ersten Phase, bis 2017 die Bauleitplanungen aller 20 Kommunen in digitaler Form ins Netz zu stellen, erläuterte Wolfgang Baraniak, der im Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung für das Projekt verantwortlich ist.

Hilfe bei der (Be-)Nutzung der Geodaten erhalten die beteiligten Städte und Gemeinden vom Amt für Bodenmanagement. In der Kreisverwaltung werde bereits in acht Fachdiensten und zwei Eigenbetrieben mit den digitalen Karten gearbeitet, berichtete Landrat Dr. Reinhard Kubat. Als Gründungszuschuss und „Motivationsschub“ steuert das Land 100 000 Euro für die interkommunale Zusammenarbeit bei. Außerdem beteiligen sich die Kommunen mit einer Umlage von je zehn Cent pro Einwohner an den Kosten des Vorhabens. Die Nutzungsrechte an den Geobasisdaten hatte der Kreis Ende 2011 vom Land für rund 270 000 Euro erworben.

In den Rathäusern und Gemeindeverwaltungen seien „Geodaten unentbehrlich bei der täglichen Arbeit“, unterstrich der Bromskirchener Bürgermeister Karl-Friedrich Frese die Bedeutung der Vereinbarung. Als Beispiele nannte er die Flächennutzungsplanung und die Ortskernbebauung. Im Namen seiner zahlreich angereisten Amtskollegen bezeichnete er die Vereinbarung als „Meilenstein“ für die interkommunale Zusammenarbeit, über die seines Erachtens noch immer „zu viel geredet“, aber für die „zu wenig getan“ werde.

Doppelarbeit in den Kommunalverwaltungen werde vermieden, Kompetenz gebündelt und die Zugriffszeit minimiert, führte Frank Mause, Leiter des Amtes für Bodenmanagement, als Vorteile „für Behörden und Bürger“ an. Personenbezogene Geodaten würden dabei gesondert betrachtet und geschützt.

Mit der GDI kommen die Kommunen außerdem der Verpflichtung einer EU-Richtlinie nach, viele der in Behörden vorhandenen Geodaten nach einheitlichen Standards elektronisch verfügbar zu machen. Das Amt für Bodenmanagement berät und unterstützt die Akteure der teilnehmenden Kommunen, die das Vorhaben in verschiedenen Arbeitsgruppen voranbringen wollen.

Stichwort

Geodaten sind digitale oder analoge Informationen, die als wesentliches Merkmal einen Raumbezug haben. Sie können also einem Punkt, einer Linie oder einer Fläche auf der Erdoberfläche zugeordnet werden. Auf und mit Geodaten lassen sich Abfragen, Analysen und Auswertungen für unzählige raumbezogene Fragestellungen aus allen Bereichen von Verwaltung, Wirtschaft und Forschung durchführen. Geodaten lassen sich in die beiden Komponenten Geobasisdaten und Geofachdaten aufteilen. Geobasisdaten beschreiben die Landschaft (Topografie) und die Liegenschaften der Erdoberfläche. Geobasisdaten dienen dafür als Grundlage.(r)

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